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Völkisches Büchereiwesen

Zur Geschichte der Grenzbüchereiarbeit in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus

Das Öffentliche Bibliothekswesen – vor den 1970er Jahren eher Büchereiwesen genannt – ist immer eingelassen in die zeitgenössischen Denkweisen und politischen Entwicklungen der Gesellschaft, im den es existiert. Gleichzeitig findet die Weiterentwicklung der Büchereiarbeit sowie der Infrastrukturen des Büchereiwesens statt, egal welche Ideologie jeweils aktuell vorherrschend sind. Der Artikel zeigt dies am Beispiel des Grenzbücherdienst e.V. auf, welcher in den 1920er bis 1940er Jahren in Deutschland eine bedeutende Rolle im damaligen Bibliothekswesen spielte, obwohl die Grundüberzeugungen, die der Verein vertrat, heute als rechtsextrem gelten können. Der Verein ging von einem völkischen Verständnis aus, nach dem die Welt in Völker eingeteilt wäre, die sich untereinander bekämpfen würden und sah es als seine Aufgabe darin, die «Erhaltung» des deutschen Volkes in den sogenannten «Grenzregionen» sicherzustellen. Für seine Arbeit konnte der Verein offenbar enorme Ressourcen mobilisieren. Er war mit den entstehenden staatlichen Infrastrukturen des Büchereiwesens, insbesondere den damals gegründeten Fachstellen, verbunden und war zudem eingelassen in die zeitgenössischen Diskurse des Büchereiwesens, insbesondere der Büchereipädagogik. Er nutzte nicht nur die gleichen Instrumente, wie sie auch von deutschen Büchereien genutzt wurden, die der Verein nicht erreichte. Vielmehr trieben einige Mitglieder des Vereins in ihren beruflichen Funktionen, beispielsweise als Fachstellenleitungen, die Entwicklung des Bücherwesens selber mit voran. Der Text schildert, nach einer notwendigen historischen Kontextualisierung, die vom Verein verbreiteten Diskurse und seine konkrete Arbeit, zuerst während der Weimarer Republik (1918-1933), dann während des Nationalsozialismus (1933-1945). Dabei wird sich zeigen, dass die Ideologie und konkrete Tätigkeit des Vereins ohne grössere Probleme auch in das nationalsozialistische Büchereiwesen integriert werden konnte. Am Ende stellt sich die Frage, was aus dieser Geschichte über das heutige Öffentliche Bibliothekswesen gelernt werden kann.


Public libraries – before the 1970s called «Büchereien» in german – is always connected to the contemporary discourses and political developments of the society there in. Regardless of the dominant ideologies, the advancements of the libraries work as well as the infrastructures of librarianship continues. This article shows this by example of the Grenzbüchereidienst e.V., which played an important role in german public librarianship during the 1920s to 1940s, although the basic beliefs of this association are seen as extreme right-wing ideologies today. The association followed a “völkische” understanding, by which the world is divided into “Völker” (ethnic groups) which are in a constant struggle between each other. He saw his goal in the upkeep of the german “Volk” in the so called “Grenzregionen” (border regions). For their work the association was apparently able to mobilise a great deal of ressources. He was conceted to the infrastructures of libarrianship, which where developing at that time, especially to the new founded “Fachstellen” (central departemts for the support of public libraries) and accepted the contemporary discourses of german public librarianship, expressly the “Büchereipädagogik” (a form of planed education through public libraries, unique for libraries in the german speaking countries). The association used the same instruments and methods like those public libraries which she did not reach. In fact, members of the association pushed the development of public librarianship at that time themselves,in their professional roles, e.g. as directors of the aforementioned “Fachstellen”. After a necessary historical contextualisation, this article depicts the discourses as well as the concret activities of the association during the Weimar republic (1918-1933) and the nationalsocialist regime (1933-1945). Thereby it will become clear apparent, that the basic belives as well as the work of the association could easily be integrated into the public librarianship during the nazi area. At the end, the article raises questions, what could be learned from this history for todays public librarianship.


Zitiervorschlag
"Völkisches Büchereiwesen. Zur Geschichte der Grenzbüchereiarbeit in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus". LIBREAS. Library Ideas, 44 ().