> > > LIBREAS. Library Ideas # 33

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Was steckt hinter der Eule?

Das Workshopangebot der Universitätsbibliothek der Technisches Universität Wien im Rahmen der KinderuniTechnik Wien


Zitiervorschlag
Birgit Christine Bittner, "Was steckt hinter der Eule?. Das Workshopangebot der Universitätsbibliothek der Technisches Universität Wien im Rahmen der KinderuniTechnik Wien". LIBREAS. Library Ideas, 33 ().


Im Jahr 2017 fand die 10. KinderuniTechnik im Rahmen der 15. KinderuniWien statt. Die KinderuniWien zählt zu den größten Wissenschaftsvermittlungsprojekten in Europa mit jährlich mehr als 4.000 teilnehmenden Kindern, 600 WissenschafterInnen und rund 450 Lehrveranstaltungen an sechs Wiener Universitäten und einer Fachhochschule. Seit dem Jahr 2009 nimmt auch die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Wien an der KinderuniTechnik im Rahmenprogramm teil. Es werden in der zweiten Juliwoche, über das Kinderunivorlesungsverzeichnis, zwei jeweils eineinhalbstündige Workshops für maximal 15 Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren angeboten.

Wir haben unseren Workshop anfangs mit dem Titel Bibliotheks-ErforscherInnen gesucht! und danach unter Was versteckt sich hinter der Eule? angeboten, da unser Bibliotheksgebäude durch eine 18 Meter große Eule an der Außenfassade geprägt wird.

Eule an der Außenfassade (Foto: Birgit Christine Bittner)
Eule an der Außenfassade (Foto: Birgit Christine Bittner)

Nach einer sehr kurzfristigen Übernahme des Kinderuni-Bibliotheks-Workshops von einem sehr erfahrenen Kollegen, der den Vergleich des Internets mit gedruckten Büchern zum Schwerpunkt hatte , wollten meine Kollegin Christa Glaser und ich ein neues Workshopkonzept den KinderunistudentInnen anbieten und waren damit in den vergangenen fünf Jahren sehr erfolgreich.

Der Workshop hat mehrere Stationen und führt die TeilnehmerInnen vom vierten Obergeschoss bis ins dritte Untergeschoss unseres Bibliotheksgebäudes. Sie schlüpfen zuerst in die Rolle eines Bibliotheksbesuchers / einer -besucherin und im zweiten Teil dann in die eines Bibliothekars / einer Bibliothekarin. Nach einer kurzen Begrüßung, einer Vorstellung des Ablaufs sowie der Personen werden sie anhand von Schätzfragen an die Bibliothekszahlen und Benutzungsregeln herangeführt. Die Kinder werden anschließend gemäß den Benutzungsregeln mit unseren durchsichtigen Bibliobags ausgestattet, die vorbereitete Suchaufgaben beinhalten.

Zuerst wird den Kindern die Funktionsweise des Online-Katalogs, der eine Suche nach ganz konkreten wissenschaftlichen Inhalten oder Werken ermöglicht, erklärt. Danach wird das Prinzip der Freihandaufstellung, der Aufstellungssystematik und der Adjustierung der Bücher in den Bücherregalen gezeigt. Mit diesem Wissen suchen die Kinder im Online-Katalog nun selbständig nach dem Standort ihrer Bücher. Bei der Auswahl der Suchbeispiele wird darauf geachtet, dass sich die Bücher nicht über Augenhöhe der Kinder sowie in einem überschaubaren Regalbereich der Bibliothek befinden und auch möglichst weit von den Benutzerarbeitsplätzen entfernt sind, um die StudentInnen, die normalerweise sehr tolerant und auch durch Plakate auf den Besuch der KinderunistudentInnen aufmerksam gemacht worden sind, möglichst wenig zu stören. Es ist sehr schön mitzuerleben, welches Erfolgserlebnis es für die Kinder bedeutet, das richtige Buch dann aus der Vielzahl an Büchern aus dem Regal zu ziehen.

Jetzt beginnt der Teil des Workshops, der sich mit Wissenspeicherung abseits der digitalen Erfassung widmet. Die nächste Station ist der Mikrofichearbeitsplatz, wo alle verfügbaren Geräte aufgestellt werden. Nach einem Ratespiel, einem kurzen geschichtlichen Abriss und der Erklärung der Geräte wird von den Kindern eine Suchaufgabe auf den Mikrofichen gelöst. Besondere Begeisterung ruft immer der lesbare Papierausdruck eines negativen Fiches hervor.

Mikrofichelesegerät (Foto: Marie Knull)
Mikrofichelesegerät (Foto: Marie Knull)

Da ein Großteil unseres alten Autorenkataloges (bis 1930) noch nicht über den Online-Katalog recherchierbar ist, lassen wir auch Bücher aus unserem alten Zettelkatalog suchen. Dafür haben wir einige geeignete Beispiele ausgewählt und Kopien der in Kurrentschrift beschriebenen Katalogzettel foliert. Die Transkription für den Eintrag der notwendigen Felder auf unseren Bestellscheinformularen können die Kinder mit Hilfe von Transkriptionslisten meist in Zweiergruppen bewerkstelligen.

Transkription der alten Karteikarten (Foto: Marie Knull)
Transkription der alten Karteikarten (Foto: Marie Knull)

Mit den ausgefüllten Bestellscheinen in der Hand switchen alle TeilnehmerInnen in die Rolle von BibliothekarInnen und haben nun die Möglichkeit in die verschlossenen Magazinsbereiche im dritten Untergeschoss der Bibliothek zu gelangen, wo unsere alten Bücher aufbewahrt werden. Die mit alten Büchern gefüllten Kompaktregalanlagen versetzen die meisten Kinder in ehrfürchtiges Staunen. Es wird ihnen schon vorab erklärt, nach welchem System hier die Bücher aufgestellt sind (innerhalb der Formate im Numerus Currens). Auch hier ist jedes gefundene Buch ein Erfolgserlebnis und der dafür als Platzhalter eingelegte Bestellschein erleichtert uns im Nachhinein auch die Rücksortierung.

Suche im Magazin (Foto: Marie Knull)
Suche im Magazin (Foto: Marie Knull)

Das Bewegen der einzelnen Kompaktregale, die ein mit einem kleinen Elefanten vergleichbares Gewicht haben, macht den Kindern großen Spaß. Die gefundenen Bücher werden dann mit Hilfe unseres Bücherlifts in das Erdgeschoß geschickt, wo sich die Ortsleihe befindet, und von dort auch gleich von den jungen BibliothekarInnen abgeholt.

Bücherlift (Foto: Marie Knull)
Bücherlift (Foto: Marie Knull)

Um den logischen Kreislauf zu schließen, können hier von den Kindern – wieder in der Rolle als BibliotheksbenutzerInnen – die Bücher entweder am Schalter oder eigenständig am Selbstverbucher ordnungsgemäß entlehnt werden. Es wird auch getestet, was passiert, wenn man mit einem unverbuchten, also nicht entsicherten Buch durch die Sicherungsschranke geht. Als Andenken bekommen die TeilnehmerInnen von uns ein Lesezeichen, auf dem unsere Eule abgebildet ist, sowie einen Stempel in ihrem Studienausweis, den sie ausgefüllt für ihre Sponsion (Urkundenverleihung) benötigen.

Selbstverbucher (Foto: Marie Knull)
Selbstverbucher (Foto: Marie Knull)

Wir haben uns beide spontan und freiwillig dazu entschlossen, diesen Workshop zusätzlich zu unserer alltäglichen Arbeit in dieser Form zu organisieren, da wir davon überzeugt sind, damit einen nicht unwichtigen Beitrag zur Bibliothekskompetenz recht junger Menschen zu leisten. Wir konnten immer wieder feststellen, welch große Wirkung unser Workshop auf etwaige zukünftige BibliotheksbenutzerInnen hat, da wir schon mehrfach gefragt wurden, ab welchem Alter man bei uns eine Bibliotheksbenützerkarte lösen kann oder von einer sehr aufgeweckten jungen Dame sogar Was muss ich tun, damit ich Bibliothekarin werde?. Das Erfolgsgeheimnis ist eine sehr gute Vorbereitung hinsichtlich des zeitlichen und räumlichen Ablaufs und bei der Erklärung sämtlicher Zahlen und Fakten möglichst bildhafte Beschreibungen zu verwenden. Der Workshop ist auch durch ständiges gegenseitiges Fragenstellen gekennzeichnet. Es machte uns jedes Jahr aufs Neue sehr große Freude, nicht nur das bibliothekarische Wissen, sondern auch die Begeisterung für unseren Beruf den KinderunistudentInnen zu vermitteln.


Birgit Christine Bittner ist im Bereich Erwerbung & Institutsdienst der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Wien beschäftigt. Kontakt: birgit.bittner@tuwien.ac.at