> > > LIBREAS. Library Ideas # 2

Rezension zu Philip Barker: Using e-books for Knowledge Management erschienen in "The Electronic Library" 23, Nr. 1 2005; pp 5-8


Zitiervorschlag
Elisabeth Simon, "Rezension zu Philip Barker: Using e-books for Knowledge Management erschienen in "The Electronic Library" 23, Nr. 1 2005; pp 5-8". LIBREAS. Library Ideas, 2 ().


Philip Barker, Professor für Applied Computing an der Universität Teesside beschäftigt sich mit dem digitalen Publizieren, digitalen Bibliotheken, elektronischen Büchern und E-Learning. Er gehört dem Herausgebergremium der Zeitschrift The Electronic Library an und ist ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der digitalen Medien. (Homepage Philip Barker)

Wie Peter Just in seiner Ende vorigen Jahres der Humboldt-Universität vorgelegten Magisterarbeit darstellte, haben elektronische Bücher kaum Eingang in die Bibliotheken gefunden. Dies hat auch seine Magisterarbeit behindert, weil das Sample, auf dem einige Aussagen dieser Magisterarbeit beruhen, damit zu klein war. Aber es gibt erst wenig Literatur zum Thema E-Book. Es ist deshalb sehr verdienstvoll, dass sich die Zeitschrift The Electronic Library mit dem Einsatz des E-Book beschäftigt. Das Elektronische Buch wird den Buchmarkt nachhaltig verändern. Daniela Zivkovic, Professorin für Bibliothekswissenschaft aus Zagreb, macht in ihrer grundlegenden Studie The Electronic Book (Berlin 2005) auf die Konsequenzen aufmerksam, die der Einsatz dieses neuen Mediums mit sich bringen wird.

Barker stellt heraus, dass der Gebrauch des elektronischen Buches nicht einfach ein Ersatz des gedruckten ist, denn es ist höchst zweifelhaft, ob dieses möglich und sinnvoll ist. Er will den anders gearteten Einsatz dieses Mediums in der Informationskette untersuchen.
Für die Bibliotheken, so Barker, würde das E-Book das Informationsangebot der Bibliotheken erheblich erweitern und vergrößern und stellt damit ein gutes Mittel dar, neue Nutzer zu gewinnen und ihnen neue Dienstleistungen anzubieten.

Barker setzt sich am Anfang seines Artikels (Seite 5/6) mit der Verbindung "Wissen und E-Book" auseinander. Er weist den Einsatz des E-Books dem Lernprozess (learning process) zu und unterscheidet dabei zwischen purposeful und ad hoc learning. Letzteres geschieht spontan. Diese Art Lernen wird in der Diskussion um das "Lebenslange Lernen" und die lernende Umgebung von Institutionen und Arbeitsumgebung oft zitiert, weil sie wahrscheinlich mehr zu unserem Lernen beiträgt, als wir uns bewusst sind.

Hier nun sieht Barker auch den Einsatz des E-Books:”No matter how our learning encounters arise, it is important that we are able to respond in appropriate ways to the various learning opportunities that we encounter.” Das E-book soll also in vielen Situationen, in denen wir im Prozess des Lebenslangen Lernen, also Ad-hoc-Lernsituationen begegnen, helfen, dieses Lernen zu Wissen werden zu lassen. Mit dem E-Book können wir dieses Wissen speichern und wieder gebrauchen. Dazu ist das E-Book einsetzbar und hilfreich.

Barkers Beispiel ist ein E-Book, das er bei seinen Wanderungen [ -> 01] erstellt. Er beschreibt genau die Vorbereitungen, die er in seinen PC eingibt, den er auf die Wanderungen mitnimmt und mit Hilfe dessen er ein E-Book erstellt, mit Informationen über Geographie, Wetter und Eigenheiten der Wanderroute, einschließlich der Photos, die er während der Wanderung schießt. Dieses E-Book über seine Wanderungen ist ein Erinnerungsbuch für seine Nachwelt und gleichzeitig ein Buch, das Wissen über Wanderungen vermittelt.

Aber man fragt sich, ist es das wirklich? Worin unterscheidet es sich von all den Wanderführern, die Touristen- oder Wandervereine herausgeben, gedruckt und meist auch von offizieller Seite geprüft. Es ist natürlich persönlich auf seine Wanderungen zugeschnitten, was bei regulären Wanderbüchern nicht der Fall ist.

Barker sieht einen der größten Vorteile des E-Books in der bequemen Sammlung von Daten, unabhängig von Raum und Zeit und daher jederzeit abrufbar - ein gutes Instrument besonders für "Pocket Reader". Die Daten stehen nicht nur jederzeit zur Verfügung, sondern können auch problemlos jedermann zur Verfügung gestellt werden. Dieses sharing von Informationen ist, wie auch bei elektronischen Zeitschriften, der größte Vorteil des E-book. Allerdings stellt man sich die Frage, ist das wirklich knowledge management? Die Herstellung einer privaten Sammlung von Daten für die eigenen Spaziergänge, ein gutes Hilfsmittel und ein herrliches Spielzeug, aber die Vermittlung von Wissen? Wird nicht hier ganz naiv dem Vorwurf gegenüber dem Einsatz elektronischer Medien wie auch dem Internet Raum gegeben, zu viele ungeprüfte Daten als Wissen zu deklarieren?. Weiterhin fragt man sich, ist hier wirklich Wissen gefragt und zwar nicht Ad-hoc-Wissen, sondern durch Informationen erwerbbares Wissen? Es könnte ja sein, dass gerade das undokumentierte und „freie“ rambling (das Wandern) zu größerem Ad-hoc-Wissen führt, als hier mit Hilfe eines privat erstellten E-Wanderbuchs. Es kann auch sein, daß der größte Gewinn, den das rambling bringt, im „unkontrollierten“ rambling liegt und in der unvorhersehbaren Konfrontation mit bestimmten Situationen. Vielleicht ist die hier geäußerte Kritik an dem Einsatz des Wortes Knowledge Management auch davon berührt, daß Wissen und Knowledge sich in den Sprachen Deutsch und Englisch unterscheiden, trotzdem sollte der Einsatz solcher E-Books wirklich auf den privaten Kreis beschränkt bleiben.

Aber Barker und sein Aufsatz können die Diskussion weiter auf den Einsatz von E-Books in Bibliotheken lenken. Dies sollte vor der Anschaffung weiterer E-Books in Bibliotheken geschehen, denn der gezielte Einsatz des E-Books bestimmt den Erfolg dieses neuen Mediums und der muss anders als beim gedruckten Buch erst definiert werden.

[zurück -> 01] Siehe www.ramblers.org.uk.