> > > LIBREAS. Library Ideas # 7

Rezension zu: André Spiegel (2006) Die Befreiung der Information – GNU, Linux und die Folgen. Berlin: Matthes & Seitz, 176 S., € 14, 80, ISBN 978-3-88221-879-4


Zitiervorschlag
Alexander Struck, "Rezension zu: André Spiegel (2006) Die Befreiung der Information – GNU, Linux und die Folgen. Berlin: Matthes & Seitz, 176 S., € 14, 80, ISBN 978-3-88221-879-4". LIBREAS. Library Ideas, 7 ().


Auf ca. 150 Seiten liefert der Autor einen guten Überblick über die Entwicklung und historischen Zusammenhänge von „Offenheit“ im digitalen Kontext. Um es vorweg zu sagen, dies ist kein wissenschaftliches Fachbuch für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Es bietet zwar Kapitel über verschiedene aktuelle Medien (hier: Datenträger) und deren Möglichkeiten bzw. Beschränkungen in Bezug auf freien Informationsaustausch – Eco wird mit interessanten Einsichten zur Verfügbarkeit und Änderbarkeit des gedruckten Wortes zitiert – der wirkliche Wert dieser Abhandlung besteht jedoch in der Abrundung des Wissens auf verschiedenen relevanten Randgebieten.

Eher allgemein gehalten, geht André Spiegel doch in angemessener Weise auf Details ein, die für das Gesamtverständnis nützlich sind. Der Autor vereinfacht einige Sachverhalte, wo er es als nötig erachtet (WWW = Internet) und hier keinen Mangel darstellt, hilft es doch in dem weiten behandelten Gebiet die Zusammenhänge im Auge zu behalten. Einzig die Erwähnung, dass es keine Tauschbörsen für digitalisierte Bücher gibt, halte ich für missverständlich dargestellt, führt doch beispielsweise btjunkie.org über 1000 Treffer zu diesem Suchbegriff.

Immer aktueller werden für unser Fach die Lizenzmodelle, bei denen Spiegel kurz die Grundzüge der GNU Free Documentation Licence (GFDL) und Creative Commons bespricht (Der Text ist unter CC lizensiert). Kurz darauf wird im Kapitel zur Kooperation unter anderem der praktische Nutzen von Lizenzen bei Projekten wie der Wikipedia nachgewiesen. Dem Titel gemäß, geht Spiegel breit auf die Entwicklung von Betriebssystemen ein, wobei Richard Stallmann öfter zu Wort kommt. Auch Patente und Kryptographie erhalten hier ihren Platz.

Im eigens zu dieser Publikation erstellten Blog[Fn1] geht Spiegel auf Nachfrage eines Lesers stärker auf den scheinbaren Widerspruch des Knackens von Kopierschutzmechanismen und der Unüberwindbarkeit heutiger Verschlüsselungsverfahren ein. Ebenso wendet er sich an dieser Stelle dem Problem mit kommerziellen Publishern – speziell Elsevier – zu.

Sympathischer Weise „befreit“ der Verlag die Information des Buches ebenfalls und bietet es komplett und gratis als PDF sowie als HTML-Version unter www.die-befreiung-der-information.de/buch.html zum Download an.

Ein letzter Hinweis für alle Humboldtianer: Für mich als Informatikstudenten bot es in gedruckter Form eine wertvolle Ergänzung der Vorlesungen von Prof. Wolfgang Coy (Informatik & Gesellschaft, weitere Informationen unter http://waste.informatik.hu-berlin.de/coy/).

Fußnoten


Alexander Struck studiert Informatik und Bibliothekswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin.und arbeitet bei OVID Technologies GmbH.