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Das liest die LIBREAS, Nummer #2 (Frühjahr 2018)


Zitiervorschlag
Redaktion LIBREAS, "Das liest die LIBREAS, Nummer #2 (Frühjahr 2018)". LIBREAS. Library Ideas, 33 ().


Beiträge von Linda Freyberg (lf), Ben Kaden (bk), Karsten Schuldt (ks), Michaela Voigt (mv), Viola Voß (vv)

Zur Kolumne

Das Ziel dieser Kolumne ist, eine Übersicht über die in der letzten Zeit erschienene bibliothekarische, informations- und bibliothekswissenschaftliche sowie für diesen Bereich interessante Literatur zu geben. Enthalten sind Beiträge, die der LIBREAS-Redaktion oder anderen Beitragenden als relevant erschienen.

Themenvielfalt sowie ein Nebeneinander von wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Ansätzen wird angestrebt. Auch in der Form sollen traditionelle Publikationen ebenso erwähnt werden wie Blogbeiträge oder Videos beziehungsweise TV-Beiträge.

Gern gesehen sind Hinweise auf erschienene Literatur oder Beiträge in anderen Formaten. Die Redaktion freut sich über entsprechende Hinweise (siehe http://libreas.eu/about/, Mailkontakt für diese Kolumne ist zeitschriftenschau@libreas.eu). Die Koordination der Kolumne liegt bei Karsten Schuldt. Verantwortlich für die Inhalte sind die jeweiligen Beitragenden. Die Kolumne unterstützt den Vereinszweck des LIBREAS-Vereins zur Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation.

LIBREAS liest gern und viel Open-Access-Veröffentlichungen. Wenn sich Beiträge doch einmal hinter eine Bezahlschranke verbergen, werden diese durch [Paywall] gekennzeichnet. Zwar macht das Plugin Unpaywall (http://unpaywall.org/) das Finden von legalen Open-Access-Versionen sehr viel einfacher. Als Service an der Leserschaft verlinken wir OA-Versionen, die wir vorab finden konnten, jedoch nach Möglichkeit auch direkt. Für alle Beiträge, die nicht frei zugänglich sind, empfiehlt die Redaktion Werkzeuge wie den Open Access Button (https://openaccessbutton.org/) zu nutzen oder auf Twitter mit #icanhazpdf (https://twitter.com/hashtag/icanhazpdf?src=hash) um Hilfe bei der legalen Dokumentenbeschaffung zu bitten.

Artikel und Zeitschriftenausgaben

Ein Forschungsseminar Bibliothek der Zukunft im Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HTKW Leipzig hat sich mit dem Thema Embedded Libarianship (EL) beschäftigt (Figge, Friedrich / Darby, Kisten / Hardt, Jens / Liebig, Theresa / Remeli, Eva-Maria / Wilde, Viviane (2017): „Neue Aufgaben, neue Arbeitsfelder, neue Strukturen. Zur Zukunft der Wissenschaftlichen Bibliotheken im internationalen Forschungswettbewerb am Beispiel des Embedded Librarian. In: BuB - Forum für Bibliothek und Information 69 (10) :558-561 [Paywall]). Der Artikel gibt einen guten Überblick darüber, welche Aufgaben füreingebettete" Bibliothekar:innen denkbar sind, an welchen Stellen im Wissenschaftskreislauf sie eingebunden werden können und wie die Organisationsstruktur einer wissenschaftlichen Bibliothek aussehen könnte, die EL einführen will. Aus Sicht von Praktiker’innen bietet dieses theoretische Gedankenexperiment (S. 559) allerdings diverse Fragen zur Umsetzbarkeit – und damit Stoff für weitere Veröffentlichungen. [Längere Fassung der Besprechung: https://libreas.wordpress.com/2018/02/09/embedded-librarianship/] (vv)

Ein Nature-Editorial berichtet von zwei Fällen, in denen Haustiere als Koautoren wissenschaftlicher Aufsätze angegeben wurden. Neben der berühmten Katze Chester, die unter F. D. C. Willard als Zweitautor eines Papers in Physical Review Letters galt (https://doi.org/10.1103/PhysRevLett.35.1442), wird von einem Hamster berichtet, der als Koautor des Papers Detection of earth rotation with a diamagnetically levitating gyroscope in Physica B: Condensed Matter genannt wird (A.K.Geim, H.A.M.S.ter Tisha; https://doi.org/10.1016/S0921-4526(00)00753-5) (Editorial: From proposals to snarks: the messages that scientists sneak into their papers. In: Nature 554, 276 (2018) / 14.02.2018 https://doi.org/10.1038/d41586-018-01876-8) (bk)

The lies we tell ourselves. Fobazi Ettarh befragt – sehr auf die USA bezogen, daher nur mit Einschränkungen auf den DACH-Raum übertragbar – die bibliothekarische Profession darauf, ob diese sich nicht immer wieder selber eine falsche Erzählung von den Aufgaben und der Berufung, Bibliothekarin oder Bibliothekar zu sein, präsentiert. Die Bibliothek als sozialer Ort, als sicherer Ort, als demokratischer Ort, als Wissensort und die bibliothekarische Profession als eine inhärent gute scheinen ihm einen religiösen Hintergrund zu haben, der mit der eigentlichen, alltäglichen Arbeit wenig zu tun hat. Diese Differenz zwischen Anspruch und Realität würde aber benutzt, um die Löhne gering zu halten (weil es eine Berufung wäre) und sich wenig um das Wohl der Bibliothekspersonals zu kümmern. Ergebnis seien Burn-Out, Reproduktion von sozialen Strukturen und das ständige Anwachsen von Arbeit in den Bibliotheken. Wenig überraschend löste der provokante Text eine einigermassen rege Diskussion aus. (Ettarh, Fobazi: Vocational Awe and Librarianship. The Lies We Tell Ourselves. In: In The Library With The Lead Pipe, 10.01.2018, http://www.inthelibrarywiththeleadpipe.org/2018/vocational-awe/) (ks)

Unzufrieden mit der Erkenntnis, dass Katalogisierung auch immer die Macht beinhaltet, Wissen ein- oder auszuschliessen und vom Wunsch getrieben, Wissen so zu präsentieren, wie Nutzerinnen und Nutzer dieses Wissen selber suchen, stellt Jessica L. Colbert Überlegungen zu Patron-Driven Subject Access an. Sie postuliert, dass aktuelle Kataloge eigentlich dafür ausgestattet seien, beispielsweise per Tagging, den Nutzenden einen grösseren Einfluss darauf zu geben, wie diese Kataloge organisiert sind. Dazu müssten Bibliotheken aber aktiv werden und die Nutzenden auch beteiligen. (Jessica L. Colbert: Patro-Driven Subject Access: How Librarians Can Mitigate That Power To Name. In: In The Library With The Lead Pipe, 15.10.2017, http://www.inthelibrarywiththeleadpipe.org/2017/patron-driven-subject-access-how-librarians-can-mitigate-that-power-to-name/) (ks)

Eine teilweise radikale Kritik am Innovations-Fetisch in Bibliotheken – also dem Phänomen, Innovation als Wert an sich zu verstehen, der wichtiger gewertet wird als gute bibliothekarische Arbeit – führt Julia Glassman durch. Dieser Fetisch sei schlecht für die Bibliotheken, das Personal und auch die Nutzerinnen und Nutzer; ein Ausdruck eines gewissen kapitalistischen Denkens, das am eigentlichen Sinn von Bibliotheken vorbeizielen würde. Es sei notwendig, sich gegen diesen Fetisch zu stellen. (Julia Glassman: The Innovation Fetish and Slow Librarianship. What Librarians Can Learn From the Juicero. In: In The Library With The Lead Pipe, 18.10.2017, http://www.inthelibrarywiththeleadpipe.org/2017/the-innovation-fetish-and-slow-librarianship-what-librarians-can-learn-from-the-juicero/) (ks)

Schwerpunkt der Dezember-2017-Ausgabe des Journal of the European Association for Health Information and Libraries sind konsortiale Lizenzierungslösungen für Datenbanken und elektronische Medien, teilweise im nationalen Rahmen. Selbstverständlich bezogen auf Medizinbibliotheken bieten sie trotzdem eine Übersicht zu den verschiedenen Ansätzen. (Journal of EAHIL 13 (2017) 4, http://eahil.eu/wp-content/uploads/2016/05/journal-4-2017-web.pdf) (ks)

Auf ihrem Vortrag auf dem letzten Bibliothekstag (2017, Frankfurt am Main) aufbauend berichtet Heidrun Wiesenmüller über die Weiterentwicklungen von RDA. Der Artikel ist kritisch vor allem gegenüber der Geschwindigkeit, mit der diese Änderungen vollzogen werden. Gleichzeitig macht er klar, dass es kein Ende der ständigen Umbauten in RDA geben wird. RDA wird fortgeschrieben werden, wie Software, mit ständigen Versionierungen, einem Steuerungsboard und von Zeit zu Zeit einem radikalen Umschreiben des gesamten Standards. (Wiesenmüller, Heidrun: Baustelle RDA – die Dynamik des Regelwerks als Herausforderung. In: o|bib 4 (2017) 4, https://doi.org/10.5282/o-bib/2017H4S176-188) (ks)

Wie schwierig das Ideal eines offenen Zugangs zu Forschungsdaten im Sinne der Open Science praktisch einzulösen ist, wird an einem Editorial in Nature deutlich. Dieses verweist ein weiteres Mal auf die Unverzichtbarkeit von Forschungsdatenmanagementplänen, die, so die Nature-Redaktion, vor allem durch Forschungsförderer nachdrücklich kommuniziert werden müssen. Dabei gilt es, die jeweiligen Besonderheiten der unterschiedlichen Forschungsfelder und -communities zu beachten. Disziplin-übergreifende Standards werden kaum durchsetzbar sein. Insgesamt scheinen Forschende erstaunlich wenig interessiert und qualifiziert für die konkreten Herausforderungen des Forschungsdatenmanagements. Dies dürfte auch jede Open-Science-Bewegung massiv bremsen, denn erst gut aufbereitete, annotierte und mit entsprechenden Metadaten versehene Forschungsdaten eignen sich auch für eine mögliche Nachnutzung. (o.A.: Making Plans. They sound dull, but data-management plans are essential, and funders must explain why. In: Nature 555, 286 15.03.2018, 286 https://doi.org/10.1038/d41586-018-03065-z) (bk)

Die Sicht der Nutzerinnen und Nutzer

Eine amüsante, aber auch bedenkenswerte (und in einzelnen Bibliotheken wiederholbare) Studie zur Differenz zwischen dem, was Studierende an einer Universität (University of Mississippi) von ihrer Bibliothek wollen und was Bibliothekarinnen und Bibliothekare denken, dass sie wollen, legten Young und Kelly vor. Sie hatten in einer vorhergehenden Studie mittels einer Card-Sorting-Methode die Vorstellungen der Studierenden erhoben, jetzt erhoben sie mit der gleichen Methode die des Bibliothekspersonals. Die Unterschiede waren teilweise immens. Gerade der Wunsch nach ausborgbaren Taschenrechnern wurde massiv unterschätzt, dafür der nach spezifischen Druckmöglichkeiten überschätzt. Sicherlich sind die Ergebnisse spezifisch für die untersuchte Bibliothek, auch über die Methode wird sich streiten lassen. Die Differenzen zwischen den beiden Gruppen werden sich aber in anderen Bibliotheken und in anderen Sprachräumen finden. (Young, Brian W. ; Kelley, Savannah L.: How Well Do We Know Our Students? A Comparison of Students’ Priorities for Services and Librarians’ Perceptions of Those Priorities. In: The Journal of Academic Librarianship in Print, https://doi.org/10.1016/j.acalib.2018.02.010 [Paywall]) (ks)

Nachdem in den letzten Jahren Hochschulbibliotheken zu flexiblen Lernlandschaften umgebaut wurden, scheint jetzt folgerichtig eine Beschäftigung von Bibliotheken zu sein, zu untersuchen, ob diese von den Studierenden – für die diese Umbauten vorgenommen wurden – genutzt werden. Ein Beispiel dafür ist die Studie an der Loyola Marymount University, Californien. (Gardner Archambault, Susan & Justice, Alexander: Student Use of the Information Commons: An Exploration through Mixed Methods. In: Evidence Based Library and Information Practice 12 (2017) 4, https://doi.org/10.18438/B8VD45) Sie stellt einerseits die Methoden vor, welche sich in letzter Zeit für solche Untersuchungen etabliert zu haben scheint (Beobachtungen, Befragungen, Mitmach-Fragen), andererseits Ergebnisse, die sich ebenso immer wieder zeigen, nämlich dass die Studierenden die flexiblen Angebote und die Möglichkeiten zur Gruppenarbeit kaum nutzen, sondern vielmehr das solitäre Arbeiten und Lernen bevorzugen und gleichzeitig sich so sicher und wohl führen, dass sie die genutzten Plätze temporär zu privaten Räumen umbauen. (ks)

Als Beitrag zur Methodenentwicklung in der Bibliotheksforschung und den Versuchen, die Sicht der Nutzerinnen und Nutzer in die Planung von bibliothekarischen Angeboten und Bibliotheksräumen einzubeziehen, verstehen Shailoo Bedi und Jenaya Webb ihre Übersicht über die Verwendung von Fotografien in quasi-ethnologischen Interviews, die von Bibliotheken durchgeführt werden. Die Methode würde zu einem besseren Verständnis davon führen, was Nutzerinnen und Nutzer im Raum wahrnehmen. (Bedi, Shailoo ; Webb, Jenaya: Participant-driven photo-elicitation in library settings: A methodological discussion. In: Library and Information Research 41 (2017) 125, http://www.lirgjournal.org.uk/lir/ojs/index.php/lir/article/view/752) (ks)

Open Access

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Projekt DEAL lieferten Alex Holcombe und Björn Brembs im Dezember 2017: Ihrer Meinung nach wäre der deutschen Wissenschaftslandschaft mit einem Scheitern der DEAL-Verhandlungen mit Elsevier besser gedient. Holcombe und Brembs argumentieren, dass durch einen nationalen Vertrag AutorInnen (erneut) nicht mit den Kosten für das OA-Publizieren konfrontiert wären – analog zu den Verhältnissen in der Subskriptionswelt. Folglich wäre der Journal Impact Factor weiter das ausschlaggebende Auswahlkriterium – denn die Forschungsetats blieben von den OA-Gebühren augenscheinlich unberührt. Infolge dessen würde Verlage die Preise weiterhin basierend auf dem Prestige der Journale (anstatt auf den tatsächlich anfallenden Kosten) bemessen, so dass ein DEAL de facto nicht die angestrebte Disruption des Publikationsmarktes bedeuten würde. Beide Autoren wünschen sich daher einen drastischeren Umschwung – weg von traditionellen Verlagen und Publikationsweisen, hin zu innovativen Publikationsformen, die durch die Wissenschaft selbst organisiert werden. (Alex Holcombe, Björn Brembs: Open access in Germany: the best DEAL is no deal. In: Times Higher Education’s Blog, 27.12.2017 https://www.timeshighereducation.com/blog/open-access-germany-best-deal-no-deal) (mv)

Einen kompakten Einstieg in das Thema Open-Access-Transformation liefert Frank Scholze in einem Beitrag in der Festschrift für den ehemals leitenden Direktor der ULB Darmstadt Hans-Georg Nolte-Fischer, welche kürzlich bei Harrossowitz erschien. Auf übersichtlichen sechs Seiten fasst Scholze verschiedene politische Positionen zum Thema zusammen und stellt Transformationsansätze für die Bereiche OA Gold (am Beispiel KIT Karlsruhe: integriertes Budget für Subskription und OA-Gebühren) und OA Grün vor (am Beispiel von DeepGreen: das Projekt leiste wichtige Arbeit in den Bereichen Standardisierung sowie Implementierung des Datenaustauschs zwischen Verlagen und Repositorien). Sein Fazit: Die (vollständige) Transformation des wissenschaftlichen Publikationsmarktes ist unvermeidlich. Auf dem Weg dahin sind Nachhaltigkeit und Angemessenheit von Kosten wichtige Aspekte. (Scholze, Frank: Open-Access-Transformation. In: Vom Sinn der Bibliotheken. Festschrift für Hans-Georg Nolte-Fischer. Wiesbaden: Harrassowitz, 2017. S. 173–178. [Paywall] [OA-Version: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:swb:90-754646]) (mv)

Welche Kosten birgt die Herstellung und Verbreitung eines Buches? Dieser Frage hat sich Francis Pinter gewidmet: Sie bespricht in ihrem Artikel die Ergebnisse einer Vergleichsstudie von verschiedenen (wissenschaftlichen Buch-) Verlagen aus Österreich, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Norwegen und dem Vereinigtem Königreich. Dabei wurden Angebote von Universitätsverlagen ebenso untersucht wie die von etablierten Verlagen. Auch nach der Lektüre bleibt die Frage offen, was der durchschnittlichen Preis für ein (Open-Access-)Buch ist (zwischen 500 und 18.500 Euro). Aber Pinter stellt schlüssig dar, warum es so schwer ist, Durchschnittspreise für Bücher, insbesondere für Open-Access-Bücher, zu ermitteln – unterschiedliche Geschäfts- und Kostenmodelle der Verlage sind ebenso Gründe wie die Ausstattung und der anvisierte Markt. (Pinter, Francis: Why Book Processing Charges (BPCs) Vary So Much. In: The Journal of Electronic Publishing, 21 (2018) 1, https://doi.org/10.3998/3336451.0021.101) (mv)

Die letzten 20 Jahre haben gezeigt: Es reicht nicht, Repositorien als technische Infrastruktur bereitzustellen – für eine erfolgreiche Umsetzung des grünen Weges von Open Access und die breite Nutzung von Repositorien braucht es Services von Bibliotheken. Jonathan Bull und Teresa Schultz stellen in ihrem Artikel einen semi-automatisierten Workflow vor, den sie für die Valparaiso University entwickelt haben, um die Contentakquise des institutionellen Repositoriums (technisches Basis: Digital Commons von bepress1) zu optimieren. Wer hofft, einen fertigen Workflow vorzufinden, wird leider enttäuscht. Vielmehr beschreibt der Artikel detailliert die getesteten Ansätze, wobei die Akquise von Metadaten im Vordergrund steht. Die Akquise von Volltexten, die ja eigentlich zentral für ein Open-Access-Repositorium sind, wird als offenes Problem präsentiert. Wer jedoch als Repository-Betreiber ganz am Anfang bei den Überlegungen steht, Prozesse zu optimieren und automatisieren, kann sich von der umfangreichen Diskussion zu Problemen, Fehlern und möglichen Ansätzen inspirieren lassen. (Bull, Jonathan & Schultz, Teresa A.: Harvesting the Academic Landscape: Streamlining the Ingestion of Professional Scholarship Metadata into the Institutional Repository. In: Journal of Librarianship and Scholarly Communication. 6 (2018) 1, https://doi.org/10.7710/2162-3309.2201) (mv)

Eine interessante Perspektive auf die Langzeitarchivierung für digitale Kunst, also auf Software basierenden Werken, schildern Deena Endel und Glenn Wharton anhand von Erfahrungen im Museum of Modern Art (MoMA), New York. Entscheidend ist die Dokumentation des jeweiligen Quellcodes, woraus die Notwendigkeit für die Entwicklung passender Software-Dokumentationen entsteht. Die Orientierung an den Praxen der allgemeinen Software-Entwicklung hilft ein Stück weit, jedoch erfordern die besonderen Bedingungen und Ansprüche von Software-Kunst Anpassungen. So liegt ein Schwerpunkt auf der umfassenden und eindeutigen Dokumentation der ästhetischen Komponenten des Werkes. Das Ziel der Reproduzierbarkeit der ästhetischen Erfahrungen und der von der Künstlerin/dem Künstler beabsichtigten Wirkung muss im Mittelpunkt der Dokumentation stehen. Auf der anderen Seite ist die Quellcode-Dokumentation auch aus Sicht einer digitalen Kunstgeschichte beziehungsweise besser Geschichte der Digitalkunst eine höchst aufschlussreiche Forschungsgrundlage. Sie ermöglicht es, sich den Intentionen der Werkschaffenden zu nähern sowie ihre Intentionen und Kompetenzen nachzuvollziehen. Deena Engel und Glenn Wharton schreiben von einem rich trove of hidden information […] embedded in source code, der für eine kunstwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den jeweiligen Arbeiten ebenso relevant sein dürfte wie für die Restauratoren. (Deena Engel und Glenn Wharton: Source Code Analysis as Technical Art History. In: Journal of the American Institute for Conservation. 2 (2015), S. 91–101 https://doi.org/10.1179/1945233015Y.0000000004 [Paywall] [OA-Version: http://authenticationinart.org/pdf/literature/1945233015Y.pdf]) (bk)

Öffentliche Bibliotheken, Lesepraxen und Leseförderung

Mit einem etwas einfachen psychologischen Modell untersuchten Hanna Schmidt und Kyra Hamilton die Überzeugungen, welche Personen in Erziehungsverantwortung (caregivers) dazu bringen oder davon abhalten, mit einem Kleinkind eine (australische) Bibliothek zu besuchen. (Schmidt, Hanna ; Hamilton, Kyra: Caregivers’ beliefs about library visits: A theory-based study of formative research. In: Library and Information Science Research 39 (2017) 4, 267–275, https://doi.org/10.1016/j.lisr.2017.11.002 [Paywall]) Grundsätzlich überlagern sich positive und negative Vorstellungen; dies jeweils in einem subjektiven Mix. Die Autorinnen schlagen vor, dass Bibliotheken gezielt auf die negativen Vorstellungen eingehen, um diese auszuräumen. (ks)

Einen umfassenden Überblick zu den Leseförderprogrammen von Öffentlichen Bibliotheken in den Niederlanden, inklusive Auswertungen über deren Wirkungen, liefern Adriaan Langendonk und Kees Broekhof. (Langendonk, Adriaan ; Broekhof, Kees: The Art of Reading: The National Dutch Reading Promotion Program. In: Public Library Quarterly 36 (2017) 4, 293-317, https://doi.org/10.1080/01616846.2017.1354351 [Paywall]) Während der Text auf den ersten Blick umfassend ist und auch mit einem positiven Fazit zum Tool Library at School Monitor (eine kontinuierliche Befragung und Auswertung von Daten, die mit den Programmen zu tun haben) endet, zeigt er auch die Grenzen all der Forschungen und Vorstellungen dieser Leseförderprogramme an. Es wird nicht mehr geklärt, was Lesen ist, was genau das Ziel von Leseförderung ist (sollen die Schülerinnen und Schüler viel lesen, etwas Bestimmtes lesen, bestimmte Kompetenzen erwerben?), es wird auch nicht nach den Wirkungsweisen gefragt, sondern nur danach, ob es sich in messbaren Zahlen niederschlägt (und die Arbeit, aus diesen Zahlen etwas zu machen, auf die Personen vor Ort verschoben). Auf den zweiten Blick scheint der Text klar zu markieren, dass bei grossen Leseförderprogrammen vor allen das möglichst viele Lesen als Ziel gilt, ohne das breiter darüber diskutiert würde, ob das sinnvoll ist. (ks)

Eine Studie zum Umgang mit der Frage nach dem geistigen Eigentum in den Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken ergab, dass Bibliothekar*innen den Datenschutz (Patron Privacy) der Nutzer*innen deutlicher zu gewichten scheinen als die Überprüfung, ob diese das durch die Bibliothek bereitgestellten Makerspace-Technologien auch konform zu den rechtlichen Ansprüchen des Intellectual Property Law anwenden. Zudem besteht eine gewisse Scheu, konkrete Hinweise zu Rechtsfragen dieser Art zu geben sowie diese in den Benutzungsordnungen für die Makerspaces zu berücksichtigen. Dies erklärt sich teilweise aus dem Wunsch, eventuelle Haftungsfragen zu vermeiden. Die Autor*innen empfehlen dennoch nachdrücklich, dass die Vermittlung eines entsprechenden Wissens zum Geistigen Eigentum Teil der Aus- beziehungsweise Weiterbildung für Bibliotheksmitarbeiter*innen werden sollte. Zudem sollten die Benutzungsregeln kontinuierlich parallel zur Entwicklungen der in den Makerspaces angebotenen Technologien überprüft und angepasst werden. (Bossaller, Jenny; Haggerty, Kenneth: We are not police: Public librarians’ attitudes about making and intellectual property. In: Public Library Quarterly. 37 (2018) 1, 36-52, https://doi.org/10.1080/01616846.2017.1422173 [Paywall]) (bk)

Eine Studie zu den literalen Praxen von Menschen, die (in den USA) regelmäßig Parks nutzen – zumeist, weil sie obdachlos sind – lies die Autorinnen und Autoren einer Studie zum Thema bemerken: [O]ur observational data and our researchers’ reflections show very clearly and surprising to us, that our participants are engaging in numerous literacy activities daily. This finding corroborates what Miller […] has found among homeless people that, by and large, they are not illiterate, indeed they are avid readers. What homeless people lack are the resources and the social capital that they need in order to rise above their circumstances. Der Text geht auch darauf ein, wie diese Obdachlosen die Universitätsbibliotheken im Umfeld der jeweiligen Parks nutzen. Grundsätzlich sind sie interessierte Leserinnen und Leser, die zum Teil nicht wissen, was ihnen an Angeboten offen stehen würde und die Bibliotheken zum Teil als zu sehr überwacht wahrnehmen. Die Studie zielt auf die USA, insoweit sind viele Ergebnisse nicht direkt zu übertragen. Zu vermuten ist aber, dass die vielfältigen literalen Praxen von Menschen ohne festen Wohnsitz sich auch in den deutschsprachigen Staaten finden werden. (Tinker Sachs, Gertrude et al.: Literacy scholars coming to know the people in the parks, their literacy practices and support systems. In: Critical Inquiry in Language Studies 15 (2018) 1, https://doi.org/10.1080/15427587.2017.1351880 [Paywall]) (ks)

Critical Library Instruction

Eine im englischsprachigen Raum verbreitete Diskussion, auch Praxis, die gleichzeitig Kritik und Weiterentwicklung der Information Literacy darstellt, wird unter dem Begriff Critical Library Instruction zusammengefasst. Es geht darum, die positivistischen Einschränkungen der herkömmlichen Informationskompetenz-Angebote in Bibliotheken zu überwinden. Information und Systeme, die Informationen produzieren (insbesondere die Wissenschaft), werden als politisch verstanden. Es wird, im Rückgriff auf sehr verschiedene kritische Theorien, versucht, eine pädagogische Praxis zu etablieren, welche die Lernenden dabei unterstützt, diese politische Sphäre mitzureflektieren. Im deutschsprachigen Raum praktisch ignoriert, ist die Literatur zur Critical Library Instruction in den letzten Jahren gewachsen. Eamon C. Tewell untersuchte die Praxis von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, welche sich selber als kritisch verstehen (Tewell, Eamon C.: The Practice and Promise of Critical Information Literacy. Academic Librarians’ Involvement in Critical Library Instruction. In: College & Research Libraries 79 (2018) 1, https://doi.org/10.5860/crl.79.1.10). Dieser Text ist gut als Übersicht zu nutzen, wenn auch etwas langatmig. In ihrer Sammelrezension besprechen Lua Gregory und Shana Higgins den Grossteil der relevanten aktuellen Monographien zum Thema (Gregory, Lua ; Higgins, Shana: Critical Information Literacy in Practice: A Bibliographic Review Essay of Critical Information Literacy, Critical Library Pedagogy Handbook, and Critical Literacy for Information Professionals. In: Communications in Information Literacy 11 (2017) 2, Article 10, https://doi.org/10.15760/comminfolit.2017.11.2.10) Über die Grenzen dieses Ansatzes denkt Jonathan T. Cope anhand eines Vorfalls in seiner Bibliothek nach. In einer Rechercheeinführung für Studierende setzte ein Student durch, dass nicht zu einem akademischen Thema, sondern zu einer rechtsextremen Verschwörungstheorie recherchiert würde – offensichtlich nicht mit dem Ziel, über sie zu lernen, sondern andere von ihr zu überzeugen. Cope, der – einem Grundsatz der Critical Information Literacy folgend – sonst versucht, die Interessen der Studierenden aufzunehmen, um Lernmöglichkeiten zu schaffen, war von diesem Vorgehen überwältigt. Er analysiert, dass sich Critical Information Literacy zu sehr auf liberale Theorien des öffentlichen Diskurses (Habermas, Rawls et cetera) stützen würde, wenn eine politischere Theorie, die ideologische Konflikte auch als solche benennbar, und damit nutzbar, machen würde, nötig sei. Ansonsten würde auch Critical Information Literacy nur in einem falschen Neutralitätsverständnis verharren, dass gesellschaftliche Strukturen reproduzieren und nicht verändern würde. (Cope, Jonathan T.: The Reconquista Student: Critical Information Literacy, Civics, and Confronting Student Intolerance. In: Communications in Information Literacy 11 (2017) 2, Article 2, https://doi.org/10.15760/comminfolit.2017.11.2.2) (ks)

Monographien

Die Machtbeziehungen in Reference Interviews und anderen Kontakten zwischen Bibliothekar*innen und Nutzer*innen (vor allem Studierenden) in Beratungen, alltäglichen Kontakten und Lehrveranstaltungen sowie die Ziele dieser Kontakte sind Thema einer Monographie. (Accardi, Maria T. (Hrsg.): The Feminist Reference Desk: Concepts, Critiques, and Conversations (Series on Gender and Sexuality in Information Studies, 8). Sacramento: Library Juice Press, 2017) Unter dem Schlagwort Feminismus (und feministische Kritik) wird hier praktisch das Ziel einer anderen Welt (also eines anderen Ziels bibliothekarischer Arbeit) verstanden, in der die Nutzer*innen empowert werden, ihre Potentiale zu entfalten. Interessant ist das Buch vor allem durch die aufgezeigten Möglichkeiten, diese den Bibliotheksalltag prägenden Kontakte zu analysieren, zu kritisieren und auch neu zu fassen. (ks)

Bibliotheken beschäftigen sich seit einigen Jahren damit, vor allem Entwicklungsprojekte (neue Strategien, Entwurf von Angeboten et cetera) partizipativ zu gestalten. Gleichzeitig (siehe Schuldt, Karsten ; Mumenthaler, Rudolf (2017): Partizipation in Bibliotheken. Ein Experiment, eine Collage. In: LIBREAS. Library Ideas 13 (2017), http://libreas.eu/ausgabe32/schuldt/) hinterlassen diese Versuche auch einige offene Fragen. Eine Dissertation von Anja Piontek (verlegt als eigenständige Monographie) zeigt, dass praktisch die gleichen Fragen, die gleichen Erwartungen und Kritiken im Museumsbereich existieren, allerdings schon weiter fortgeschritten. (Piontek, Anja: Museum und Partizipation. Theorie und Praxis kooperativer Ausstellungsprojekte und Beteiligungsangebote (Edition Museum). Bielefeld: transcript Verlag, 2017) Interessanterweise verbindet sie ihre Ergebnisse mit der Argumentation, dass Museen irrelevant würden, wenn sie nicht partizipativ arbeiten. Das Buch liefert eine breite Diskussion der Möglichkeiten und Probleme partizipativer Projekte in Museen, inklusive der Diskussion verschiedener theoretischer Modelle zu deren Kategorisierung und dreier Case Studies. Es liefert auch für Diskussionen im Bibliotheksbereich eine gute Grundlage, da immer wieder theoretische und praxisorientierte Überlegungen zusammengeführt werden. (ks)

Im Dezember 2017 wurde eine Studie über die Entwicklung des Open-Access-Publizierens in Großbritannien veröffentlicht: „Monitoring the transition to open access: December 2017“. Die Untersuchung setzt Schwerpunkte in den Bereichen (Förder-)Angebote für AutorInnen zum OA-Publizieren, Anteil von OA-Publikationen am Gesamtpublikationsaufkommen und Nutzungsstatistiken für OA-Inhalte. Zudem wird diskutiert, welche Implikationen diese Entwicklungen für Forschungsförderer und Universitäten zum einen und für Fachgesellschaften zum anderen haben. Leider sind die im Bericht verlinkten Anhänge (zur Methodik beziehungsweise zu Kostenabschätzung) bisher nicht veröffentlicht (Stand: 26.03.2018). (Bericht: Jubb, Michael et al.: Monitoring the transition to open access: December 2017, London: Universities UK, ISBN 978-1-84036-390-6, http://www.universitiesuk.ac.uk/policy-and-analysis/reports/Documents/2017/monitoring-transition-open-access-2017.pdf) (mv)

Ähnlich der Open-Access-Idee für wissenschaftliche Publikationen wird mit wachsendem Engagement ein offener Zugang auch zu Forschungsdaten diskutiert. Im Kapitel Offener Zugang zu Forschungsdaten seines Buches Eine Reputationsökonomie: Der Wert der Daten in der akademischen Forschung führt Benedikt Fecher unter anderem einige wissenschaftsethische Argumente für eine offene Verfügbarmachung von Forschungsdaten an. Er beruft sich dabei auf Robert K. Mertons Aufsatz The Normative Structure of Science und die von diesem darin bestimmten vier Eigenschaften akademischer Forschung: organisierter Skeptizismus, Uneigennützigkeit, Universalismus, Kommunitarismus. Für die freie Zugänglichmachung von Forschungsdaten sprechen danach erstens das Prinzip des Skeptizismus im Sinne eines Anspruchs auf Reproduzierbarkeit und Prüfbarkeit von Forschung, die notwendigerweise auch eine umfängliche Forschungsdatentransparenz erfordert. Sowie zweitens das Prinzip des Kommunitarismus, das besagt, dass sämtliche wissenschaftlichen Ergebnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft verfügbar sein sollten. Also auch die Forschungsdaten. Und drittens lässt sich noch das Prinzip der Uneigennützigkeit anführen, das empirisch durchaus feststellbaren Eigentumsansprüchen von Forschenden in Bezug auf ihre Daten entgegengehalten werden könnte. (Benedikt Fecher: Offener Zugang zu Forschungsdaten. In: derselbe: Eine Reputationsökonomie: Der Wert der Daten in der akademischen Forschung. Wiesbaden: Springer VS, 2018. S. 23–35) (bk)

Auf der Basis der Tagung des Wolfenbüttler Arbeitskreises für Bibliotheks-, Buch- und Mediengeschichte 2015 werden in Volksbibliothekare im Nationalsozialismus neun biographische Schilderungen vorgenommen, ergänzt durch einen einführenden Literaturbericht, eine Darstellung zu Evangelischen Büchereien in Württemberg während des Nationalsozialismus und zum dänischen Bibliothekssystem unter deutscher Besatzung. Die Biographien zeigen, wie schon für Wissenschaftliche Bibliotheken und auch für andere Bereiche der deutschen (und österreichischen) Gesellschaft gezeigt wurde, eine grosse, zum Teil überzeugte, zum Teil zurückhaltende Kollaborationsbereitschaft; Versuche, die Situation für eigene Karrieren zu nutzen und wenn, dann eher hinhaltende Handlungen (zum Beispiel das Wegschliessen von Büchern anstatt der Makulatur) statt Widerstand. Gefördert wurde dies durch die allgemeinen Machtkämpfe und Kompetenzschwierigkeiten innerhalb des nationalsozialistischen Staates. Die kirchlichen Bibliotheken zeigten dabei noch das grösste Eigeninteresse, welches zu einigen Freiräumen führte. Zudem zeigt sich, dass in vielen, aber nicht allen, Fällen eine Fortsetzung der Karrieren von nationalsozialistisch orientierten Volksbibliothekaren in den Folgegesellschaften möglich war. Das Buch berichtet auch von einer Idee der Bibliothek als Erziehungsinstitution, welche heute aufgegeben ist. Interessant wäre, den Blick auch auf die von der Volksbibliothek bekämpften Leihbibliotheken zu richten. Zudem wird in den Beiträgen für das vollständige Verständnis ein bestimmtes Vorwissen zur Geschichte des Volksbüchereiwesens in Deutschland (Stichwort: Richtungsstreit) vorausgesetzt: So wird zum Beispiel mehrfach berichtet, dass die beiden wichtigen volksbibliothekarischen Zeitschriften eingestellt und eine eigene (Die Bücherei) gegründet wurde, aber nur von einer der beiden überhaupt der Name genannt. (Ein Beitrag ist unverständlicherweise ohne jeden Absatz gesetzt.) (Kuttner, Sven ; Vodosek, Peter (Hrsg.) (2017): Volksbibliothekare im Nationalsozialismus: Handlungsspielräume, Kontinuitäten, Deutungsmuster. (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens, 50) Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2017) (ks)

Social Media

Elsevier spendet 1 Mio. Pfund an die Universität Oxford (https://twitter.com/oxford_thinking/status/953205203385364480). @StephenEglen weist darauf hin, dass die Universität kürzlich den Lizenzvertrag mit Elsevier verlängert hatte (https://twitter.com/StephenEglen/status/953335229850247170). Sicher nur ein Zufall… (mv)

@RickyPo weist auf Details zum neuen Accelerated Publication Programme von Taylor & Francis hin (https://twitter.com/RickyPo/status/953990396996149248): Der Verlag entlohnt Reviewer für ein schnelles Review mit $150 – unabhängig vom Ausgang des Reviews (accept/reject). AutorInnen können zwischen Fast Track und Rapid Track wählen, der Preis für diesen Prioritized Service bemisst sich jeweils am Seitenumfang. Details zu dem Programm sind auf der Seite des Verlages nachzulesen: http://taylorandfrancis.com/partnership/commercial/prioritized-publication/. (mv)

Wikimedia und Bibliotheken/Archive/Museen – finden Topf und Deckel zueinander? Wikimedia Commons ruft GLAM-Institutionen auf, sich dabei einzubringen, das Handling von Metadaten auf Wikimedia-Plattformen zu verbessern. via @subsublibrary (https://twitter.com/subsublibrary/status/959071409690562560) (mv)

@ernestopriego bringt es auf den Punkt: Bibliometrics/scientometrics are never neutral. Nothing ever is. It’s not said enough. (https://twitter.com/ernestopriego/status/960765717334429697). (mv)

Konferenzen, Konferenzberichte

Zur DHd 2018, der Jahrestagung der Digitale Humanities im deutschsprachigen Bereich, die vom 26.02.–02.03.2018 in Köln stattfand und sich ganz kantianisch an einer Kritik der digitalen Vernunft versuchte, existieren zahlreiche Tagungsberichte und Social Media Auswertungen (siehe Jörg Wettläufer: Bericht DHd 2018 Köln „Kritik der digitalen Vernunft, 26.2.-2.3. #dhd2018 http://digihum.de/blog/2018/03/11/bericht-dhd-2018-koeln-kritik-der-digitalen-vernunft-26-2-2-3-dhd2018/, Twitter Visualisierung von @esthet1cs: https://twitter.com/esthet1cs/status/970101082277011456 ) Die Keynote der Philosophieprofessorin Sybille Krämer (FU Berlin) zum „Stachel des Digitalen – ein Anreiz zur Selbstreflektion in den Geisteswissenschaften? wurde unter anderem von Sophie Schneider in ihrem Infolog lesenswert besprochen. (Schneider, Sophie (2018): DHd 2018 – Keynote #1. https://informationswissenschaftliches.blog/2018/03/26/dhd-2018-keynote-1/)

Ansonsten fiel die Konferenz vor allem durch ein neues Format auf, den Fight Club. Statt eines traditionellen Podiums traten in einem Kölner Club, wo sonst eher Technobeats zu hören sind, vier Wissenschaftler/innen gegeneinander an. Jeweils vier Fragen wurden an Hubertus Kohle, Mareike König, Henning Lobin und Heike Zinsmeister gerichtet, mit je drei Minuten Zeit zum Antworten. Mehr über dieses Format, aber nicht wer nun gewonnen hat, ist unter anderem bei Jürgen Hermes nachzulesen. (Hermes, Jürgen (2018): Fragmente #dhd2018 https://texperimentales.hypotheses.org/2462#FightClub)

Einen Bericht auf Englisch mit dem schönen Titel If Kant used a Computer…, findet man auf dem Infoditex-Blog. (Arnold, Matthias ; Nunn, Christopher (2018): If Kant used a computer… #DHd2018 (Digital Humanities im Deutschsprachigen Raum), https://www.infoditex.de/if-kant-used-a-computer/)

Und eine Auswertung der Auswertung liefert Fabian Cremer in seinem sehr lesenswerten Blogbeitrag: Nun sag, wie hältst Du es mit dem Digitalen Publizieren, Digital Humanities? Eine retrospektive Gretchenfrage an die #DHd2018, der die Dokumentations- und Veröffentlichungspraxis der Konferenz und ihrer Teilnehmer/innen kritisch hinterfragt (das Book of Abstracts als Druckwerk für 5€ oder als PDF ohne Strukturdaten, es wurde zu wenig gebloggt et cetera). (Cremer, Fabian (2018): Nun sag, wie hältst Du es mit dem Digitalen Publizieren, Digital Humanities?, https://editorial.hypotheses.org/113) (lf)

Populäre Medien (Zeitungen, Radio, TV etc.)

Am 11.12.2017 berichtete Margaret Coker in der New York Times über die Lage in Mossul nach Abzug des IS und beschreibt unter anderem, dass Kämpfer des IS vor dem Abzug aus der Stadt die Universitätsbibliothek inklusive der Manuskriptsammlung vernichteten. (Margaret Coker: After Fall of ISIS, Iraq’s Second-Largest City Picks Up the Pieces. In: New York Times, December 11, 2017, S. A6. https://www.nytimes.com/2017/12/10/world/middleeast/iraq-isis-mosul.html) (bk)

Die seit einigen Jahren in den USA zu beobachtende Opioid Crisis wirkt sich auch auf die Arbeit öffentlicher Bibliotheken aus, wie Annie Correal in der New York Times in ihrer Ausgabe vom 01.03.2018 berichtet. Neben einem verstärkten Einsatz von Sicherheitskräften sollen Bibliotheken in besonders betroffenen Gebieten mit Naloxon-Ersthilfe-Sets und Schulungen versorgt werden, damit die Mitarbeiter*innen im Notfall kompetent lebensrettende Maßnahmen durchführen können. (Annie Correal: Stocking an Antidote at the Reference Desk. In: New York Times, March 1, 2018, S.A19. Online: https://www.nytimes.com/2018/02/28/nyregion/librarians-opioid-heroin-overdoses.html) (bk)

Eine kurze Kolumne im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 30.09.1993 zeigte sich sehr von einem neu aufkommenden Berliner Lesehunger überrascht. Von der Berliner Senatsverwaltung war offenbar zu erfahren, dass in den Ostberliner Neubauvierteln von Hellersdorf, Hohenschönhausen und Marzahn eine Zunahme der Entleihungen aus öffentlichen Bibliotheken um 50 bis 80 Prozent verzeichnet werden konnte. Zugleich sprach sich der damalige Berliner Kultursenator Ulrich Roloff-Momin für weitere Schließungen aus, da Gesamtberlin mit 264 Bibliotheken für 3,5 Millionen Einwohner überversorgt sei. (Rietzschel, Thomas: Berliner Lesehunger, in FAZ 30.09.1993, 35) (bk)

Die Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek sah sich im Januar 2018 kurzzeitig einer Debatte darüber ausgesetzt, ob sie Bücher mit so genannten neurechtem Inhalten überhaupt beziehungsweise wie bisher gehandhabt unkommentiert anbieten soll. Marion Mattekat, Leiterin der Einrichtung, erklärte unter anderem, dass solche Bücher dann automatisch ins Programm kämen, wenn sie Bestseller seien. Barbara Lison vom Deutsche Bibliotheksverband verteidigte die Bereitstellung solcher Titel durch öffentliche Bibliotheken mit dem Argument der freien Meinungsbildung. Es gehöre zum Selbstverständnis von Bibliotheken, die pluralistische Entwicklung der Gesellschaft abzubilden. (Kramer, Henri: Bibliothek verteidigt Angebot kontroverser Bücher. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 17.01.2018, S. 8. online: http://www.pnn.de/potsdam/1250176/) [Zu den Grenzen dieses Ansatzes siehe auch den oben zum Thema Critical Library Instruction referierten Beitrag von Jonathan T. Cope.) (bk)

Abschlussarbeiten

[Diesmal keine Hinweise.]

Weitere Medien

Microsoft Academic macht Google Scholar und Web of Science beziehungsweise Scopus gleichermaßen ernstzunehmende Konkurrenz – das zumindest meinen Sven E. Hug und Martin P. Brändle: Im LSE Impact Blog stellen sie die wissenschaftliche Suchmaschine vor und erläutern, warum sie insbesondere für bibliometrische Analysen interessant sein kann. Der Blogbeitrag als solches ist eine Zusammenfassung eines Scientometrics-Artikels von 2017 über den Einsatz von Microsoft Academic für Zitationsanalysen. (Blogbeitrag: Sven E. Hug, Martin P. Brändle: Microsoft Academic is on the verge of becoming a bibliometric superpower. LSE Impact Blog, 19.07.2017, http://blogs.lse.ac.uk/impactofsocialsciences/2017/06/19/microsoft-academic-is-on-the-verge-of-becoming-a-bibliometric-superpower/; Artikel in Scientometrics:Hug, S. E., Ochsner, M., & Brändle, M. P. (2017). Citation analysis with microsoft academic. Scientometrics, 111(1), 371–378. https://doi.org/10.1007/s11192-017-2247-8 [Paywall] [OA-Version: https://arxiv.org/abs/1609.05354]) (mv)

OpenRefine ist ein nützliches Werkzeug für die Exploration, Korrektur beziehungsweise Aufbereitung und Anreicherung von Daten (A free, open source, power tool for working with messy data., vgl. http://openrefine.org/). Es wird zunehmend auch im bibliothekarischen Umfeld eingesetzt und dankenswerterweise wächst die Anzahl von freien How-To-Dos. So gibt es etwa bei Histhub eine Artikelreihe zu OpenRefine (https://histhub.ch/cat/net/blog/openrefine/). Eine weitere nützliche Sammlung von Anleitungen für den bibliothekarischen Alltag bietet Library Carpentry OpenRefine (https://data-lessons.github.io/library-openrefine/), unter https://github.com/OpenRefine/OpenRefine/wiki/External-Resources werden Tutorials verschiedener Art gelistet. (mv)

In seiner jetzt zehnten Ausgabe erschien der Bericht Perceptions 2017: An International Survey of Library Automation zur Zufriedenheit von Bibliotheken mit der von ihnen genutzten Software und den Anbietern dieser Software. Wie immer ist es auch – für den englischsprachigen Raum – eine Übersicht zur insgesamt in Bibliotheken vorhandenen Software. (Breeding, Marschall: Perceptions 2017: An International Survey of Library Automation. (Library Technology Guides) https://librarytechnology.org/perceptions/2017/) (ks)

Einen Einblick in den Stand des Öffentlichen Bibliothekswesens in Frankreich liefert, allerdings sehr verklärt und zwischen den Zeichen, der Bericht Voyage au pays des bibliothèques. Lire aujourd’hui, lire demain, den Erik Orsenna (Académie française) und Noël Crobin (Inspecteur général des affaires culturelles) nach einer Art Inspektionsreise für das Kulturministerium verfassten und der im Februar 2018 publiziert wurde. Er ist typisch für solche Texte von Autoren mit solchen Titeln aus Frankreich: Bibliotheken werden als Kultur, Kultur als existenziell für Frankreich an sich begriffen und deshalb sehr positiv beschrieben (als Orte des Lebens, als Stützen der Demokratie). Allen Beteiligten wird eine hohe Effizienz und ein grosses Engagement attestiert. Das alles in einem offiziellen und geschwungenen Französisch, das viel verdeckt. Zwischen den Zeilen werden aber auch Probleme (mangelnde Ausstattung und Öffnungszeiten, ineffiziente Kulturpolitik, starke regionale Unterschiede) sichtbar. Die insgesamt 19 Lösungsvorschläge zielen – auch schon typisch französisch – auf zentrale Steuerung, klare Vorgaben, Zusammenarbeit aller Beteiligten vor Ort und den Aufbau einer Plattform, auf der alle am Bibliothekswesen Beteiligten miteinander kommunizieren können. (Orsenna, Erik ; Crobin, Noël ; Ministère de la Culture (2018) Voyage au pays des bibliothèques. Lire aujourd’hui, lire demain. [Paris: Ministère de la Culture], Février 2018, http://www.culture.gouv.fr/Espace-documentation/Rapports/Rapport-Voyage-au-pays-des-bibliotheques.-Lire-aujourd-hui-lire-demain] (ks)

Im Mai 1947 ging der fast 16-jährige spätere Fotograf Dave Heath, nachdem er im Life Magazine vom 12. Mai 1947 das Foto-Essay Bad Boy’s Story von Ralph Crane (S.107–114) über einen adoptierten Jungen namens Butch gesehen und in der Geschichte sowie der Ausdrucksform eine Identifikationsfläche für sein eigenes Leben gefunden hatte, in die Schulbibliothek der Germantown High School (Philadelphia) um sich das Buch Photography is a Language von John R. Whiting auszuleihen. Mit diesem begann sein ernsthafter Einstieg in das Medium der Fotografie: Bad Boy’s Story powerfully captured Heath’s own feeling of abandonment and homelessness while connecting his budding intuition that photography might have a special meaning for him. Whiting’s book helped explain why and how Bad Boy’s Story worked while underscoring the medium’s larger history and cultural significance. (Davis, Keith F.: Multitude, Solitude. The Photographs of Dave Heath. Kansas City, Missouri: Hall Family Foundation in association with the Nelson-Atkins Museum of Art, New Haven, S.15) (bk)


  1. Die Firma bepress wurde 2017 durch Elsevier aufgekauft. Die Bibliothek der University of Pennsylvania hat daraufhin angekündigt, die Partnerschaft mit bepress zu beenden und berichtet über den Umstieg zu einer neuen Repositorienlösung im eigens gestarteten Blog und Twitter-Account: https://beprexit.wordpress.com/ und https://twitter.com/beprexit/.