> > > LIBREAS. Library Ideas # 19

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Editorial #19: Ethik und Zensur


Zitiervorschlag
Redaktion LIBREAS, "Editorial #19: Ethik und Zensur". LIBREAS. Library Ideas, 19 ().


Es gibt keine einfachen Antworten, noch nicht einmal einfache Fragen. Das wird uns beim letzten Lesen der aktuellen Ausgabe der LIBREAS vor der Veröffentlichung noch einmal klar. Das Thema Ethik und Zensur scheint einerseits nahe am beruflichen Alltag von Bibliotheken und Informationseinrichtungen zu sein, aber gerade deshalb nicht leicht zu bearbeiten. Zudem kann gerade die Umsetzung ethischen Handelns in Bibliotheken selber nicht durch Konzeptpapiere erfasst werden. Iris Reiß-Golumbeck und Jens Boyer berichten in ihrem Text dieser Ausgabe davon, wie wenig sich die Praktikerinnen und Praktiker auf die ethischen Standards selber zu beziehen scheinen, wenn man sie fragt, obgleich sie weithin ethisch handeln. Diese Differenz ist auch deshalb interessant, da Julia Spenke in ihrem Text zeigt, dass eine der Hauptkritiken an den berufsethischen Kodizes in Deutschland die praxisferne Erstellung derselben war. Offensichtlich gibt es eine schwer zu überbrückende Differenz zwischen der Anforderung an berufliche Ethiken und der tatsächlichen Nutzung derselben.

Gleichwohl hoffen wir mit den Texten in dieser Ausgabe etwas tiefer zu graben und zumindest Modelle dafür zu liefern, über ethische Fragen im Bibliothekswesen und angrenzenden Gebieten nachzudenken.

Dessen ungeachtet fallen Fragen auf, die weiterhin ungeklärt sind. Erstaunlich ist, dass Rückbezüge auf die allgemeine Ethik oder angrenzende Berufsethiken praktisch nie gezogen werden. Selbst die Informationsethik, auf die in einem Text der aktuellen Ausgabe Bezug genommen wird, scheint im bibliothekarischen Bereich kaum referenziert zu werden. Dabei steht zu fragen, ob eine bibliothekarische Ethik sich allein aus der bibliothekarischen Praxis ergeben kann.

Zudem ist auffällig, dass einerseits Veranstaltungen zu bibliothekarischer Ethik, wie zuletzt auf dem Bibliothekartag in Berlin, großen Zulauf haben, gleichzeitig aber die eigentliche Diskussion zum Thema noch nicht wirklich zustande gekommen zu sein scheint. Insoweit kann die 19. Ausgabe der LIBREAS auch als weitere Aufforderung verstanden werden, über die ethische Fragestellungen in Bibliotheken und Informationseinrichtungen nachzudenken. Wie gesagt: Einfache Antworten gibt es nicht, aber die Hoffnung, dass wir Antworten finden können, besteht weiterhin.

Ihre / Eure LIBREAS-Redaktion

(Berlin, Bielefeld, Mannheim, Leuven)


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