> > > LIBREAS. Library Ideas # 7

Zwei Bibliotheksgedichte


Zitiervorschlag
Susanne Brandt, "Zwei Bibliotheksgedichte". LIBREAS. Library Ideas, 7 ().


Innerer Monolog am Interessenkreisregal

Buch an Buch an Buch an Buch
Hat die „Liebe“ Platz genug?
Fühlt das „Schicksal“ sich bedrückt?
Sind die „Frauen“ heut verrückt?

Wer um alles in der Welt,
hat das „L“ vors „K“ gestellt?

Wo ist denn der Schätzing hin?
Laut Computer nicht entlieh'n!
Solche ungeklärten Lücken
sind die dümmsten Bibliotücken!

Ganz wild auf Bücher!

Nachdichtung von Susanne Brandt nach „Wild about Books” von Judy Sierra

An einem Augusttag, da fing alles an:
Die Bibliothekarin Babett Libermann
verirrte sich mit ihrem Bücherbus,
fuhr einfach nicht dort, wo sie fahren muss.
Im Zoo blieb sie stehn und trug eifrig wie immer
Stuhl, Tisch und Computer ins Freiluftzimmer. /

Erst trauten die Tiere sich nicht in die Nähe.
Der Elch sprach: „Wer hört und wer sieht, was ich sehe?“ /
Da riefen Gazellen und Echsen im Chor:
„Die Dame beim Bus liest Geschichten vor!“
„Wie wunderbar“, seufzte der Elefant,
„Auf geht's, meine Lieben, das ist interessant!“ /

Und bald war der ganze Zoo auf den Beinen,
sie hüpften und krochen, die Großen und Kleinen,
aus Nestern und Käfigen, Höhlen und Ecken,
um mehr von den Büchern beim Bus zu entdecken. /
Noch nie waren sie so begeistert gewesen!
Sie freuten sich alle aufs Bücherlesen.

Zuerst ließen sich die Giraffen beglücken.
Für sie gab es Bücher mit ganz langen Rücken.
Dann fragte der Bär mit den schläfrigen Augen
nach Büchern, die bestens zum Einschlafen taugen. /
Und wasserfest mussten sie sein für den Otter,
denn der las beim Schwimmen – na was? Harry Potter!

Die Kochbücher schnappte sich das Krokodil.
Das las zwar nur wenig, doch fraß ziemlich viel. /
Die Lamas, die lasen am liebsten beim Essen
und hätten dabei fast das Kauen vergessen. /
Die Schlangen, die suchten nach lustigen Sachen
und kringelten sich dann beim Lesen vor Lachen. /

„Ich muss euch was sagen“, rief plötzlich Babett.
Das klang etwas streng, aber immer noch nett. /
„Ich sehe, dass manche die Bücher verdrecken
und einige sogar die Seiten abschlecken!
Drum will ich euch jetzt ein paar Regeln erklären,
weil solche Manieren mich doch mächtig stören.“ /

Das konnten die Zootiere sehr gut versteh'n.
Zugleich hatten sie noch ganz andre Ideen:
Sie wollten begeisterte Leser bleiben,
doch auch ihre eigenen Bücher schreiben:
Der Pinguin schrieb mit der Schnabelspitze
die ersten Geschichten und Eisberg-Witze. /

Die Käfer aus Asien übten Haiku.
Scharf gab der Skorpion seine Meinung dazu. /
Das Nilpferd hat über sich selbst nachgedacht
und aus seinem Leben ein Märchen gemacht.
Das wollte der Leopard auch gern probieren,
fand freundliche Hilfe bei anderen Tieren. /

Fast täglich schrieb jemand im Zoo nun ein Buch.
Schon bald gab es eigene Bücher genug,
um hier eine Zoobücherei zu errichten
aus Balken und Mauern für wilde Geschichten.
Das Bauen und Einrichten war schnell geschafft
mit fleißigen Bibern und tierisch viel Kraft. /

Seither kann es manchmal im Zoo dort gescheh'n:
Du kommst zu Besuch, doch kein Tier ist zu seh'n!
Sie haben sich hierhin und dorthin verdrückt
und lesen und lesen noch heut wie verrückt!


Umsetzungsmöglichkeit im Rahmen von Bibliothekseinführungen etc.:

Je nach Zeitrahmen, Gruppengröße und Alter der Kinder lassen sich mit Buch und Text verschiedene Aktionen durchführen:

Das Bilderbuch zeigen und den deutschen Text dazu vorlesen oder sprechen
Die amerikanische Buchausgabe lässt sich über den deutschen Buchhandel problemlos bestellen. Für den praktischen Einsatz ist es zum Beispiel möglich, die deutsche Textversion in deutlich lesbarer Schriftgröße auszudrucken und in viele kleine Abschnitte zu zerschneiden, die sich dann an passender Stelle über den englischen Text ins Buch kleben lassen. Zwar stimmt die Nachdichtung nicht überall 1:1 mit den englischen Versen überein und überträgt hier und da eher sinngemäß, doch ergibt sich dadurch keine wesentliche Abweichung von der Abfolge der Bilder (lediglich die blaue Doppelseite mit den Baumkängurus entfällt). Die im Text bereits eingefügten Schrägstriche an einigen Zeilenenden kennzeichnen günstige Schnittstellen. Denn wie im Original sind dabei die Schnitte mitunter innerhalb einer Strophe vorzunehmen.

Ein so präpariertes Buch lässt sich nun bequem zu den Bildern vorlesen (und nach mehrfachen Wiederholungen sicher bald auswendig sprechen!). Ist die Gruppe nicht zu groß, können dabei die großformatigen Illustrationen gut gezeigt werden. Für eine öffentliche Präsentation der Bilder mit PC oder Dias ist das Urheberrecht bei den Reproduktionen zu bedenken.


Susanne Brandt ist Leiterin der Gemeindebücherei Westoverledingen.