> > > LIBREAS. Library Ideas # 28

Das LIBREAS Symposium: Ein Erfahrungsbericht


Zitiervorschlag
Sandra Balck, "Das LIBREAS Symposium: Ein Erfahrungsbericht. ". LIBREAS. Library Ideas, 28 ().


Am 12. September 2015, einem sonnigen Samstag, feierte die LIBREAS. Library Ideas ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Symposium. An den Titel der Zeitschrift angelehnt, stand dieses unter dem Motto Die Bibliothek als Idee und wollte damit ideelle Konzepte der Bibliothek gezielt interdisziplinär hinterfragen. Die Veranstaltung fand erfreulicherweise in den Räumlichkeiten des Kulturlabors ICI Berlin (Institute for Cultural Inquiry) statt. Offen und hell, mit großer Sonnenterrasse für erholsame Pausen zwischen den Vorträgen. Schlicht und modern als hätte sich die LIBREAS ihr architektonisches Pendant gesucht.

Auch in den Vorträgen dominierte das Thema Raum – in diesen bezogen auf die Institution Bibliothek. Drei der sechs Vorträge nahmen im Titel gezielt darauf Bezug: Idee und Raum der Bibliothek (Olaf Eigenbrodt); Die architektonische Idee der modernen Bibliothek (Kirsten Wagner) und Bibliothek vom Ort zum Akteur. Kann die Bibliothek als Heterotopie (nach Foucault) auch Akteur im Sinne der Akteur-Netzwerk-Theorie Latours sein? (Hans-Christoph Hobohm). Alle Referierenden entwickelten jedoch Ideen, die über die reine Raumdiskussion hinausführten. Es wundert demnach nicht, dass besonders ein Bild das Symposium zu begleiten schien, das Bild der Bibliothèque royale von Étienne-Louis Boullée: Ein langgestreckter Lesesaal mit drei abgestuften, von Bücherregalen gesäumten, Ebenen, einem ionischen Säulengang auf dem ein voluminöses Tonnengewölbe mit rechteckigem Oberlicht ruht. Ein Bild, das viele Ideale und vermeintliche Realitäten der Bibliothek darstellt – den Treffpunkt, den Ort des Austauschs und der Geschichten, der Ordnung und des Wissens, allumfassend, unendlich.

In diesem Zusammenhang durfte natürlich der Vergleich mit Jorge Luis Borges’ die Bibliothek von Babel nicht fehlen – die unendliche Bibliothek, die jedes Buch genau einmal enthält. Erweitert wird Borges’ Vision durch das Fehlen eines Ordnungssystems, was die Benutzung geradezu unmöglich macht. Hier lassen sich Parallelen zu Karin Aleksanders Vortrag Ist eine transdisziplinäre Bibliothek möglich? Oder. Wie der Genderaspekt Idee und Ideal der Bibliothek herausfordert herstellen. Laut diesem macht bibliothekarische Erschließung genau das – die Benutzung einschränken. Bibliothekare sollten sich in der Erschließung – in ihrem Denken – über Disziplingrenzen und andere Kategorisierungen hinwegsetzen und damit disziplinären und gesellschaftlichen Einschränkungen entgegenwirken, neue Möglichkeiten der Recherche eröffnen und Ungesehenes sichtbar, den Bestand nutzbar machen.

Herausgestochen – in Präsentation und Thematik – ist vor allem der Vortrag von Ute Engelkemeier “*Das Bild der Bibliothekarin im TV-Genre Comedy und Komödie“*, welcher sich auf den ersten Blick nicht wirklich mit dem restlichen Programm vereinen ließ. Die Film- und Serienausschnitte, vom Heimatfilm bis hin zur Comedy-Serie, sorgten dennoch für viel Freude und zeigten unterschiedlichste Facetten des Bibliothekarischen.

Das Symposium hat einige interessante neue und alte Ideen der Bibliothek miteinander vereint und war damit eine sehr gelungene und runde Veranstaltung, die zum Nachdenken und Weiterdenken angeregt hat. Dennoch konnte das Ziel einer Reflexion der Idee der Bibliothek in einem interdisziplinären Rahmen leider nur teilweise erfüllt werden. Von Aufhebung dieser Art durch Referierende oder Teilnehmende war noch nicht allzu viel zu spüren – die Bibliotheks- und Informationswissenschaft blieb, wie üblich, überwiegend unter sich. Um Neues zu schaffen, müssen Grenzen überwunden werden – um ein interdisziplinäres Publikum anzusprechen, müssen interdisziplinäre Vorträge geboten werden. Auch wenn es nur geringfügige disziplinäre Grenzüberschreitungen gab, so gab es zumindest gedankliche.

Das Symposium überzeugte mit geistig ansprechenden Vorträgen und Diskussionen, und darüber hinaus mit gutem Essen, sehr entspannter Atmosphäre und einem schönen Veranstaltungsort – welcher, wie wir spätestens jetzt wissen, eine ebenso bedeutende Rolle spielt. Wiederholung erwünscht.


Sandra Balck, Studium Bibliotheksmanagement (B.A.) und Informationswissenschaft (M.A.) an der Fachhochschule Potsdam, aktuell studentische Mitarbeiterin im Projekt "Hidden Kosmos" der Humboldt Universität zu Berlin, davor im Projekt "Digitales Textarchiv" der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.