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Rezension zu: Sühl-Strohmenger, Wilfried (Hrsg.) / Handbuch Informationkompetenz. Berlin: de Gruyter, 2012


Zitiervorschlag
Lars Müller, "Rezension zu: Sühl-Strohmenger, Wilfried (Hrsg.) / Handbuch Informationkompetenz. Berlin: de Gruyter, 2012". LIBREAS. Library Ideas, 22 ().


Das Thema Informationskompetenz erlebt einen Aufschwung. Zahlreiche Wissenschaftsorganisationen haben sich in jüngerer Zeit zu Fragen der Informationskompetenz geäußert. Allein im letzten Jahr nahmen die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) [Fn 01], die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) [Fn 02] und der Wissenschaftsrat [Fn 03] zum Teil ausführlich Stellung. Begleitet wird die wissenschaftspolitische Aufmerksamkeit für Informationskompetenz von neuen Publikationen. So sind bei De Gruyter Saur gleich drei bemerkenswerte Bücher neu erschienen: das Handbuch Informationskompetenz, der Sammelband Informationskompetenz professionell fördern, ein Leitfaden zur Didaktik von Bibliothekskursen [Fn 04] sowie Teaching Library – Förderung von Informationskompetenz durch Hochschulbibliotheken. [Fn 05] Informationskompetenz ist seit vielen Jahren ein Thema in der Bibliothekspraxis. Es wird von zahlreichen Publikationen behandelt: Umfassende Bestandsaufnahmen [Fn 06], Forschungen [Fn 07] und Einzelstudien stehen zur Verfügung. Darunter finden sich wichtige Beiträge zur Debatte und Entwicklung des Konzepts, [Fn 08] aber bislang ist wenig darunter, das als Standardwerk bezeichnet werden kann. Mit Teaching library in Deutschland, Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz als Kernaufgabe für öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken [Fn 09] hat Wilfried Sühl-Strohmenger zusammen mit Claudia Lux 2004 das erste deutschsprachige Standardwerk zum Themenfeld Informationskompetenz verfasst und damit einen Meilenstein errichtet. Jetzt könnten weitere hinzugekommen sein.

Gegenstand dieser Rezension ist jedoch allein das von Wilfried Sühl-Strohmenger herausgegebene Handbuch Informationskompetenz. Es bietet laut Klappentext „einen Gesamtüberblick über Theorie und Praxis […] und dient gleichzeitig als Lehrbuch zur Vermittlung von Informationskompetenz.” In zehn Abschnitte untergliedert, umfasst es insgesamt 48 Kapitel verschiedener Autorinnen und Autoren. Damit können sehr viele Facetten der Informationskompetenz differenziert dargestellt werden. Hält es, was es verspricht?

Dem Handbuch Informationskompetenz fehlt ein Editorial. Der programmatische Rahmen wird jedoch dadurch gesetzt, dass der Herausgeber das erste wie auch das letzte Kapitel selbst verfasst hat. Im ersten Kapitel „Informationskompetenz und die Herausforderungen der digitalen Wissensgesellschaft” werden die Notwendigkeit von Informationskompetenz und ihr Verhältnis zum Begriff Wissen im „Informationszeitalter” erörtert. Der Herausgeber macht deutlich, dass Informationskompetenz kein Selbstzweck ist, sondern „es wesentlich darum [geht], die als wichtig empfundene Information in Wissen zu transformieren.” (S. 4) Folgerichtig wird Information in Beziehung zu den Feldern Wissensmanagement und (lebenslanges) Lernen gesetzt. Bei dem Bezug zur Praxis äußert sich der Autor und Herausgeber vorsichtig optimistisch, in dem er der Teaching Library „gute Realisierungschancen im deutschsprachigen Raum” prognostiziert. Zuvor wagt er sich in das Dickicht der Begriffe Information und Wissen – und lässt den Leser, die Leserin darin leider alleine zurück. Vermutlich bewegte er sich selbst nicht ganz auf sicherem Terrain. Wie anders ließe sich erklären, dass dem ausgewiesenen Experten in Sachen Informationskompetenz beim Zitieren hier kleine Nachlässigkeiten unterlaufen sind? [Fn 10] Darüber könnte man im inhaltlich weitgehend gelungenen ersten Kapitel einfach hinwegsehen, handelte es sich nicht ausgerechnet um den Einstieg in ein Handbuch zur Informationskompetenz.

Der erste Abschnitt, Horizonte der Informationskompetenz, steckt zu Beginn die Reichweite des Konzepts „Informationskompetenz” ab, das „ganz allgemein auf eine reflektierte und strategisch ausgerichtete Form der Informationspraxis im Kontext von Lernen, Studium und Weiterbildung abzielt”. (S. 7) Thematisiert werden hier zunächst die bereits erwähnten „Herausforderungen der digitalen Wissensgesellschaft” (Sühl-Strohmenger) und die Entwicklung der Konzepte „Informationskompetenz und Information Literacy” (Marianne Ingold). Ingold liefert im zweiten Teil ihres Beitrags einen hervorragenden Überblick über die Publikationslandschaft zum Thema. Dabei benennt sie ein gravierendes Defizit: „In der bibliothekarischen Literatur existiert keine einheitliche Theorie der Information Literacy bzw. Informationskompetenz.” (S. 29) „Informationskompetenz in einer neuen Informationskultur” (Thomas Hapke) ist das originellste Kapitel des Handbuchs. Hapke hat bereits 2007 mit seinem Artikel zu „Informationskompetenz 2.0” [Fn 11] der Diskussion neuen Schwung verliehen. Ähnliches ist in Bezug auf seinen neuen Beitrag zu wünschen. Unter Anwendung eines dynamischen Kulturbegriffs (im Sinne von „etwas kultivieren”) entwirft er ein Konzept von Informationskultur. Diese „betont die Vielfalt beim Umgang mit unterschiedlichen Informationssystemen” und „umfasst ein 'sich-selbst-Gestalten', ein Anderssein und sich selbst anders (kritisch) sehen” (S. 44). Damit geht er angesichts der gängigen Ansätze über das Beherrschen von Fertigkeiten und Kompetenzen hinaus und macht Informationskompetenz zum informationspolitischen Programm der (persönlichen) Aufklärung bzw. der Ausbildung einer inneren Einstellung: „Eine kritische Haltung zur uns umgebenden Informationswelt […] kann als die wesentliche Essenz aller Bemühungen um Informationskompetenz […] gesehen werden.” (S. 48) In den noch folgenden Kapiteln des Einführungsabschnitts werden Lebenslanges Lernen, Informationsethik und Recht in Bezug auf Informationskompetenz behandelt.

Der zweite Abschnitt thematisiert Wissensordnungen und beleuchtet das Verhältnis von Informationskompetenz und persönlichem Wissensmanagement (Gabi Reinmann) sowie externer Wissensordnung, als da wären: Bibliothekskataloge (Heidrun Weisenmüller), Internetsuchmaschinen (Dirk Lewandowski) und Wikipedia (Nando Stöcklin).

Ein Licht aus anderen fachlichen Perspektiven wird im darauffolgenden Abschnitt auf das Thema des Sammelbands geworfen. Hier kommen u. a. Wissenspsychologie (Roland Mangold), Wissensmanagement (Sonja Gust von Loh) und Medienwissenschaft (Harald Gapski) zur Sprache. Insgesamt ergänzen die interdisziplinären Sichtweisen auf Informationskompetenz sehr gut die Beiträge des ersten Abschnitts, denn sie erweitern den Horizont der ansonsten bei dem Thema meist sehr in der bibliothekarischen Praxis verhafteten Ansätze.

Die nächsten drei Abschnitte folgen der Entwicklung des Bildungsniveaus von Informationskompetenz in der schulischen Bildung über Informationskompetenz im Studium zur Informationskompetenz in der Wissenschaft. Sehr gelungen ist, dass hier jeweils Informationskompetenz von dem sonst üblichen engen Fokus auf Studienanfänger/innen abrückt und Informationskompetenz darstellt als einen ständigen Begleiter aller Bildungsstufen. Nicht immer überzeugend ist allerdings in diesen Abschnitten die Betitelung bzw. Zusammenstellung der einzelnen Kapitel. So wird beispielsweise erst beim Lesen klar, dass es sich beim Kapitel „Informationskompetenz und Schulbibliotheken: Beispiele aus Südtirol” (Markus Fritz) um eine Best-Practice-Darstellung handelt und der Regionalbezug an dieser Stelle eher nachrangig ist.

Im Abschnitt Informationskompetenz im Studium widmet sich ein ganzes Kapitel den „Standards der Informationskompetenz für Studierende” (Fabian Franke). Dankenswerterweise thematisiert Franke Ziele und Funktion von Standards (S. 239f.), geht aber leider etwas zu knapp über die absurd anmutende Vielzahl verschiedener Standards („es [würde] den Rahmen dieses Handbuch sprengen”, S. 241) hinweg. Der Orientierung über die Standards zu Informationskompetenz, die die Leserin/der Leser von einem Handbuch erwarten könnte, hätte gerne ein eigenes Kapitel im Einführungsteil gewidmet werden dürfen. Die Zuordnung der wichtigen Kapitel „Informationskompetenz und Literaturverwaltung” (Thomas Stöber) und „Das Schreiben der Anderen – Informationskompetenz und Plagiarismus” (Markus Malo) zum Abschnitt über Informationskompetenz im Studium ist nicht recht nachvollziehbar. Auch für andere Bildungsphasen sind diese Aspekte von Bedeutung und sie fügen sich nicht harmonisch in den Abschnitt ein, zumal hier die anderen Kapitel überwiegend Fallbeispiele zur Einbindung von Informationskompetenz im Studium bieten. [Fn 12]

Der Abschnitt zu Informationskompetenz in der Wissenschaft behandelt neben „Informationskompetenz für Doktoranden und Wissenschaftler” (Manuela Rohrmoser) disziplinspezifische Sichtweisen (Theologie, Geistes- und Kulturwissenschaften, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Jura). Anhand anschaulicher Beispiele werden fachliche Unterschiede deutlich und es lassen sich Anregungen zur Entwicklung eigener, fachspezifischer Angebote finden. Die Auswahl der behandelten Disziplinen erscheint allerdings unvollständig; Sichtweisen von Natur- und Lebenswissenschaften wären notwendig. Im Kapitel zur „Informationskompetenz in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften” (Katharina Beberwell, Renke Siems) schneiden die Autor/inn/en das Thema der Weiterbildung und unzureichender Zeitressourcen für Bibliothekar/inn/en an. Etwas unglücklich geraten ist, dass dabei der Eindruck erweckt wird, wesentlicher Sinn der Vermittlung von Informationskompetenz sei die eigene Qualifikation, denn entsprechende Aktivitäten brächten mit sich, „dass man sich wenigstens einmal im Jahr zwingt, alle relevanten Informationsmittel auf dem aktuellen Stand anzusehen – etwas, was in der Berufsroutine sonst leicht untergeht.” (S. 360) Nur gut, dass Werner Hartmann in seinem später folgenden Kapitel „Learning Library” beschreibt, wie dieses Problem strukturiert angegangen werden kann. [Fn 13]

Die letzten Abschnitte behandeln das insbesondere für Bibliotheken wichtige Feld der Praxis. Unter der Überschrift Didaktik, Methodik werden Einführungen in Lehr- und Lernstrategien sowie Methodisches Wissen geboten. Dieser Teil des Buches ist gemessen am großen Bedarf zu knapp geraten, was jedoch nicht an den für sich genommen sehr gelungenen Beiträgen liegt. „Lernförderliche Lehrstrategien für Veranstaltungen zur Informationskompetenz an Hochschulbibliotheken” (Ulrike Hanke) bietet anwendungsbezogenes Hintergrundwissen zum Lernen und Lehren. Es folgen die Themen „Blended Learning” (Brigitte Schubnell) und „Online-Tutorials” (Katrin Steiner), die beide als Best-Practice-Darstellung verfasst wurden. Ergänzende Kapitel, die diese beiden Themen allgemeiner, beispielsweise auch in Hinblick auf die technischen Herausforderungen behandelt hätten, wären an dieser Stelle wertvoll gewesen. Abgerundet wird der Abschnitt mit einem Kapitel zu dem wichtigen Thema „Lernerfolgskontrolle, Evaluierung und Messung der Informationskompetenz” (Martina Straub).

Fünf Kapitel befassen sich im Abschnitt Lehr-Lernort Bibliothek im Wandel mit den institutionellen und räumlichen Anforderungen an Bibliotheken, um Informationskompetenzvermittlung und die Funktion der Teaching Library nachhaltig zu gewährleisten und zu unterstützen. „Die Lernortentwicklung zu Learning Commons und Learning Centers schaffen wie selbstverständlich den praktischen Kontext für Informationskompetenzentwicklung.” (S. 431) So bringt im Kapitel „Informationskompetenz und neue Lerninfrastrukturen in der Hochschulbibliothek” Christine Gläser die Notwendigkeit auf den Punkt, Angebote zur Informationskompetenz gemeinsam mit anderen Bibliotheksdienstleistungen zu entwickeln. Werner Hartmann stellt im folgenden Kapitel („Learning Library: Welche pädagogisch-didaktischen Qualifikationen brauchen Bibliothekarinnen?”) klar, dass die „Teaching Library nicht zum Nulltarif zu haben” (S. 434) ist. Für die Weiterbildungsform empfiehlt er ein Mentoring-Modell (S. 434) und gibt im Weiteren sehr hilfreiche Anregungen für die Herangehensweise an die Ausarbeitung von Angeboten und Materialien zur Informationskompetenz. Im Vordergrund sollen hierbei Konzeptwissen (S. 436) und fundamentale Ideen (S. 437) stehen. Eine Checkliste zur Raumgestaltung und -ausstattung (S. 464f.) verleiht dem Kapitel „Räumliche und gestalterische Anforderungen an Bibliotheken als Lehr- und Lernort zur Förderung von Informationskompetenz” (Klaus Ulrich Werner) einen besonderen praktischen Nutzen. Zum Abschluss des Abschnitts werden von Richard Stang „Lernarrangements in Bibliotheken – Support für informelles Lernen” diskutiert. Er kritisiert darin, dass im Hinblick auf didaktisch-methodische Fragen „die Konzeptentwicklung kaum forschungsbasiert erfolgt.” (S. 472)

Der vorletzte Abschnitt Informationskompetenz in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz behandelt nationale Sichtweisen. Bildungspolitische Ansätze, Institutionalisierung und Vernetzungsaktivitäten von Bibliotheken sowie deren Entwicklungsstand werden in Kapiteln aus der jeweiligen Landesperspektive dargestellt. Der ausführlichste Text behandelt Österreich und den dortigen Grad der Durchdringung aller Bildungsbereiche mit Aktivitäten zur Informationskompetenz sowie praktische Ansätze zur Förderung dieser Entwicklung. Eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung und Professionalisierung von Informationskompetenzvermittlung spielen bibliothekarische, überwiegend regional organisierte Netzwerke (Renate Vogt). „Die Vermittlung von Informationskompetenz in der bibliothekarisch-orientierten Hochschulausbildung” (Ute Krauß-Leichert) als Gegenstand des Lehrangebots (S. 558) wird abschließend dargestellt.

Im einzigen Kapitel des letzten Abschnitts Zusammenfassung, Schluss stellt der Herausgeber die Fragen nach „Zukunftsfähigkeit des Konzepts Informationskompetenz und weitere[m] Forschungsbedarf” (Sühl-Strohmenger). Er referiert zunächst überblicksartig Ergebnisse von – auch deutschsprachigen – Studien zum Informationsverhalten. Da Bemühungen um die Vermittlung von Informationskompetenz auf das Informationsverhalten zielen, sieht er hier den Schlüssel zur bedarfsgerechten Entwicklung von Angeboten und deren Evaluation. Er konstatiert u. a. „Forschungsbedarf [...] bei der Erfolgsmessung der Lehraktivitäten, auch beim 'Impact', der Wirkung von Kurs- und Schulungsmaßnahmen.” (S. 575) Einen hohen Stellenwert räumt der Herausgeber des Handbuchs der breiten Vernetzung der Bibliotheken mit anderen Bildungseinrichtungen ein. „Dann hätte das Konzept Informationskompetenz eine realistische Zukunftsperspektive.” Das ist angesichts der vorangehenden fundierten Kapitel ein überraschend zaghaftes Fazit.

Mit der Gliederung der Abschnitte wird das Thema Informationskompetenz sehr umfassend abgedeckt, die übergeordnete Struktur des Handbuchs überzeugt. Allerdings ist, wie angemerkt, die Zuordnung der Einzelkapitel nicht immer gelungen.

Der Charakter der Kapitel ist durch die verschiedenen Publikationstypen sehr heterogen: Enthalten sind Handbuchartikel, Reviews und räumlich bzw. thematisch eingegrenzte Fallstudien. Dadurch wirkt das Handbuch nicht so aus einem Guss, wie der Rezensent es sich wünschen würde. Das Handbuch Informationskompetenz setzt dennoch gemessen an Umfang und thematischer Breite Maßstäbe, die in näherer Zukunft schwer zu übertreffen sein werden. Tatsächlich wird ein Gesamtüberblick unter Einbeziehung mehrerer Fachdisziplinen gegeben. Die übersichtlich gehaltenen Beiträge ermöglichen es, sich einen schnellen und guten Überblick zu verschaffen bzw. den Einstieg in Teilaspekte von Informationskompetenz zu finden. Jedem Kapitel sind ein Abstract und Keywords vorangestellt, die Auswahl und Orientierung zusätzlich erleichtert.

Zur Vermittlung oder Aneignung von Informationskompetenz an sich („Wie recherchiere ich, wie zitiere ich richtig...?”) ist das Handbuch Informationskompetenz zwar nicht geeignet, aber in Ausbildungsgängen für Information Professionals wird es als Lehrbuch sicher schnell zum Standardwerk avancieren. Wer selbst Angebote zur Informationskompetenzvermittlung entwickeln möchte, wird eher – und das mag ganz im Sinne des Verlags sein – auf das Buch „Informationskompetenz professionell fördern” (s.o.) zurückgreifen.

Das Handbuch Informationskompetenz ist eine für DeGruyter Saur inzwischen typische Hybrid-Ausgabe, zugleich print und online. Digital wird das Handbuch Informationskompetenz – genau wie die Druckausgabe – für einen Komplettpreis von 128,95 € angeboten. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass die 48 Kapitel zum Einzelpreis von 30 € online zu haben sind. Wer Wert allein auf Titelblatt, Abkürzungs- oder Stichwortverzeichnis legt, kann diese ebenfalls für den Kapitelpreis von 30 € einzeln erwerben. Ein hoher Preis, angesichts dessen, dass insbesondere das Stichwortverzeichnis keineswegs überflüssiges Beiwerk eines Handbuches darstellt, sondern eine wichtige Informationsquelle ist, um sich einen Überblick zum Thema zu verschaffen und die relevanten Beiträge zu finden; eine Quelle, auf die man in der Regel beim kapitelweisen Online-Zugriff verzichten wird. Der Verlag bietet jedoch online eine kostenlose Volltextsuche. Die Voransicht der jeweils ersten Kapitelseite ist ebenfalls gratis. Die Paketversion (Online- und Druckausgabe) kostet 199,95 €. Inwieweit die Preisgestaltung durch den Herstellungsprozess (wurden bspw. die Autorinnen und Autoren für ihre Beiträge entlohnt?) gerechtfertigt ist, vermag der Rezensent nicht zu beurteilen, empfiehlt aber doch für gelegentliche Nutzung eher auf Bibliotheksexemplare oder -lizenzen zuzugreifen, als es sich für den Hausgebrauch privat anzuschaffen.


Fußnoten

[01] HRK Hochschulrektorenkonferenz, ”Hochschule im digitalen Zeitalter: Informationskompetenz neu begriffen - Prozesse anders steuern,” Entschließung der 13. Mitgliederversammlung der HRK am 20. November 2012 in Göttingen, http://www.hrk.de/uploads/media/Entschliessung_Informationskompetenz_20112012.pdf. [zurück]

[02] DFG Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme, ”Die digitale Transformation weiter gestalten: der Beitrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu einer innovativen Informationsinfrastruktur für die Forschung,” Positionspapier, 2012, p. 4, http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/positionspapier_digitale_transformation.pdf. [zurück]

[03] Wissenschaftsrat (WR), ”Empfehlungen zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland bis 2020,” 2012, pp. 40ff., http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2359-12.pdf. [zurück]

[04] Ulrike Hanke, Martina Straub, and Wilfried Sühl-Strohmenger, eds., Informationskompetenz professionell fördern: Ein Leitfaden zur Didaktik von Bibliothekskursen (München: De Gruyter Saur, 2013). [zurück]

[05] Wilfried Sühl-Strohmenger, Teaching Library: Förderung von Informationskompetenz durch Hochschulbibliotheken (Berlin: De Gruyter Saur, 2012). [zurück]

[06] Z.B.: Harald Gapski and Thomas Tekster, ”Informationskompetenz in Deutschland. Überblick zum Stand der Fachdiskussion und Zusammenstellung von Literaturangaben, Projekten und Materialien zu einzelnen Zielgruppen,” 2009, http://lfmpublikationen.lfm-nrw.de/catalog/downloadproducts/Informationskompetenz_in_Deutschland.pdf, accessed October 2009. [zurück]

[07] Z.B. die viel zitierte Disseration: Sabine Rauchmann, Bibliothekare in Hochschulbibliotheken als Vermittler von Informationskompetenz: eine Bestandsaufnahme und eine empirische Untersuchung über das Selbstbild der Bibliothekare zum Thema Informationskompetenz und des Erwerbs methodisch-didaktischer Kenntnisse in Deutschland (Humboldt-Universität zu Berlin, 2009), http://edoc.hu-berlin.de/docviews/abstract.php?id=36882. [zurück]

[08] Sehr anregend war: Thomas Hapke, ”Informationskompetenz 2.0 und das Verschwinden des "Nutzers",” Bibliothek : Forschung und Praxis 31, no. 2 (2007), http://dx.doi.org/10.1515/BFUP.2007.137. [zurück]

[09] Claudia Lux and Wilfried Sühl-Strohmenger, Teaching library in Deutschland: Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz als Kernaufgabe für Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken (Wiesbaden: Dinges & Frick, 2004). [zurück]

[10] Zu inhaltlichen Unstimmigkeiten siehe mein LIBREASblog-Beitrag vom 05.02.2013 … verfügbar unter: http://libreas.wordpress.com/2013/02/05/hybrides-lesen/ Unklar bleibt beim Lesen auch, warum sich zwei über sieben Zeilen erstreckenden Zitate als Teil des Fließtexts gesetzt wurden (S. 4f.) und nicht, wie weiter unten in einem anderen Fall (S.6), durch Einrückung und geringere Schriftgröße als Zitat hervorgehoben wurden. [zurück]

[11] Thomas Hapke: Informationskompetenz 2.0 und das Verschwinden des „Nutzers” in: Bibliothek 31.2007 Nr. 2. S. 137-149. In seinem Blog (http://blog.hapke.de) bereichert Hapke regelmäßig das Thema Informationskompetenz um aktuelle und kritische Beiträge und Kommentare. [zurück]

[12] „Förderung von Informationskompetenz als Schlüsselqualifikation: Modell Freiburg im Breisgau” (Ralf Ohlhoff), „Einbindung der Informationskompetenzförderung in die Studiengänge – das Beispiel der Universitätsbibliothek München” (Medea Syder), „Einbindung von Informationskompetenzförderung in das Studium an der Fachhochschule” (Jens Renner). [zurück]

[13] S.u. u. vgl. Werner Hartmann: Learning Library: Welche pädagogisch-didaktischen Qualifikationen brauchen Bibliothekarinnen? S. 432-439. [zurück]


Lars Müller studierte Europäische Ethnologie und Geschichte (M.A.), sowie Bibliotheks- und Informationswissenschaften (MA LIS). Seit 2009 ist er akademischer Mitarbeiter am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam.