|
Pack’ die Badehose
ein
Der Semiotik ist alles Zeichen. Religion als angewandte
Semiotik, die dem Göttlichen zugeneigt ist, setzt voraus, daß
Weltgeschehen, respektive der Kosmos als Ganzes direkt oder implizit
zeichenhaft Willensäußerung des Numinosen sind. Der religiös
Professionelle ist auch insofern Vermittler zwischen der himmlischen
und irdischen Sphäre, als er Deuter dieser numinosen Semantik
ist. Sei es der Schlag der Wellen, der Flug der Vögel, die
Beschaffenheit innerer Organe eines Opfertiers oder die göttlichen
Orakel und Ratsprüche, auf die nicht nur die bayerische Staatsregierung
angewiesen ist: Sie alle bedürfen der eingehenden Auslegung,
der kundigen Exegese. Eine kranke Leber ist nicht einfach eine kranke
Leber, eine weiße Rose nicht einfach eine weiße Rose.
Wo alles voller Götter und voll des Göttlichen
ist, öffnen die Schlüssel zu ihrer Interpretation die
Tore zur ganzen Welt. Wo sich die Götter als immanente Agenten
auf den mit Holzbrettern vernagelten Olymp bzw. in die Transzendenz
zurückgezogen oder epikureisch ewigwährend und schwebend
glückselig sich dem Gewese und Gewusel hienieden niemals zugewandt
haben, passen die Schlüssel der Priester und Theologen nunmehr
in die Türen zum Paradies dereinst in einem anderen Leben.
Und um sich selbst und die Welt, in der er lebt, zu verstehen, ist
der Mensch – mangels Alternativen – angewiesen auf Dilettanten.
Die Philosophen, die Freunde der Weisheit, jene
Vertreter eines sich selbst erkennenden, sich selbst bewußten
und selbstbewußten Dilettantismus, sind es, auf die wir in
säkularen Zeiten bauen können. Ihre Kompetenz, die ihnen
eigene Inkompetenz zu kompensieren, um eine Formulierung Odo Marquards
zu gebrauchen [Fn
1] läßt ihr Bekenntnis,
im Grunde doch nichts zu wissen, weit weniger beängstigend
erscheinen als die unhinterfragte und unhinterfragbare, weil autonom-autochthone
Autorität religiös-prophetischer Professioneller.
Es ist ein Irrtum, daß Philosophen, weil sie
im Grunde von nichts etwas wissen, darum nun über alles reden
könnten. Gäbe es eine Steigerungsform des Irrtums, dann
wäre er also der, daß Philosophen auf die Frage „nach
dem Leben, dem Universum und allem“ eine Antwort wüßten
oder wissen müßten. So tiefe Denker sie im Einzelfall
auch sein mögen, sie sind es nicht, die uns mit der letztgültigen
Antwort beglücken. (Die Antwort lautet natürlich „42“;
– Verzeihung, wie war nochmal die Frage?)
Dilettanten haben Glück, sie passen in keine
Schubladen. Und das nicht nur, weil niemand sie aufgrund ihres unprofessionellen
Habitus in der eigenen Schublade dulden will. Sie sind Liebhaber,
deren Arbeit nicht allein aufgrund des fehlenden beurkundeten Ritterschlags
gering geschätzt wird: denn ein Professioneller ist vom Dilettanten
so leicht zu unterscheiden wie Arbeit von Vergnügen.
Übt der (durch die historischen und ökonomischen
Zwänge) domestizierte Philosoph den Beruf des Philosophen aus,
indem er, was vorkommen kann, des öfteren nicht selbst denkt,
sondern nur nach-denkt, was andere vor ihm dachten, gilt er, wenigstens
in seinem Fachgebiet, als Professioneller und verliert damit den
Status des knabenmorgenblütentraumbekränzten Dilettanten.
Außer, man möchte in ihm den Typus des professionellen
Dilettanten sehen. Heutzutage findet sich der Intellektuelle vor
allem in einem Brotberuf [Fn
2] vorzugsweise jedoch
in einem mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund. Geigenbauer,
Goldschmiede oder Geologen gelten heute in seltensten Fällen
als Intellektuelle. Ist den nicht-philosophierenden Dilettanten
und den Philosophen die ganze Welt ihr kepos, tun sich akademische,
d. h. durch ihre Professionalität am Dilletieren gehinderte
Philosophen und andere sogenannte Intellektuelle schwer, außerhalb
ihrer abgezäunten Haine Fuß zu fassen. Da sie „in
Stellung“ bei einem Dienstherren sind, mangele es ihnen, so
die landläufige Meinung, an jener Beweglichkeit, die nötig
ist, um nicht nur über ihren Tellerrand hinaus zu schauen.
Auch sei beobachtende Teilnahme ja etwas anderes als teilnehmende
Beobachtung.
In Analogie zur Feststellung, daß jeder Mensch
überall Ausländer sei, außer im eigenen Land, ist
der professionalisierte Intellektuelle also überall inkompetent,
außer im eigenen Fachgebiet oder Berufsfeld. Nur weiß
er das, was ihn von seinen nicht-intellektuellen Fachkollegen unterscheidet.
Mit den anderen Dilettanten verbindet ihn, seine Inkompetenz dadurch
zu kompensieren, daß er vornehmlich keine Antworten gibt,
sondern Fragen stellt und sich so in sokratischer Hebammenkunst
übt. Statt richtige Antworten zu geben, stellt er die richtigen
Fragen – und ist so in der Lage, einen von anderen als Mangel
empfundenen Umstand auszugleichen und sich auch in terra incognita
zu bewegen.
Es ist, wie schon anklang, eine Streitfrage, ob er
zu einem solchen Erkundungsgang seine Denkerstube verlassen muß.
Theologen reklamieren für sich, sich dem Transzendenten verstandesmäßig
– oder: intellectu – nähern zu dürfen
und (die Einengung der Immanenz zugegeben) auch zu können.
Und einer der Großen der deutschen Philosophie hat sein Leben
nur in seinem Heimatort Königsberg verbracht und trotzdem „die
Welt vermessen“. Solcherlei methodische Zweifel lassen sich
meiner Meinung nach mit einem entschiedenen „Kommt darauf
an“ beseitigen. Je grundsätzlicher das Terrain ist, das
betreten und beschaut werden will, desto eher kann man auf umfassende
case studies verzichten. Der Mensch im antiken Athen des
5. Jahrhunderts unterscheidet sich in seinem Sehnen und Streben,
in seinen Ängsten und Hoffnungen, seinen Taten und zugrundeliegenden
Motiven in nichts vom Menschen im Isar-Athen München des 19.
Jahrhunderts. Die Ausfaltungen und Ausdrucksformen sind nur je andere.
Vermißt und beschreibt der Historiker die Vergangenheit
an seinem Schreibtisch anhand der überlieferten Quellen und
Artefakte, dann tut er das nicht aus methodischer Notwendigkeit,
sondern aus dem faktischen Zwang heraus, daß vergangenes Geschehen
sich nicht beobachten läßt. Ihm bleibt nur übrig,
aufgrund der vorhandenen Zeugnisse die Fakten von den Fiktionen
zu scheiden. Der Intellektuelle jedoch, der seine Gegenwart reflektieren
will, muß sie zuerst wie ein Ethnologe oder Geograph auch
wahrnehmen, sich auch der empirischen Wirklichkeit der anderen aussetzen.
Sonst weicht professionelle Distanz der professionellen Deformation,
weil man die eigenen signa und significata mit
denen der anderen verwechselt, und letztendlich die oder das Fremde
im Kolonialstil assimilieren oder absorbieren will. Und schnell
befindet man sich dann auf dem Reflexionsniveau jener, die alles
außerhalb ihres Horizonts für „barbarisch“
oder „kindisch“ halten – was oft so ziemlich für
dasselbe gilt –, weil jene nicht die eigene Sprache sprechen
oder die eigenen Gebräuche pflegen.
In diesem Sinne ist es keinesfalls Ausdruck
der „Phantasie zu einfallsreichen Perspektiven“[Fn
3], als Intellektueller „geistesaristokratisch“
herausragen zu wollen [Fn
4]; wer auf einem Berg steht, auf
den wirken die Dinge unter ihm natürlich klein und unbedeutend
– umgekehrt allerdings auch. Das Gegenteil ist also der Fall:
Der Intellektuelle darf sich im eigenen Interesse seiner Suche nach
Wahrheit nicht scheuen, (im doppelten Wortsinn) auch einmal „baden
zu gehen“.[Fn
5]
Unendliche Weiten I: Die Alten und
das Meer
„Das Meer! Das Meer!“ – Der
Ruf verbreitet sich in Windeseile bis in die hintersten Reihen der
Soldaten. Eben noch erschöpft und nur von der Hoffnung auf
Rettung aufrechtgehalten, raffen sie ihre Ausrüstung zusammen
und stolpern, stürzen, rennen gemeinsam mit ihren Maultieren
und Pferden der Hügelkuppe entgegen. Als sie in schon greifbarer
Nähe die See verheißungsvoll funkelnd unter sich liegen
sehen, als hätte sie in alter Treue und Verbundenheit auf sie
gewartet, da fallen sich die Griechen in die Arme, schweigend und
jubelnd, ausgelassen und ernst. Junge Recken und alte Veteranen,
die ohne mit der Wimper zu zucken mannhaft Schlimmstes ertragen
und überlebt haben, schämen sich ihrer Tränen nicht.
Auch wenn noch ein weiter Weg vor ihnen liegt, spüren sie doch:
im Grunde sind sie jetzt zu Hause. [Fn
6]
Ernährerin und Verderberin, Vertraute und
Feindin: der Mensch steht in einem ambivalenten Verhältnis
zu den Meeren, die die geringe bewohnbare Landfläche auf unserem
blauen Planeten umspülen. Ex undis divitiae –
Reichtum aus dem Meer – heißt es auf der Inschrift am
Rathaus der Hansestadt Danzig. Die Meere, Quelle und Ursprung allen
Lebens, bieten eine Fülle, die erst im 20. Jahrhundert durch
den industrialisierten Raubbau an ihre Grenzen stoßen konnte,
während sie vorher Generationen um Generationen am Leben erhielt.
Das Meer ist grenzenlos, was darin ist, ist niemandes Eigentum und
damit das von allen. „Gehören die Fische, die im Meer
schwimmen, mir?“ fragt der Fischer Gripus den Sklaven Trachalio
in der plautischen Komödie Rudens (Das Schiffstau).
„Doch wenn ich sie gefangen habe, dann sind sie mein. Niemand
hat Anspruch darauf, noch fordert jemand seinen Anteil daran, ich
kann sie auf dem freien Markt verkaufen, mare quidem commune
certo est omnibus – das Meer gehört ganz sicher
allen.“ [Fn
7] Mit Blick auf
den aus der See geborgenen Koffer, um dessen Besitz sich das Gespräch
dreht, stimmt Trachalio der Rede des Fischers zu: „Ei fein,
darum gehört der Koffer nun auch uns beiden.“ Damit ist
nun Gripus überhaupt nicht einverstanden: „Ausg’schamter
Kerl, wenn das Recht wäre, wie Du behauptest, müßten
alle Fischer zugrundegehen. Denn niemand würde mehr vom Fang
kaufen und jeder würde daran seinen Anteil verlangen. Sind
sie doch im Meer, das allen zu eigen ist, gefangen worden.“
(Plautus, Rudens 971-981)
Das Meer ist grenzenlos, wortwörtlich ohne Grenzen,
Schlagbäume und andere vom Menschen auf dem Festland errichteten
Hindernisse. Wer schnell und ohne Umwege Waren, Menschen und Tiere
über weite Strecken transportieren möchte, der wählt
den Seeweg. „Reichtum aus dem Meer“ ist also auch „Reichtum
durch und über das Meer“, die Handelsschiffahrt der Kaufleute
ist seit der Antike der Motor für wirtschaftlichen, aber auch
kulturellen Transfer und Fortschritt.
Wenn vor Capri die rote Sonne im Meer versinkt, wenn
stolze Segelschiffe vor Anker liegen, unerschrockene Kapitäne
die Weltmeere durchkreuzen, werden uns diese Bilder nicht darüber
hinwegtäuschen, daß das Meer nicht der angestammte Lebensraum
des Menschen ist, ihn nicht nur nährt und gleichsam sportlich
herausfordert, sondern ohne Gefühl schlägt und im Sturm
vernichtet. Nicht nur offene Schnellstraße, sondern tückisch
verwinkelter Irrgarten ist das offene Meer, das alle, die es befahren,
auch auf eine langjährliche Odyssee oder Äneiade schicken
kann. Im „Buch der Spiele“ der Vergilschen Aeneis, das
in seinem Anfang von den Leichenspielen für des Helden Vater,
Anchises, erzählt, ermahnt Gyas den Steuermann eines der Schiffe,
Menotes, das an der ehrenden Regatta teilnimmt: „Litus
ama et laeva stringat sine palmula cautes; / altum alii teneant“
– „Bleib am Gestade und laß links die Ruder die
Küste streifen / die offene See überlasse anderen!“
(5, 163f.). Diese Formulierung erinnert an die berühmte Stelle
im 6. Buch desselben Werkes, die den Gegensatz zwischen den Griechen
und den Römern herausstreicht: „excudent alii spirantia
mollius aera ... tu regere imperio populos, Romane ...“
(6, 847-853). Sollen ruhig andere – alii –
aus Erz Kunstwerke schaffen, die zu atmen scheinen, sich gewandter
in der Rede ausdrücken und die Natur erklären, sollen
andere das weite Meer befahren. Denn dem Können der Griechen
– ihren Künsten, Wissenschaften und der Seefahrt –
stehen die Römer in nichts nach, auch wenn sie auf diesen Gebieten
nie zur selben Meisterschaft gelangen werden. Das offene Meer ist
den Römern suspekt, auch wenn später Pompeius –
der Große – sein militärisches Talent auch zur
See beweist, verhalten sie sich doch immer wie Schiffbrüchige,
die das Meer scheuen, auch wenn es ruhig ist (vgl. Ovid, Epist.
ex Ponto 2, 7, 8).
Das Meer ist grenzenlos, nicht nur in der Horizontalen,
sondern auch in der Vertikalen. Mare altum – das
weite Meer – bedeutet zugleich: das tiefe Meer. In ihrer grenzenlosen,
unauslotbaren Tiefe verbirgt und entbirgt zugleich die See ihr mysterium
tremendum et fascinans, das einer Tier- und Pflanzenwelt Heimat
bietet, die direkt aus der Hölle zu stammen und Vorbote des
Tags des Zornes zu sein scheint. Die beängstigende Vorstellung
von Einsamkeit auf dem weiten Meer ist nichts gegen die grauenvolle
Gewißheit, daß „unter Null“ im Dunkel des
Meeres unzählige Arten und Bewohner hausen (vgl. Psalm 104,
25). Die größten und kleinsten Lebewesen fanden und finden
sich in den Meeren, dem Lebensraum der Superlative.
Geographen bevölkern unbereiste und unbekannte
Landstriche (terrae incognitae) auf ihren Landkarten gerne
mit Drachen, Basilisken, Skorpionen, Löwen, Mantikoren, Greifen,
Schlangen und anderen fabelhaften oder wirklichen, aber immer verderblichen
Lebewesen und warnen: hic sunt leones oder – nachdrücklicher
– hic abundant leones („hier gibt’s Löwen
hauffenweise“; vgl. Cotton M. S. Tiberius B. V. fol. 58v,
10. Jh.). Nicht nur im übertragenen Sinne lautet der Subtext:
„sobrii estote vigilate quia adversarius vester diabolus
tamquam leo rugiens circuit quaerens quem devoret“ –
„seid besonnen und wachsam, denn der Verderber streicht umher
wie ein brüllender Löwe und sucht den, den er verschlingen
kann“ (1 Petr 5,8).
Beluae maritimae, „wilde Seegetiere“
stehen ihren landgebundenen Vettern und Cousinen in nichts nach.
Die Urangst des einsamen Schwimmers im Meer verkörpert der
„Fisch“ im Buch Jona (2. Kapitel), ex altitudine
maris, aus den dunklen und undurchdringlichen Tiefen des Meeres
schießt mit geöffnetem Maul senkrecht das Ungetüm
hervor und verschlingt jeden Arglosen – und zurück bleibt
nichts als ein gleichmütiges Kräuseln der Wellen. So gerne
wir Carlo Collodi auch glauben wollen, in den Bäuchen der Meerestiere
dieser Welt wartet niemand auf uns, werden wir niemals in jene komfortable
Situation der splendid isolation geraten wie Roberto de
La Grive auf der Daphne (vgl. Umberto Eco, L'isola del giorno
prima, 1994, dt. 1995); der Bauch des Fisches ist die Hölle
(Jona 2,2). Fürchten wir den Tod auch nicht, graut es uns doch
vor einem solchen letzten Augenblick.
Trügerisch sind sie, die Bewohner des Meeres.
Ein Bestiarium in der Bodleian Library, Oxford, (M. S.
Bodley 764, entstanden zwischen 1220 und 1250) schildert ein Ungeheuer,
den Aspidochelon, den der anonyme Autor als den Fisch,
der Jona verschlungen haben soll identifiziert (wohl aufgrund dessen
schierer Größe). Eine Besonderheit charakterisiert das
Monster, das die Gestalt einer Schildkröte hat: es treibt bisweilen
reglos an der Oberfläche, sodaß ahnungslose Seeleute
vor Anker gehen und ein wärmendes Feuer auf seinem Rücken
entzünden können. Spürt das Tier die Hitze, taucht
es und zieht Gefährten und Gefährt mit sich in die Tiefe.
Der Aspidochelon ernährt sich von anderen Lebewesen,
indem er sein Maul öffnet und eine süßlich-anziehende
Flüssigkeit verströmt. Sammeln sich genügend Fische,
klappt er das Maul zu und verschluckt seine Beute im Ganzen.
Die carta marina des Olaus Magnus,
eine Land- und Seekarte Skandinaviens aus dem Jahr 1539
[Fn
8], versammelt den Aspidochelon
(direkt unterhalb der Windrose auf Tafel A) zusammen mit einer
Vielzahl von realen beluae maritimae im offenen Nordmeer, wie die
vacca marina (das Walroß; vor der Küste Norwegens,
Tafel E), oder den ziphius (caviostris), den Cuvier-Schnabelwal
(Tafel D) zusammen mit Seeschlangen und anderen -monstern, die gegeneinander
und gegen die Schiffe der Menschen kämpfen. Hic abundant
beluae maritimae hätte Olaus Magnus auch in Abwandlung
quer über die Nordsee schreiben können.
Stattdessen heißt es kurz und lapidar
an einer Stelle bei den heutigen Lofoten-Inseln Moskenesøy
und Værøy vor dem norwegischen Festland: „hec
es horrenda caribdis“ – „hier befindet sich
der fürchterbare Mahlstrom“. Der Moskenstraumen ist ein
Gezeitenstrom, der ein „schier unerschöpfliches Reservoir“
für den Laich des Barentssee-Dorsches bietet – und dieses
wiederum eine schier unerschöpfliche Nahrungs- und Geldquelle
für die einheimischen Fischer. Doch wer in seinen Sog gerät,
ist unrettbar verloren, dessen Schiff wird mit Mann und Maus zermahlen
zwischen den gewaltigen Mühlsteinen des legendären Königs
Frode. [Fn
9]
Unendliche Weiten II: Die Jungen
und das Mehr
„Das Internet! Das Internet!“ –
Der Ruf verbreitet sich in Windeseile bis in die hintersten Ecken
der Welt. Eben noch erschöpft und nur von der Hoffnung auf
eine sichere Rente aufrechtgehalten, raffen alle ihre Kreativität
zusammen und stolpern, stürzen, rennen gemeinsam mit ihren
notebooks und Spielekonsolen dem nächsten access
point entgegen. Als sie in schon greifbarer Nähe das world
wide web verheißungsvoll funkelnd vor sich liegen sehen,
als hätte es in alter Treue und Verbundenheit auf sie nur gewartet,
da fällt sich die Ne(x)t-Generation in die Arme, schweigend
und jubelnd, ausgelassen und ernst. Junge Recken, die natural
born netizens, und alte Veteranen des analogen Zeitalters,
die noch ohne mit der Wimper zu zucken mannhaft Zettelkästen
und zentnerschwere Handlexika ertragen und überlebt haben,
schämen sich ihrer Tränen nicht. Auch wenn noch ein weiter
Weg vor ihnen liegt, spüren sie doch: im Grunde sind sie jetzt
zu Hause.
Mit dem Beginn des saeculum aureum,
dem Goldenen Zeitalter der Verbreitung digitalisierten Wissens (im
Jahr 1989 nach der Zählweise der Alten), hat die eschatologische
Heilshoffnung einen neuen unirdischen Ort gefunden, ist sie aus
der Virtualität der Transzendenz in die Virtualität der
Immanenz gezogen und hat Wohnstatt genommen unter uns. Junge fesche
Griechinnen und Griechen reiten auf Delphinen übers Datenmeer,
surfen auf der einen Großen Welle der Seligkeit in den Sonnenuntergang
vor Hawaii und entspannen sich abends, angeregt über sich und
mit der Welt in Kontakt. „Ich will alles, und zwar sofort,
jederzeit, überall und kostenlos zur Verfügung haben“,
antwortete Martin Grötschel im Jahr 13 DC (= digital century;
2001 nach altem Kalender) auf die (rhetorische?) Frage der GEGENWORTE-Redakteurin
nach seiner Traumvorstellung von der digitalen Welt. Die Rückfrage,
ob das nicht ein bißchen maßlos sei, beantwortete
der Mathematiker lapidar mit einem „Mag sein; aber Sie haben
mich nach meinem Traum gefragt.“
[Fn 10]
Dieser „digitale Traum“ ist inzwischen
Wirklichkeit geworden, und er hat die kühnsten Erwartungen
übertroffen. Während noch die Veteranen des analogen Zeitalters
(also alle über 30), die „großartigen Chancen“
preisen, die der beinahe naturrechtlich gesicherte (vgl.
[Fn 7])
freie Zugang zum Meer der Daten bietet und den sich in diesem Jahr
zum zwanzigsten Male jährenden Anbruch des Goldenen Zeitalters
panegyrisch begehen [Fn
11], lebt die Jugend
unserer Goldenen Zeit, die wahre jeunesse dorée
den Zeitgeist „sofort, jederzeit, überall und kostenlos“
ganz selbstverständlich.[Fn
12] Das world wide web ist
ihr mare nostrum (vgl. Caesar, Bellum Gallicum 5, 1, 2),
und sie sitzen nicht nur wie Frösche quakend drumherum, sondern
schwimmen und tauchen wie ihre Eltern anno Tobak im örtlichen
Baggersee. (Vielleicht erheben demnächst Kulturkritiker so
skurrile Dinge wie Telefonbücher zum schützenswerten
„Guten Ding“.)
Das world wide web hat sich in nicht
einmal zwei Dekaden, solange wie ein Mensch braucht, um vom Kind
zum jungen Erwachsenen zu reifen, in den Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften
der ganzen Welt nicht nur zu einem alles umgreifenden und miteinander
verbindenden Kommunikationsmedium auf verschiedenen Ebenen entwickelt,
sondern auch den Umgang mit Information, mit Wissen grundlegend
auf eine neue Basis gestellt. Wenn wir den Menschen als ein Gemeinschaften
bildendes Wesen definieren, und Gemeinschaft auf Kommunikation basiert,
dann verhilft das Internet als Mittel zur Kommunikation für
unsere Gemeinschaften nicht zu neuen, aber doch zu in Vergessenheit
geratenen Möglichkeiten der Interaktion und Partizipation.
Das Internet ist Kommunikation. „Im Netz“ zu sein, ist
gleichbedeutend mit dem Angebot und der Nachfrage nach Kommunikation,
einer Kommunikation ohne Barrieren und Schranken, ohne Hierarchien
und Hindernisse. Das Internet ist das „Sofort-jederzeit-überall-kostenlos“-Kommunikationsmedium.
[Fn
13]
Zu dem, was einen Intellektuellen auszeichnet,
gehört sein „avantgardistischer Spürsinn für
Relevanzen“, wie es Jürgen Habermas formulierte.
[Fn 14]
Wenn das Internet tatsächlich die „größte
Erfindung seit der Industrialisierung“ ist, die kulturgeschichtlich
die Menschheit in die „Wissensgesellschaft“ schleudert
und die „alles verändert“, wie Marcel Weiss in
„netzwertig“ schreibt [Fn
15], welches Echo,
welche Deutung findet es dann unter den Intellektuellen Deutschlands?
Und natürlich: von welchen einfallsreichen Perspektiven aus
nehmen sie das Internet wahr?
Under Water I: Ach,
Internet
Die elektronischen Medien – zuerst das
Fernsehen und dann das Internet – haben, so Jürgen Habermas
[Fn
16], „zu einer ungeahnten Ausweitung
der Medienöffentlichkeit und zu einer beispiellosen Verdichtung
der Kommunikationsnetze“ sowie zu einer „weiteren Differenzierung
des Massenpublikums“ geführt. (Habermas 2008a: 81 und
2008c: 157) Besonders durch die Nutzung des Internets seien „die
Kommunikationszusammenhänge zugleich erweitert und fragmentiert“
worden. (Habermas 2008a: 81)
Und in der Tat ermöglicht das Internet einen
„Austausch zwischen Partnern“, die „auf gleicher
Augenhöhe miteinander kommunizieren,“ (Habermas 2008c:
161) „unreglementiert“ (ebd.) ist er jedoch keineswegs.
Gerade in den newsgroups des vom world wide web
zu unterscheidenden usenet hat sich ein ausdifferenziertes
Reglement der Gruppenteilnehmer untereinander entwickelt, das sowohl
die Formalia der Beiträge, als auch die Usancen im Umgangston
bestimmt, von den vielfältigen Abkürzungen, Akronymen
und begrifflichen Anspielungen ganz zu schweigen.
Während der im Internet herrschende „Egalitarismus“,
also die „horizontale und entformalisierte Kommunikation“,
(Habermas 2008a: 82) zwischen Gleichen, zu begrüßen sei,
(Habermas 2008a: 82) ist der Preis dafür die „Dezentrierung
der Zugänge“ zu, wie Jürgen Habermas schreibt: „unredigierten
Beiträgen“ (Habermas 2008a: 82) ein malum, das
durchaus ein Problem darstelle, denn es schwäche die „Errungenschaften
traditioneller Öffentlichkeiten“. (Habermas 2008a: 82)
Dies habe auch Auswirkungen auf die Intellektuellen und die Wirksamkeit
ihrer öffentlichen Einlassungen: denn im Internet „verlieren
die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu
bilden“. (Habermas 2008a: 82)
Wie sollte er auch wirkmächtig Gehör
finden in unzählbaren newsgroups und blogs?
Wenn „jeder Narr einen Blog oder ein Video ins Netz stellen“
kann [Fn
17], wenn die Möglichkeiten,
die eigene subjektive Meinung „sofort, jederzeit, überall
und kostenlos“ zu veröffentlichen, so umfassend
sind, wie sollen dann Intellektuelle überhaupt in diesem babylonischen
Stimmengewirr wahrgenommen werden, überhaupt eine „zentripetale
Kraft“ bilden, (Habermas 2008c: 159) geschweige denn –
Verzeihung, daß ich es erneut erwähne: „geistesaristokratisch“
herausragen?
An dieser Stelle muß ich betonen, daß
der ZEIT-Artikel von Adam Soboczynski [Fn
18] ein wertvoller Beitrag ist, dessen
Bedeutung m. W. bislang nicht hinreichend erkannt wurde. So negativ
die Rezeption war, die der Autor in seinem Text wohl vorausgesehen
hat, so wichtig ist sein Beitrag als Zeugnis für den „clash
of cultures“, in dem sich die zum Teil diametral entgegengesetzten
Kommunikationskulturen der traditionellen Massenmedien und dem neuen
Massenmedium Internet verdichten. „Das Netz als Feind“
bietet auch empirischen Stoff für die Analyse, warum die traditionellen
(Print-)Medien im Internet unter gewissen Rücksichten Fremdkörper
und im Grunde noch nicht „im Netz angekommen“ sind.
Aber zurück: Ist vielleicht – diesen
Gedanken möchte ich hier einflechten – die „antiintellektuelle
Hetze“, die Adam Soboczynski in den Kommentaren und „höhnischen
Nutzerbeiträgen“ ausmacht, und welche sich „gegen
angeblich Sperriges richtet, gegen kühne Gedanken, gegen Bildung
überhaupt“ der Ausdruck einer Abkehr der Öffentlichkeit
im Internet von selbstverliebter Egomanie? „Deru kugi
wa utareru“ lautet ein japanisches Sprichwort: „Der
Nagel, der hervorsteht, wird eingeschlagen“.[Fn
19] Das Internet bietet – anders
als das Fernsehen oder die traditionellen Printmedien – den
Selbstdarstellern, „eitlen Intellektuellen“ und „Adabeis“
nicht automatisch und zwingend eine mediale Bühne, (vgl. Habermas
2008a: 82) die sie einfach zu betreten bräuchten, um Aufmerksamkeit
zu erlangen. Auch die von Adam Soboczynski beklagte „technokratische
Verschlüsselung“ von Namen, die Annahme von Pseudonymen
und damit die Anonymisierung von Wortmeldungen widerspricht den
in der nicht-virtuellen Welt gängigen Üblichkeiten und
Erwartungen.
Meiner Meinung nach geht fehl, wer vermutet, hinter
der Maskierung im Netz stehe der grundsätzliche Wille, konsequenzenlos
tun und lassen zu können, wonach einem der Sinn steht. Vielmehr
kommt darin – jedenfalls bei den an einem Gedankenaustausch
Beteiligten –das primäre Interesse an den Beiträgen
selbst, der Sach- und Fachdiskussion in Foren und Blogs zum Ausdruck;
die individuelle Person tritt zurück hinter dem, was jemand
zur Sache beizutragen hat. Was nicht heißen soll, daß
Menschen nicht auch im und durch das Internet nach ihren eigenen
15 Minuten Ruhm streben und hoffen, daß ihr Pseudonym zum
Markenzeichen wird.- Im Internet verwischt das Verhältnis von
Leser und Autor, weil prinzipiell jeder Leser auch Autor sein kann,
sofern er sich am Diskurs beteiligen will. Jürgen Habermas
erkennt in diesem Phänomen auch eine „Entformalisierung
der Öffentlichkeit und [eine] Entdifferenzierung entsprechender
Rollen“. (Habermas 2008a: 81)
In einer strukturell egalitären und auf
Interaktion und Kooperation ausgerichteten Welt, wie sie das Internet
prinzipiell (aber natürlich nicht umfassend) darstellt, steht
der Anspruch des Individuums auf (s)eine (Sonder-)Stellung prinzipiell
und ständig zur Disposition. Was im wissenschaftlichen Zusammenhang
der impact ist, die Häufigkeit der Referenzierung,
der Zitation eines Beitrags, ist im world wide web einerseits
der „Hyperlink“, die Vernetzung eines Beitrags („Zitat“)
oder einer Web-Adresse mit anderen („Backlink“,
„Trackball“), zum zweiten aber auch die in
Besuchen und Kommentaren meßbare Aufmerksamkeit, die man einem
Autor und seinen Äußerungen zukommen läßt.
Diese Aufmerksamkeit ist aber im Internet nicht einseitig angelegt,
sondern, wen verwundert’s: netzartig. Da die Internet-Kommunikation
wesenhaft nicht vertikal, sondern horizontal verläuft, entwickelt
sich so ein Geflecht von gegenseitigen Referenzen und Reverenzen.
Diese Reverenzen bzw. Referenzierungen – impacts
oder impressions – stellen auch die Grenzen der Egalität
im Internet dar, denn je häufiger einer web-Adresse diese Reverenzen
„erwiesen werden“, sie also „verlinkt“ wird,
desto höher ist ihr „sozialer Status“ im Netz [Fn
20], analog zur Bedeutung
einer wissenschaftlichen Publikation in der scientific community.
Während die Zitationshäufigkeit einer
Fachveröffentlichung durchaus Rückschlüsse auf ihren
Gehalt zuläßt, wäre sowohl die Vermutung, daß
Seiten, die maximal verknüpft sind, als auch die, daß
Seiten, die eine hohe Besucherzahl aufweisen, damit in direkter
Relation zu ihrem validen Inhalt stehen, mit größter
Vorsicht anzustellen. Zudem ist Popularität kein Indikator
für inhaltliche Qualität. Entsprechend sind Suchmaschinen,
die ja auf Basis eines „Ranking“-Algorithmus (vgl. [Fn
20]) arbeiten, auch nur bedingt geeignet,
den Fokus der Aufmerksamkeit auf den Intellektuellen und seine Beiträge
zu lenken.
Im Internet spielt aber nicht nur Aufmerksamkeit
eine Rolle, sondern Überzeugung.[Fn
21] Die prinzipielle Hinterfragbarkeit
der Stellung eines Individuums oder eines Angebots im Internet bedeutet,
daß jeder wiederholte Seitenaufruf eine bewußte Entscheidung
darstellt, die am Ende eines Überzeugungsprozesses steht. Ähnlich,
wie man Stammkneipen wechselt, wenn sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert,
daß man immer noch derselbe, aber das restliche Publikum ein
anderes geworden ist (oder umgekehrt), nimmt der Seitenaufruf von
Angeboten sukzessive und schleichend ab, wenn Nachfrage und Angebot
einander nicht mehr treffen.
Ich werde mich selbstverständlich hüten,
meine Rezeptionspraxis hochzurechnen, um daraus eine Prognose abzuleiten
[Fn 22],
aber: Im Laufe der letzten 24 Monate haben sich meine Lesezeichen
zum Stichwort „Nachrichten/Zeitungen“ deutlich verändert.
In der Hauptsache wurden Webauftritte von Printzeitungen und –zeitschriften
zugunsten von Weblogs und anderen nur im Internet verfügbaren
Informations- und Nachrichtenportalen reduziert. Auf das wenige
Interessante, das die traditionellen Leitmedien zur Lektüre
und Horizonterweiterung anbieten, verweisen diese ausgesuchten (special-interest)-Plattformen
und Presseschauen. [Fn
23]
Nun ist es nicht nur so, daß ich bestimmte Tageszeitungen
nicht mehr so häufig rezipiere, weil die validen Beiträge
unter dem ganzen seichten Drittanbieter-Kladderadatsch sich ähnlich
fehl am Platze vorkommen müssen wie ein Zeuge Jehovas auf einer
Flatrate-Party in der Dorfdisco, und weil die Präsentation
im Netz zwar Aufmerksamkeit – klicklicklick –
weckt, jedoch nicht überzeugt. Im Vergleich zwischen den professionellen
Weblogs und den professionellen Leitmedien der alten Schule offenbart
sich meiner Ansicht nach jenes Versagen, das in der Blindheit und
Mißachtung gegenüber der Verschiedenheit der Kommunikationsstrukturen
und –kulturen von Internet und Printmedien zu suchen ist.
Der erste Nachteil traditioneller Massenmedien
ergibt sich aus dem zuvor Gesagten: sie mögen gegebenenfalls
Quellen zitieren, aber sie verweisen nicht darauf; selbst online
verfügbare Artikel bieten keinerlei Verweise („links“)
auf andere Beiträge zum Thema, wer sich über die Quellen
und andere Meinungen informieren will, muß sich selbst und
alleine auf die Suche begeben. Online-Leser großer Tageszeitungen
müssen selbstgenügsam und eigeninitiativ sich über
Suchmaschinen weitere Expertisen und Informationen einholen. Die
alte Überlegung „Welcher Leser liest schon täglich
drei oder vier überregionale Zeitungen?“ funktioniert
so im Internet natürlich nicht mehr, gerade bei interessanten
Themen will der informierte Leser auch wissen, was andere denken
und schreiben – und natürlich deren Quellen prüfen.
Darum ist die Idee, durch ein Leistungsschutzrecht zu verhindern,
auf Zeitungen und Zeitschriften zu „verlinken“, ihre
Artikel zu zitieren, gleichbedeutend mit dem Plan, unplugged zu
gehen, also sich aus dem Netz zu verabschieden.[Fn
24] Wozu das führen kann, werden
wir weiter unten an einem praktischen Beispiel sehen.
Zum zweiten – hier ist es lohnend, wieder Jürgen
Habermas zu Wort kommen zu lassen: Der „mediengestützt[en]
Massenkommunikation, die wir aus nationalen Öffentlichkeiten
kennen, [...] fehlen schon aufgrund ihrer Struktur Züge einer
diskursiven Auseinandersetzung“, (Habermas 2008c: 158) sie
ist „insofern 'abstrakt', als sie von der physischen Anwesenheit
der mehr oder weniger passiven Rezipienten absieht und sich über
die Unmittelbarkeit der konkreten Blicke und Gesten, Gedanken und
Reaktionen von Anwesenden und Adressaten hinwegsetzt“. (Habermas
2008c: 159) Und schließlich läßt sich „Massenkommunikation
[...] nicht auf das Frage- und Antwort-Spiel, auf den Wechsel von
Affirmation und Negation, Behauptung und Widerspruch unter Anwesenden
ein. Sie scheint keine Ähnlichkeit zu haben mit einfachen Interaktionen,
welche die Teilnehmer über ihre Handlungs- und Kommunikationszwecke
miteinander verbinden. [...] Während Diskurse den Rollentausch
zwischen Sprechern und Adressaten verlangen, stellt man sich die
Massenkommunikation in der Öffentlichkeit am besten in Analogie
zu einer Bühne vor, die einen Rollenwechsel zwischen den wenigen
Akteuren und einem stumm zuschauenden Publikum nicht erlaubt. Gewiß,
die Akteure spielen für das Publikum, aber dieses hat nur die
Möglichkeit, am Ende eines Aktes oder einer Aufführung
pauschal Beifall zu spenden oder ablehnend zu reagieren - they
can't talk back.“ (Habermas 2008c: 160).
Die bisherige Massenkommunikation und damit
die herkömmliche Printpresse kommuniziert traditionell hierarchisch,
nicht dialogisch, sondern monologisch. Die horizontale Kommunikationsstruktur
des Internets verlangt hingegen nach dem „Rollentausch zwischen
Sprechern und Adressaten“, sie erwartet den „Wechsel
von Affirmation und Negation, Behauptung und Widerspruch“.
Deshalb erinnert der Großteil der von Journalisten in den
traditionellen Medien publizierten Beiträge an die Soliloquien
von Autisten und deshalb zeigen sich Journalisten wie Adam Soboczynski
auch so vergrätzt und verhalten sich wie eine beleidigte Leberwurst,
wenn ihnen in den „Nutzerbeiträge[n], die sich als Wurmfortsatz
unter einem typischen Feuilletonartikel finden“(vgl.[Fn
18]), Negation und Widerspruch, Enttäuschung
und Ablehnung entgegenschlagen. Das sind sie einfach nicht gewöhnt,
das ist nicht eingeplant. Denn diese Leserbeiträge
sind kommunikationsstrukturell anders gelagert als „letters
to the editor“, die dem vertikalen Verhältnis zwischen
Autor und Leser ja entsprechen. In nuce: Wer im Internet
einen Beitrag veröffentlicht, signalisiert damit: „ich
beteilige mich an einem Diskurs“ bzw. „ich stelle etwas
zur Diskussion“.
Die Idee, der Kommunikationsstruktur und dem Anspruch
des world wide web damit zu genügen, Raum für
Kommentare „im Wurmfortsatz“ bereitzustellen, zeigt
das Mißverständnis und, unter Rücksicht auf die
jahrelange Webpräsenz, die Lernresistenz der Printmedien. Das
hat zur unweigerlichen Folge, daß die Leitmedien ihre ihnen
u. a. von Jürgen Habermas zugewiesene Rolle nicht mehr erfüllen.
Vielleicht nehmen sie die Herausforderungen und Erfordernisse, die
die Kommunikationskultur im Internet ihnen abverlangt, nicht wahr,
in jedem Fall aber kommen sie ihnen nicht nach. Daraus mag in einigen
Jahren oder Jahrzehnten ihr Verschwinden resultieren, an ihre Stelle
werden dann jedoch andere Leitmedien getreten sein, die den Fokus
wieder auf Relevanzen richten und den öffentlichen Diskurs
bündeln.
Einen ersten Versuch in diese Richtung hat die
Wochenzeitung „Der Freitag“ (www.freitag.de) gestartet,
die sowohl an der Verzahnung von gedruckter und digitaler Ausgabe
als auch an der Diskussion zwischen Journalisten, Autoren
und Lesern des „Freitag“ arbeitet, mithin zum einen
versucht, den berühmten „Medienbruch“ zu überbrücken,
zum anderen, konsequent die Dialogstruktur des Internets in das
Medium zu integrieren. [Fn
25]
In diesen Kontext gehört auch die Entscheidung
der LIBREAS-Redaktion, den Beitrag von Uwe Jochum in einer Pre-Print-Veröffentlichung
– quasi als „unredigierten Beitrag“[Fn
26] – zu publizieren.[Fn
27] Wie auch immer man zu den Ein-
und Auslassungen des Konstanzer Bibliothekars steht, ist der Schritt
ein Beispiel für die egalitäre Kommunikationskultur des
Internets, die nicht auf Lektorat und Redaktion vertraut, sondern
der kritischen Urteilskraft unter Gleichen und zur open peer-review
einlädt. [Fn
28]
Ein anderes Beispiel darf dabei aufgrund seiner Aktualität
nicht unerwähnt bleiben. Die von der Berlin-Brandenburgischen
Akademie der Wissenschaften herausgegebene zweimal jährlich
erscheinende Zeitschrift GEGENWORTE widmet ihre Frühjahrsausgabe
2009 dem Thema „Open Access“ („Die Wissenschaft
geht ins Netz“, Heft 21). Die Zeitschrift „für
den Disput über Wissen“ greift damit das Thema „Digitalisierung
der Wissenschaften“ (Heft 8) aus dem Jahr 2001 auf und lädt
damit auch zu einer Reflexion über die Prognosen und Realitäten
acht Jahre später ein. Das aktuelle Heft zu „Open Access“
ist schon vor einigen Wochen erschienen, doch die Reaktion und Rezeption
im Internet ist – völlig ausgeblieben. Das ist bei diesem
aktuellen und brisanten Thema äußerst verwunderlich,
und bei inhaltlich so qualitativ hochwertigen und anregenden Beiträgen,
wie GEGENWORTE sie bietet, ist das Schweigen angesichts des weithin
hörbaren Rauschens in den Blogs und anderen Internet-Publikationen
selbst bei mediokren Wortspenden zu „Open Access“ noch
irritierender.
Das Wundern darf sich aber in Grenzen halten,
denn GEGENWORTE existierte bis zum 16.07.2009 im Netz nicht; GEGENWORTE
ist eine reine Printpublikation ohne Anbindung an das world wide
web. Nicht einmal auf der Internetpräsent www.gegenworte.org
wurden bis dato Interessierte darüber informiert, daß
ein 21. Heft erschienen ist und welches Thema es behandelt. Schlichtweg:
Nichts. Schweigen. Logischer- und konsequenterweise bietet GEGENWORTE
auch keine digitale (ggf. kostenpflichtige) Version seiner aktuellen
und älteren Ausgaben an; manche Themenausgaben sind wohl ohne
Hoffnung auf Wiederkehr vergriffen. Man kann wohl ohne Übertreibung
sagen, daß der Bescheid: „nicht online“
[Fn 29]
eine ähnliche Wirkung auf potentielle Leser ausübt wie
„vergriffen“.
Daß man ein Heft zu „Open Access“
und damit zum Internet nicht gänzlich unter Vermeidung des
Internes publizieren kann, diese Ahnung beschlich doch auch den
einen oder anderen Redakteur, denn der Beitrag „Veränderungen
in der Publikations- und Kommunikationswelt: Open Access, Google
etc.“ von Martin Grötschel und Martin Lügger (S.
69-72) ist in einer um Fußnoten und Hinweise auf URLs und
Referenzen erweiterten Fassung online verfügbar, denn,
fragen sich die Autoren, wer will schon lange URLs abtippen? Dieser
einzelne einsame online und open access verfügbare
Beitrag steht nicht im Widerspruch zum zuvor Gesagten. Denn er ist
nicht unter der Internetpräsenz von GEGENWORTE erhältlich
und herunterladbar, wo seit genanntem Datum (endlich) zwei „Leseproben“
mitsamt Inhaltsverzeichnis verfügbar sind, sondern als Beitrag
im open-access-Journal ZIB-Report des Zuse Institute, Berlin, zwischen
„Nonlinear pseudo-Boolean optimization: relaxation or
propagation?“ und „A Priori Tabulation of Turbulent
Flame Speeds via a Combination of a Stochastic Mixing Model and
Flamelet Generated Manifolds, Extended to Incorporate Strain Effects“
publiziert worden, worauf der Verweis im Heft zeigt. Ich habe lange
um einen Begriff gerungen, der diese Situation und dieses Verständnis
von „Disput“ im Zeitalter der Digitalen Wissensgesellschaft
adäquat beschreibt. Mir fällt dazu nur ein: drollig.
Under Water II: Marianne und Marianengraben
Jetzt – endlich – nachdem
schon gänzlich ungezwungen das Stichwort gefallen ist, wenden
wir uns demjenigen topic zu, das seit Monaten auf der Diskurs-Agenda
ganz oben steht: Es ist das „Internetpiraterie-Kinderpornographie-'Google
Books'-und-'Open Access'“-Thema. Wer jetzt auffährt und
entnervt laut „Einwand!“ ruft, „Google Books“
und „Open Access“ hätten nichts miteinander zu
tun [Fn
30], und
erst recht nicht etwas mit „Internetpiraterie“ oder
gar „Kinderpornographie“, sieht, wie man so schön
sagt, das Meer vor lauter Wasser nicht.
Es ist kein Zufall, daß DIE ZEIT, als
eines der Leitmedien und Sprachrohre der bildungsbürgerlichen
Mittelschicht Deutschlands, alle vier Themen als eines wahrnimmt
[Fn
31], so scheinbar getrennte Phänomene
in Beziehung setzt. Denn Internetpiraterie, Kinderpornographie,
„Google Books“ und „Open Access“ sind Kreaturen
des Internet – beluae horrendae – und sie finden
dort ihr natürliches Habitat, in dessen fruchtbaren Wassern
schwimmend sie prächtig gedeihen.
In den Zuflüssen hausen kleine Piranhas mit messerscharfen
Zähnchen, die unbedarfte Landbewohner bis auf die Knochen abnagen,
im offenen Meer herrscht ein unbarmherziger, allen Darwinismus übertreffender
Kampf ums Überleben, in dem wenige große Meeressäugetiere
mit der Macht ihrer schieren Tonnage die Fluten und den Verdrängungswettbewerb
beherrschen. Andere urzeitlich anmutende Wesen, die direkt den Vorstellungshöllen
eines Hieronymus Bosch entsprungen scheinen, wie der Aspidochelon,
locken die Kleinen mit süßlichen Säften und ziehen
die, welche sich unvorsichtigerweise auf ihrem Rücken sicher
wähnten, hinab in Untiefen und Abgründe, wo sie und ihre
Güter in reißenden Sturzbächen (torrents)
hinabstürzen und zermahlen werden am Grund zwischen den Mühlrädern
dessen, den sie „Technischer Fortschritt“ nennen.
„Mare quidem commune certo est omnibus“
– das Meer gehört ganz sicher allen – und jeder,
der einen Zugang dazu hat, muß nur hinausfahren und Angel
oder Netze auswerfen, und schon kehrt er mit reichem Fang zurück.
Wer will da noch auf den heimischen Markt gehen, wo ausgesuchter
Fisch und Schalentier’ gegen Geld angeboten werden? „Ich
weiß, was ich meiner Kundschaft schuldig bin“, ist sich
der gallische Fischhändler Verleihnix sicher: „Ich beziehe
meine Ware natürlich nur aus Lutetia!“ Daß
sich sein Dorf wenige hundert Meter vom Meer entfernt befindet,
spielt bei seinen Überlegungen keine Rolle.
Die salzigen Fluten des Internet treten immer mehr
über die Ufer und überspülen, zerstören die
ursprünglichen Kulturlandschaften, was nicht im Mahlstrom des
Datenflusses aufgesogen wird, verödet unter dem homo sapiens
sapiens verderblichen Naß und wird bevölkert von
den aus den lebensfeindlichen Tiefen herauftreibenden Widerwärtigkeiten.
Die Fahne der Freiheit, die die einen lustig flattern lassen, gilt
den anderen als das Leichentuch ihrer Existenz.
Waterworld: Gesellschaftliche Utopie
oder Apokalypse Now? Um nicht bis über
den Scheitel in einem anderen Meer, dem der Metaphern, zu versinken:
Das Internet ist offensichtlich für viele der Open Access
to Open Excess.[Fn
32] Denn: was ist das für eine
Welt, in der Autoren jedem selbst anheimstellen, wieviel für
ein Buch bezahlt wird, jeder Menschen selbst festlegt, was ihm ein
Produkt wert ist?[Fn
33] Was ist das
für eine Welt, in der Autoren ihre eigenen Bücher kostenlos
zum Herunterladen ins Netz stellen – und damit auch noch den
Absatz der Druckauflage ankurbeln? [Fn
34] Was ist das für eine Welt,
in der Künstler, Designer und Autoren ihre Schöpfungen
kostenlos unter Lizenzen – creative commons –
veröffentlichen [Fn
35], die
es jedermann erlauben, die zum Allgemeingut erklärten Werke
zu nutzen, zu verbreiten, ja zu bearbeiten?
Auch wenn kürzlich Johan Schloemann quasi
ex cathedra „Schluß mit dem Kulturkampf“
rief [Fn
36], wird dieser Kampf, der nicht
nur zwischen Träumern und Technokraten ausgefochten wird, noch
lange weitergeführt werden; „Open Access“ zu Wissenschaftspublikationen
ist dabei nur ein kleiner Nebenschauplatz, der im Grunde schon entschieden
war, als Roland Reuß von Heidelberg aus zur Mobilmachung rief.
Erbitterter, langwieriger und auch ungewisser im Ausgang wird die
Auseinandersetzung um das Medium „Internet“ auf gesellschaftlicher
Ebene geführt werden. Denn sein Egalitarismus, die darin gepflegte
horizontale Kommunikation sind Ausdruck des kommunitaristischen
Charakters, den das Internet strukturell fördert. Netizens
sind Kommunitaristen, keine Egoisten oder „entfesselte Konsumenten“.
Eigenverantwortung und Gemeinsinn, Partizipation und Austausch unter
peers sind die Maximen ihres Handelns. Das Internet stellt
dazu die technische Infrastruktur bereit.
Darum wirken Appelle wie der aus Heidelberg auch so ..., ja, so
drollig auf netizens. Was Roland Reuß fordert, seine
immer wieder geäußerten „individualrechtlichen
Ansprüche“, der stets betonte Herrschaftswille über
sein Werk, welches kurioserweise nicht das eines originär schaffenden
Künstlers, eines Autors oder Komponisten, sondern das eines
Editionsphilologen ist, klingen wie absurder Singsang in ihren Ohren:
„Meins, Meins, Meins!“ – im Heidelberg
des Roland Reuß gibt es offenbar nur Autoren, keine Leser.
(Erstaunlich gerade für einen Wissenschaftler, denn bei ihm
fallen ja Autor und Leser notwendigerweise zusammen.)
Es ist verständlich, daß es den wissenschaftlichen
Unterzeichnern des Heidelberger Appells sauer aufstößt,
wenn ihnen gesagt wird, was sie zu wollen, zu sollen und zu lassen
haben. Wenn der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels (SPD) in
der Antwort auf die Frage von Hendrick Lüth zum „Heidelberger
Appell“ bescheidet: „Für technisch-naturwissenschaftliche
Forschungsergebnisse ist das Problem monopolartiger (kostenpflichtiger)
Veröffentlichungsstrukturen, das Sie ansprechen, real. Da mag
Open Access einen wünschenswerten Fortschritt darstellen. Für
den sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich sehe ich das aber
anders. Hier wollen und sollen wissenschaftliche Autoren mit ihren
Aufsätzen und insbesondere Büchern erfolgreich sein, auch
in bescheidenem Maße ökonomisch“ [Fn
37], dann
empfinde ich als Geisteswissenschaftler und „Open-Access“-Autor
das genauso als die Bevormundung, gegen die sich Roland Reuß
und andere so vehement sträuben.
So begrüßenswert der Einsatz für
eine Stärkung der individuellen und individualrechtlichen Urheber-Souveränität
für Autoren wie auch für Journalisten und freie Mitarbeiter
der Presse ist, so wenig realitätsbezogen ist dieser nachdrückliche
Impetus.[Fn
38] Wie
die Meinung von Hans-Peter Bartels ahnen läßt, gibt es
in jeder Disziplin „Usancen der Fachcommunity“, denen
sich wissenschaftliche Autoren zu unterwerfen haben, wenn sie mitspielen
wollen. Der Autor muß den Publikationsorganen, der Mentalität
ihrer Herausgeber, Gutachter, Lektoren und Redakteure ja immer gewisse
Konzessionen machen und Eingriffe gestatten, um in einer bestimmten
Umgebung (Reihe, Zeitschrift, usw.) veröffentlichen zu können.
Das beginnt bei der redaktionellen Richtlinie, Texte „geschlechtsneutral“
zu formulieren und endet bei der Gepflogenheit, als Beiträger
zu Sammelbänden oder Zeitschriften selbst auf Nachfrage (mit
Hinweis auf die konkludente Geltung von UrhG § 38) keinen Autorenvertrag
vorgelegt bzw. keine individuellen vertraglichen Regelungen (z.
B. zur Parallelveröffentlichung open access) eingeräumt
zu bekommen.
Die Forderungen und Vorstellungen hinsichtlich des
Umfangs der Werkherrschaft des Urhebers, die Roland Reuß und
Volker Rieble in ihren Vorträgen auf der Frankfurter Tagung
„Autorschaft als Werkherrschaft“ (15.07.2009) äußerten,
erinnern an die Maximalforderungen der Gewerkschaften gegenüber
den Arbeitgeberverbänden, von denen beide Seiten wissen, daß
sie nicht durchsetzbar sind und nur den Einstieg in ritualisierte
Verhandlungen bedeuten. Sie mögen dem Geist des Gegengewichts
entsprungen sein, indem versucht wird, mit einer Breitseite von
12-Zoll-Kanonen es einmal kräftig donnern zu lassen –
einen wie auch immer gearteten Sitz im Leben des belletristischen
wie wissenschaftlichen Publikationsbetrieb können sie nicht
beanspruchen.
Selbst wenn nach der Frankfurter Retro-Veranstaltung
die Diskussion hie und da noch aufflackert, sollte das nicht darüber
hinwegtäuschen, daß über kurz oder lang niemand
mehr (ernsthaft) von einem Zwang zur „Open Access“-Publikation
reden wird, welcher Autorenrechte untergräbt oder aushöhlt,
sondern von einer Selbstverständlichkeit. Nämlich vom
selbstverständlichen Recht wissenschaftlicher Autoren, neben
der gedruckten Publikation auch „open access“ zu veröffentlichen.
Eine wichtige Problematik wurde auf der Tagung ebenfalls
thematisiert – die Herausforderungen der wesensmäßig
fragmentierten und diversifizierten Publikationsumgebung „Internet“.
Wer eine Bibliothek plant und einrichtet, steht vor der bedeutsamen
Aufgabe, eine flexible, gültige und rational wie intuitiv nachvollziehbare
wie praktische Aufstellungsordnung zu ersinnen. Nach welchen Prinzipien
sollen die Werke in den Regalen stehen, sodaß sie von Bibliothekaren
und – in Präsenzbibliotheken – von Lesern schnell
gefunden werden und gleichzeitig raumökonomischen und anderen
Erfordernissen entsprechen? Nach Format? Taschenbuch oder Gebundene
Ausgaben? Thematik? Autoren? Erscheinungsjahr? ... Je nach Bestandsumfang
und Systematik könnten dann „Cats to Love”
von Matthias Reuss neben „Giotto und die Erfindung der dritten
Dimension: Malerei und Geometrie am Vorabend der wissenschaftlichen
Revolution“ von Jürgen Reuß (u. a.),
„Oxforder Oktavhefte 5/6. Franz Kafka. 2 Bände, zusammen
mit Franz Kafka-Heft 7 von Franz Kafka“ von Roland Reuß
(u. a.) und „Bärenzwinger: Philipp Laubmanns zweiter
Fall“ von Andreas Reuß (u. a.) Aufstellung finden; und
ein elektronischer Katalog wird bei der Suche nach dem Autor „Reuß“
diese Werke auflisten, auch wenn sie an unterschiedlichen Orten
der Bibliothek aufbewahrt werden.
Portale wie YouTube, Katalog und Regalreihen
für Videos aller Art in einem, stellen uns vor die nicht leichte
Aufgabe, das: [Fn
39 (1)], das:
[Fn 39 (2)]
und das: [Fn
39 (3)] „unter einem Dach“
mit dem: [Fn
39 (4)], dem: [Fn
39 (5)] und dem:
[Fn
39 (6)] erdulden zu müssen. Wer
nicht das Glück hat, den täglichen Bedarf bei seiner persönlichen
Einzelhandelskauffrau, bei mir daheim nennt man sie – geschlechtsneutral
– „Greißler“, decken zu können, kann
ein Lied davon singen, wie wertvolle Produkte unter billigster Massenware
in den Regalen nur schwer zu finden sind, wenn sie überhaupt,
dem Investitionsunwillen der Kundschaft entgegenkommend, angeboten
werden. Und erst die Warteschlangen an der Kasse! L’enfer,
c’est les autres.
Die Debatte, die der „Heidelberger Appell“
angestoßen und mit Beiträgen gelenkt hat, wird gerade
von dieser Seite mit einem eher subjektiv-geschmäcklerischen,
allgemein kulturkritischen und pseudo-elitären basso continuo
unterlegt, der von den wirklichen Anforderungen an die zukünftige
Wissensorganisation und –verfügbarmachung, die durch
das Datenmeer „Internet“ entstanden sind, ablenkt. Und:
Würden sich der „Heidelberger Appell“ und vor allem
seine öffentlich dafür eintretenden Unterzeichner ihr
Anliegen genau so grundsätzlich formulieren und vertreten,
wie es die Rede vom „Urheber als Souverän“ impliziert,
und nicht das kulturell gewachsene Verständnis der Beziehung
zwischen Schöpfer und Geschöpf dazu instrumentalisieren,
neue Publikationsformen und Kommunikationskulturen en bloc
zu diskreditieren – ich würde sofort meinen Namen unter
den Appell setzen.
Als wesentlich ernsthafter und bedrohlicher
als die „Heidelberger Bocksgesänge“[Fn
40] werden die Eingriffe wahrgenommen,
die seitens der Politik erfolgen bzw. gefordert werden. Die Freiheiten
und Pflichten, die Usancen des Netz-Kommunitarismus werden durch
die von netizens für unverständige Landratten
und Nichtschwimmer gehaltenen Politiker angegriffen. Wir dürfen
dabei nicht übersehen, daß das globale Internet auch
ohne chinesische und andere Mauern, die darin errichtet werden,
ebenso ein kulturell fragmentiertes Netz ist (was nicht nur an jenen
URL-Räumen sichtbar ist, die politisch-geographische Grenzen
widerspiegeln), in dem die claims durch die Herkunft der
Nutzer und Internet-Seiten abgesteckt werden. Kulturelle und gesellschaftliche
Normen greifen regional immer auch im Internet. Für den Großraum
der europäisch-nordamerikanischen Kulturzone (im Internet),
die von den U.S.-Amerikanern (im Netz) dominiert und immer mit ein
paar Jahren Vorsprung angeführt wird, gilt die Forderung nach
Zurückhaltung bei staatlichen Eingriffen, die in Europa eine
längere und nachhaltigere Tradition haben als in Übersee.
Der „westliche“ Zugriff auf das Internet ist ein anderer
als der indische oder der chinesische.
Daß, wie Jürgen Habermas schrieb,
„computergestützte Kommunikation unzweideutige demokratische
Verdienste nur für einen speziellen Kontext beanspruchen“
kann, nämlich den „autoritärer Regime“ (Habermas
2008c: 161) hat eher Kritik als Zustimmung hervorgerufen.
[Fn
41] Dabei ist jedoch zu bedenken,
daß Habermas’ Begründung – das Internet fördere
mit „Millionen von weltweit zerstreuten chat rooms
und weltweit vernetzten issue publics eher die Fragmentierung
jenes großen, in politischen Öffentlichkeiten jedoch
gleichzeitig auf gleiche Fragestellungen zentrierten Massenpublikums“
(Habermas 2008c: 162) – als Momentaufnahme und Zustandsanalyse
nicht gänzlich unzutreffend ist. Dies bedeutet aber natürlich
nicht, daß Medien und politische Bewegungen diese diversifizierte
Diskussionen nicht aufgreifen und, wie schon erwähnt, bündeln
werden.
Entscheidender ist meiner Meinung nach, daß
das Internet als Kommunikations- und Informationsnetz sich Verdienste
um die aktive politische Partizipation erwirbt, indem es die Vernetzung
von interessierten Individuen zu Interessensgruppen fördert.
Es sammelt bislang locker organisierte oder unorganisierte und verstreute
Gleichgesinnte, bündelt ihre Kommunikation und nivelliert ganz
praktisch die Schwellen gesellschaftlichen Engagements.
Das Internet ist ein gesellschaftlicher Raum, darum ist auch das
Wort vom Internet als „rechtsfreiem“ Raum nur dumm zu
nennen. Gerade das Brandzeichen der „Zensur“ auf dem
sogenannten „Zugangserschwerungsgesetz“ macht deutlich,
daß das Internet kein rechtsfreier Raum ist und nicht
so gesehen wird, weil selbstverständlich gesellschaftliche
wie rechtstaatliche Normen Deutschlands wie das Zensurverbot Achtung
und Geltung besitzen und gegen womöglich verfassungswidrige
Begehrlichkeiten verteidigt werden.
Wenn also anstelle der freien Kräfte des Marktes,
in dem jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten
agiert, ganze Branchen nach staatlicher Protektion, nach legislativem,
judikativem und exekutivem Schulterschluß verlangen, steht
mehr zur Disposition als der liebgewonnene virtuelle chatroom,
der Spielplatz für Narren, Technikfreaks und Spätpubertierende,
die Umhängetaschen und iPhones cool finden.
Salus per Aquam: Die „bibliotheca
universalis“ als „open library“
Vor einigen Monaten mußten die Benutzer der
Universitätsbibliothek in Oldenburg harte Einschnitte in ihre
angestammten Freiheiten hinnehmen, die sich dadurch nur als obrigkeitlich
gewährte Privilegien entpuppten. Es herrscht nunmehr strengstens
– unter strikter Anwendung der großherzoglichen Halsgerichtsbarkeitsordnung
– das Verbot, Kaffeetassen und andere offene, mit lebenserhaltenden
Flüssigkeiten gefüllte Gefäße mit in die Hauptbibliotheksräume
zu nehmen. Die Bibliothek ist eine zentrale Präsenzbibliothek,
man kann zwischen den Regalreihen aller Fakultäten und Institute,
die an zwei Standorten untergebracht sind, perambulieren, ein Buch
anlesen, sich festlesen, in Leseecken schmökern, an Tischen
in Gruppen oder alleine arbeiten, in eigenen Räumen ungestört
studieren. Auch wenn Piktogramme nonnenähnlich verhüllte
Gesichter mit einem mahnenden Zeigefinger vor dem Mund von den Decken
hängen, ist die Bibliothek in Oldenburg nicht nur ein Raum
für Bücher, sondern für Bücher und Menschen.
Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem das privilegium
zurückgenommen wurde, sah man immer wieder kleine Grüppchen,
leise tuschelnd, schwatzend, lachend und an einem Becher Heißes
nippend. Die Becher sind verschwunden, die Menschen – und
natürlich auch die Bücher – jedoch nicht.
Die Bibliothek ist ein Ort der Begegnung, von
Büchern und Büchern, Büchern und Menschen, Menschen
und Menschen und der Kommunikation untereinander. Die Zeiten, in
denen die ideale Bibliothek die ohne Leser ist,
[Fn 42]
dürften selbst in Heidelberg oder Konstanz vorbei sein. Verstehen
wir das Internet als einen globalen, aber gleichzeitig auch regionalen,
themenübergreifenden und zugleich Spezialinteressen fördernden
Kommunikations- und Wissensraum, der auf dem Gemeinsinn als kooperative
und kommunitaristische Handlungsmaxime beruht, der strukturell zu
Eigenverantwortung, Partizipation und Austausch einlädt, dann
ist diese bibliotheca universalis [Fn
43] der Ort, an dem Information und
Wissen nicht nur archiviert, dokumentiert und zur Verfügung
gestellt wird, sondern auch miteinander interagiert, sich weiterentwickelt
und erweitert wird.
Der einzelne Nutzer steht vor dem Meer des Wissens
wie der Knabe, dem der Kirchenvater Augustinus der Legende nach
an einem Strand begegnet sein soll. Mit einer Muschel versuchte
der, „das Meer auszuschöpfen“, sinnhaftes Bild
für die notwendig scheiternden Versuche, die
Unbegreiflichkeit Gottes zu erfassen. „Das Internet“
– und „die netizens“ – sind weder
unerschöpflich noch unbegreiflich. Es ist meiner Meinung nach
an der Zeit, daß (gerade in Deutschland) endlich der Versuch
unternommen wird, das Internet neu zu kartographieren, daß
Intellektuelle den Mut haben, neue Perspektiven einzunehmen, aus
reinen Beobachtern von trockenem Land aus zu teilnehmenden Beobachtern
werden und mit der Vorstellung von Fabelwesen und Sagengestalten,
die die Meere bevölkern, aufräumen und die eigene Semantik
der „Meeresbewohner“ ohne kolonialistische Attitüde
entschlüsseln und deuten. Den Bibliothekaren, die durch LIBREAS
ja besonders angesprochen werden, fällt, aus meiner Sicht als
Leser wie Autor die besondere Aufgabe zu, bei der Kartographie des
Wissens behilflich zu sein, die verstreuten Dokumente, das durch
Spezialinteressen fragmentierte Wissen bspw. durch Portale, die
zu allen Volltextservern Deutschlands Zugang bieten, den Suchenden
zu öffnen und ihnen – mit nautischen Instrumenten –
den Weg zu weisen.
Damit wir schließlich sagen können: ex
undis divitiae.

Fußnoten
[Fn 1] Odo Marquardt:
Inkompetenzkompensationskompetenz?, in: Ders.: Zukunft braucht Herkunft.
Philosophische Essays, Stuttgart 2003,30f. (zurück)
[Fn 2] „Fast
alle Untersuchungen zum Thema nähern sich folgender Definition
an: Wer aufgrund fachlicher oder künstlerischer Leistung ein
ganz besonderes Ansehen genießt und dieses nutzt, um sich
auf geistig hohem Niveau wirkungsvoll zu Themen zu äußern,
die das allgemeine Wohl betreffen – den nennen wir einen Intellektuellen“,
bemerkt Gero von Randow in „Die Zeit“ vom 28.05.2009
(„Geistesaristokratie“, http://www.zeit.de/2009/23/Internet-Freiheit);
vgl. a. Habermas 2008c: 167 [siehe Fn
16]. (zurück)
[Fn3] Habermas 2008a:
83 [siehe Fn16].
(zurück)
[Fn4] Das vielbelächelte
Diktum stammt von Adam Soboczynski: Das Netz als Feind, in: Die
Zeit vom 22.05.2009, http://www.zeit.de/2009/22/Der-Intellektuelle
(zurück)
[Fn5] Der Intellektuelle
darf das Bewußtsein seiner „Fallibilität [...]
nicht verlieren“ (vgl. Habermas 2008a: 83, [siehe Fn16].
(zurück)
[Fn 6] Nach Xenophon,
Anabasis 4, 7, 24f. (zurück)
[Fn 7] So heißt
es auch in den Digesten des Corpus Iuris Civilis noch rund 900 Jahre
später: „Alle Tiere, welche auf der Erde, im Meer, in
der Luft gefangen werden, gehören dem Fangenden (41, 1, 1,
1) und: „Nach dem Naturrecht sind Gemeingut aller: Luft, fließendes
Wasser, das Meer und damit auch die Meeresküste“ (1,
8, 2, 1). (zurück)
[Fn 8] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ea/Carta_Marina.jpeg;
auch: http://bell.lib.umn.edu/map/OLAUS/indexo.html;
vgl. a. Joachim Losehand: Copykill, in: Freitag-Blog vom 29.07.2009,
http://www.freitag.de/community/blogs/joachim-losehand/copykill
(zurück)
[Fn 9] Allg. Überblick
unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Moskenstraumen
(zurück)
[Fn 10] Martin Grötschel:
Mein digitaler Traum, in: Gegenworte 8 (2001): Digitalisierung der
Wissenschaften, S. 10ff. (zurück)
[Fn 11] Vgl. Joachim
Losehand: Der Zwang zur Freiheit. Open Access und Digitalisierung
in den Geisteswissenschaften, in: Der Freitag vom 20.05.2009, S.
18, http://www.freitag.de/kultur/0921-wissen-open-access-wissenschaft-autoren-verlage
(zurück)
[Fn 12] Matthew Robson
: How Teenagers Consume Media, in: Morgan Stanley 10.07.2009, http://media.ft.com/cms/c3852b2e-6f9a-11de-bfc5-00144feabdc0.pdf;
vgl. Leonard Novy: Teenager nutzen Twitter nicht, in: Carta, http://carta.info/11675/teenagers-nutzen-twitter-nicht/
(zurück)
[Fn 13] Richtigerweise
wird man mich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß weder
die Infrastruktur, noch der Zugang zum Internet kostenlos ist, und
auch kostenpflichtige Inhalte angeboten werden. Auch ist die technische
Infrastruktur nicht überall und jederzeit garantiert erreichbar.
Was jedoch zählt, ist der subjektive und allgemeine Eindruck,
was die Nutzungsmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit
und Kostenstruktur anlangt; auch das Radio ist per se nicht „kostenlos“
und überall gleich empfangbar, Kosten und Zugangsprobleme schwinden
jedoch gegen „Null“ in Vergleich zu steigender Nutzungsintensität.
(zurück)
[Fn14] Habermas 2008a:
84, siehe [Fn16].
(zurück)
[Fn15] Marcel Weiss:
Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland (Teil 2 von 3),
in: Netzwertig vom 30.04.2009, http://netzwertig.com/2009/04/30/deutschland-degeneriert-in-ein-entwicklungsland-teil-2-von-3/
(zurück)
[Fn16] Jürgen
Habermas: Ach, Europa, Frankfurt am Main 2008; darin: (a) Ein avantgardistischer
Spürsinn für Relevanzen. Die Rolle des Intellektuellen
und die Sache Europas, zuerst Wien am 09.03.2006, S. 77-87; (b)
Medien, Märkte und Konsumenten – Die seriöse Presse
als Rückgrat der politischen Öffentlichkeit (= „Keine
Demokratie kann sich das leisten“, SZ am 16.05.2007, http://www.sueddeutsche.de/kultur/21/404799/text/),
S. 131-138; (c) Hat die Demokratie noch eine epistemische Dimension?
Empirische Forschung und normative Theorie, Kurzfassung zuerst Dresden
im Juni 2006, S. 138-191; eine kritische Würdigung bieten u.
a.: Daniel Leisegang: Jürgen Habermas zum 80.: Die Rückkehr
der Öffentlichkeiten, in: Carta, http://carta.info/10629/juergen-habermas-die-rueckkehr-der-oeffentlichkeiten/
und Robin Meyer-Lucht: Habermas, die Medien, das Internet‚
in: Perlentaucher vom 04.06.2008, http://www.perlentaucher.de/artikel/4686.html.
(zurück)
[Fn17] Marek Lieberberg:
Das wollt ihr nicht wirklich, in: Süddeutsche Zeitung vom 18./29.03.2009,
http://www.sueddeutsche.de/kultur/595/463206/text/
(zurück)
[Fn18] Adam Soboczynski:
Das Netz als Feind, in: DIE ZEIT vom 22.05.2009, http://www.zeit.de/2009/22/Der-Intellektuelle
(zurück)
[Fn19] Ein Fundstück
aus meiner Lektüre von T. C. Boyle: Die Frauen, München
2009, S. 347. (zurück)
[Fn20] Vgl. zum ersten
Überblick: http://de.wikipedia.org/wiki/PageRank
(zurück)
[Fn21] Vgl. zu den
kommerziellen Aspekten Andreas Göldi: Überzeugung zählt,
nicht bloße Aufmerksamkeit, in: Netzwertig vom 10.07.2009,
http://netzwertig.com/2009/07/10/attention-economics-ueberzeugung-zaehlt-nicht-blosse-aufmerksamkeit/
(zurück)
[Fn22] Vgl. Ben Kaden:
Die Freiheit im Digitalen: Ein Text zum Open Access im Freitag,
in: IBI-Weblog vom 20.05.2009, http://weblog.ib.hu-berlin.de/?p=6984
(zurück)
[Fn23] Nur der Vollständigkeit
halber erwähne ich, daß ich keine gedruckten Tageszeitungen,
sondern nur gedruckte Wochen- oder Monatszeitungen und -journale
halte, die entweder keine, eine selektive oder eine vollständige
(kostenfreie) open-access-Verfügbarkeit der Artikel nicht für
nur Abonnenten bieten. (zurück)
[Fn24] Vgl. a. der
Einwand gegen kostenpflichtige Inhalte im Nachrichtengeschäft
Marcel Weiss: Warum Bezahlinhalte nicht funktionieren, in: Netzwertig
vom 05.06.2009, http://netzwertig.com/2009/06/05/nachrichtengeschaeft-im-internet-warum-bezahlinhalte-nicht-funktionieren/
(zurück)
[Fn25] Man möge
mir meine Befangenheit als Blogger des Freitag bei dieser subjektiven
Einschätzung verzeihen. (zurück)
[Fn26] Daß wir
den „begrüßenswerte[n] Zuwachs an Egalitarismus,
den uns das Internet beschert, [...] mit der Dezentrierung der Zugänge
zu unredigierten Beiträgen“ (Habermas 2008a: 82) bezahlen,
hat später Susanne Gaschke in ihrem ZEIT-Artikel vom 23.04.2009
ohne Quellenhinweis aufgegriffen und vom „unlektorierte[n]
Mitteilungsbedürfnis der Nutzermassen“ gesprochen; vgl.
(Im Netz der Piraten, http://www.zeit.de/2009/18/pirate-bay-urheberrecht).
(zurück)
[Fn27] Uwe Jochum:
Der Souverän, in: Libreas Preprint 001 vom 07.07.2009, http://libreas.eu/preprints/001joch.htm
(zurück)
[Fn28] Vgl. die redaktionelle
Einleitung zu Uwe Jochum: Der Souverän, in: Libreas Preprint
001 vom 07.07.2009, http://libreas.wordpress.com/2009/07/07/libreas-preprint-no-1-uwe-jochum-der-souveran/.
(zurück)
[Fn29] „Leider
steht das Heft nicht Open Access zur Verfügung“ [http://open-access.net/de/austausch/news/news/anzeige/gegenworte_212009_schwe/];
„Gegenworte 21/2009, nicht online!“ [Johan Schloemann:
Die Wissenschaft im Netz. Schluß mit dem Kulturkampf: Die
Chancen des Open Access, in Süddeutsche Zeitung vom 15.07.2009,
http://www.sueddeutsche.de/V5p38s/2967339/Die-Wissenschaft-im-Netz.html].
Vielen Dank an Markus Schnöpf von der BBAW für die „hintergründigen“
Hinweise (http://libreas.wordpress.com/2009/07/28/libreas-preprint-no-3-joachim-losehand-moskenstraumen/#comments);
daß man über „Open Access“ auch „open
access“ diskutieren kann, zeigt die Juli/August-Ausgabe (5)
2009 von „Information Wissenschaft und Praxis“ (http://www.fachbuchjournal.de/journal/sites/default/files/IWP-5_2009_kpl.pdf
(via Klaus Graf, http://archiv.twoday.net/topics/Open+Access/).
(zurück)
[Fn 30] Joachim Eberhardt:
Wiederholung erzeugt keine Wahrheit. Jochum schreibt immer noch
gegen Open Access, in: Libreas Preprint 002 vom 07.07.2009, http://libreas.eu/preprints/002.htm
und Johan Schloemann: Die Wissenschaft im Netz. Schluß mit
dem Kulturkampf: Die Chancen des Open Access, in Süddeutsche
Zeitung vom 15.07.2009, http://www.sueddeutsche.de/V5p38s/2967339/Die-Wissenschaft-im-Netz.html.
(zurück)
[Fn 31] Susanne Gaschke:
Im Netz der Piraten, in: DIE ZEIT vom 23.04.2009, http://www.zeit.de/2009/18/pirate-bay-urheberrecht
(zurück)
[Fn 32] Joachim Losehand:
Geistiges Eigentum und seine Verbreitung im Digitalen Zeitalter,
http://www.open-excess.net/2009062701.
(zurück)
[Fn 33] Matt Mason:
The Pirate’s Dilemma, http://thepiratesdilemma.com/download-the-book:
„Here you can download an electronic copy of the book. The
price is entirely up to you”: https://www.e-junkie.com/ecom/gb.php?c=cart&i=115760&cl=25156&ejc=2&amount=5;
(zurück)
[Fn 34] http://piratecoelho.wordpress.com/;
vgl. auch http://www.literaturcafe.de/paulo-coelho-buecher-kostenlos-zum-download/
(zurück)
[Fn 35] http://creativecommons.org/;
Uwe Jochum mißversteht in seinem jüngsten Beitrag in
dieser Zeitschrift (vgl. [Fn27]) den Begriff der „(Wissens-)Allmende“
(engl. creative commons), indem er ihn – wie auch fälschlich
„Open Access“ als originär institutionell organisiert
und verwaltet interpretiert. Im Gegenteil: die Rechte- bzw. Lizenzverwaltung,
die Erteilung von Nutzungsrechten wird von jedem Urheber in seiner
eigenen souveränen Regie vergeben. (zurück)
[Fn 36] Johan Schloemann:
Schluß mit dem Kulturkampf, in: Süddeutsche Zeitung vom
15.07.2009; http://www.sueddeutsche.de/V5p38s/2967339/Die-Wissenschaft-im-Netz.html
(zurück)
[F n37] http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_hans_peter_bartels-650-5800--f187860.html#frage187860
(zurück)
[Fn 38] Vgl.
- Thierry Chervel: Fast wie bei Amazon - Rechteeinkauf bei der FAZ,
in: Perlentaucher vom 28.0.2007, http://www.perlentaucher.de/artikel/4187.html;
- Anja Seeliger: Die FAZ enteignet den Papst, in: Perlentaucher
vom 02.04.2009, http://www.perlentaucher.de/blog/21_faz_enteignet_den_papst;
neuestens: http://www.literaturcafe.de/deutsche-literaturgesellschaft-macht-elke-heidenreich-ungefragt-zur-herausgeberin)
und http://www.literaturcafe.de/texte-von-elke-heidenreich-erscheinen-bei-einem-zuschussverlag;
- Joachim Losehand: Die FAZ scheißt auf Elke Heidenreich,
in: Freitag-Blog vom 26.06.2009, http://www.freitag.de/community/blogs/joachim-losehand/wir-sind-troja--oder-die-faz-scheisst-auf-elke-heidenreich
(zurück)
[Fn 39]
(1) http://www.youtube.com/watch?v=3lFCyFeX3dQ&feature=fvst
(2) http://www.youtube.com/watch?v=nPulR4ZWjbg
(3) http://www.youtube.com/watch?v=l7xudPdSqpY
(4) http://www.youtube.com/watch?v=2Uq8yo7SRa8
(5) http://www.youtube.com/watch?v=7mFDXNODNyc
(6) http://www.youtube.com/watch?v=PLVoayDCXBc
(zurück)
[Fn 40] Thierry Chervel:
Hört nicht auf die Heidelberger Bocksgesänge, Perlentaucher
vom 05.07.2009, http://www.perlentaucher.de/blog/48_hoert_nicht_auf_die_heidelberger_bocksgesaenge
(zurück)
[Fn 41] Vgl. nochmals
Daniel Leisegang: Jürgen Habermas zum 80.: Die Rückkehr
der Öffentlichkeiten, in: Carta, http://carta.info/10629/juergen-habermas-die-rueckkehr-der-oeffentlichkeiten/
und Robin Meyer-Lucht: Habermas, die Medien, das Internet, in: Perlentaucher
vom 04.06.2008, http://www.perlentaucher.de/artikel/4686.html
(zurück)
[Fn 42] Umberto Eco:
Wie man eine öffentliche Bibliothek organisiert, in: ders:
Wie man mit einem Lachs verreist, München (2) 1995, S. 26ff.;
in Auszügen: http://www.mpi-hd.mpg.de/biblio/eco.htm
(zurück)
[Fn 43] Peter Haber:
Der wiedererwachte Traum von der „Bibliotheca Universalis“.
Das totale Wissen im digitalen Zeitalter, in: NZZ vom 24.01.2000,
S. 25f., open access unter http://www.hist.net/haber/texte/103559.pdf
(zurück)
|