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Moskenstraumen


Zitiervorschlag
Joachim Losehand, "Moskenstraumen". LIBREAS. Library Ideas, 15 ().


Dieser Text erschien als LIBREAS-Preprint No. 3/2009

Pack’ die Badehose ein

Der Semiotik ist alles Zeichen. Religion als angewandte Semiotik, die dem Göttlichen zugeneigt ist, setzt voraus, daß Weltgeschehen, respektive der Kosmos als Ganzes direkt oder implizit zeichenhaft Willensäußerung des Numinosen sind. Der religiös Professionelle ist auch insofern Vermittler zwischen der himmlischen und irdischen Sphäre, als er Deuter dieser numinosen Semantik ist. Sei es der Schlag der Wellen, der Flug der Vögel, die Beschaffenheit innerer Organe eines Opfertiers oder die göttlichen Orakel und Ratsprüche, auf die nicht nur die bayerische Staatsregierung angewiesen ist: Sie alle bedürfen der eingehenden Auslegung, der kundigen Exegese. Eine kranke Leber ist nicht einfach eine kranke Leber, eine weiße Rose nicht einfach eine weiße Rose.

Wo alles voller Götter und voll des Göttlichen ist, öffnen die Schlüssel zu ihrer Interpretation die Tore zur ganzen Welt. Wo sich die Götter als immanente Agenten auf den mit Holzbrettern vernagelten Olymp bzw. in die Transzendenz zurückgezogen oder epikureisch ewigwährend und schwebend glückselig sich dem Gewese und Gewusel hienieden niemals zugewandt haben, passen die Schlüssel der Priester und Theologen nunmehr in die Türen zum Paradies dereinst in einem anderen Leben. Und um sich selbst und die Welt, in der er lebt, zu verstehen, ist der Mensch – mangels Alternativen – angewiesen auf Dilettanten.

Die Philosophen, die Freunde der Weisheit, jene Vertreter eines sich selbst erkennenden, sich selbst bewußten und selbstbewußten Dilettantismus, sind es, auf die wir in säkularen Zeiten bauen können. Ihre Kompetenz, die ihnen eigene Inkompetenz zu kompensieren, um eine Formulierung Odo Marquards zu gebrauchen [Fn 1] läßt ihr Bekenntnis, im Grunde doch nichts zu wissen, weit weniger beängstigend erscheinen als die unhinterfragte und unhinterfragbare, weil autonom-autochthone Autorität religiös-prophetischer Professioneller.

Es ist ein Irrtum, daß Philosophen, weil sie im Grunde von nichts etwas wissen, darum nun über alles reden könnten. Gäbe es eine Steigerungsform des Irrtums, dann wäre er also der, daß Philosophen auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und allem“ eine Antwort wüßten oder wissen müßten. So tiefe Denker sie im Einzelfall auch sein mögen, sie sind es nicht, die uns mit der letztgültigen Antwort beglücken. (Die Antwort lautet natürlich „42“; – Verzeihung, wie war nochmal die Frage?)

Dilettanten haben Glück, sie passen in keine Schubladen. Und das nicht nur, weil niemand sie aufgrund ihres unprofessionellen Habitus in der eigenen Schublade dulden will. Sie sind Liebhaber, deren Arbeit nicht allein aufgrund des fehlenden beurkundeten Ritterschlags gering geschätzt wird: denn ein Professioneller ist vom Dilettanten so leicht zu unterscheiden wie Arbeit von Vergnügen.

Übt der (durch die historischen und ökonomischen Zwänge) domestizierte Philosoph den Beruf des Philosophen aus, indem er, was vorkommen kann, des öfteren nicht selbst denkt, sondern nur nach-denkt, was andere vor ihm dachten, gilt er, wenigstens in seinem Fachgebiet, als Professioneller und verliert damit den Status des knabenmorgenblütentraumbekränzten Dilettanten. Außer, man möchte in ihm den Typus des professionellen Dilettanten sehen. Heutzutage findet sich der Intellektuelle vor allem in einem Brotberuf [Fn 2] vorzugsweise jedoch in einem mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund. Geigenbauer, Goldschmiede oder Geologen gelten heute in seltensten Fällen als Intellektuelle. Ist den nicht-philosophierenden Dilettanten und den Philosophen die ganze Welt ihr kepos, tun sich akademische, d. h. durch ihre Professionalität am Dilletieren gehinderte Philosophen und andere sogenannte Intellektuelle schwer, außerhalb ihrer abgezäunten Haine Fuß zu fassen. Da sie „in Stellung“ bei einem Dienstherren sind, mangele es ihnen, so die landläufige Meinung, an jener Beweglichkeit, die nötig ist, um nicht nur über ihren Tellerrand hinaus zu schauen. Auch sei beobachtende Teilnahme ja etwas anderes als teilnehmende Beobachtung.

In Analogie zur Feststellung, daß jeder Mensch überall Ausländer sei, außer im eigenen Land, ist der professionalisierte Intellektuelle also überall inkompetent, außer im eigenen Fachgebiet oder Berufsfeld. Nur weiß er das, was ihn von seinen nicht-intellektuellen Fachkollegen unterscheidet. Mit den anderen Dilettanten verbindet ihn, seine Inkompetenz dadurch zu kompensieren, daß er vornehmlich keine Antworten gibt, sondern Fragen stellt und sich so in sokratischer Hebammenkunst übt. Statt richtige Antworten zu geben, stellt er die richtigen Fragen – und ist so in der Lage, einen von anderen als Mangel empfundenen Umstand auszugleichen und sich auch in terra incognita zu bewegen.

Es ist, wie schon anklang, eine Streitfrage, ob er zu einem solchen Erkundungsgang seine Denkerstube verlassen muß. Theologen reklamieren für sich, sich dem Transzendenten verstandesmäßig – oder: intellectu – nähern zu dürfen und (die Einengung der Immanenz zugegeben) auch zu können. Und einer der Großen der deutschen Philosophie hat sein Leben nur in seinem Heimatort Königsberg verbracht und trotzdem „die Welt vermessen“. Solcherlei methodische Zweifel lassen sich meiner Meinung nach mit einem entschiedenen „Kommt darauf an“ beseitigen. Je grundsätzlicher das Terrain ist, das betreten und beschaut werden will, desto eher kann man auf umfassende case studies verzichten. Der Mensch im antiken Athen des 5. Jahrhunderts unterscheidet sich in seinem Sehnen und Streben, in seinen Ängsten und Hoffnungen, seinen Taten und zugrundeliegenden Motiven in nichts vom Menschen im Isar-Athen München des 19. Jahrhunderts. Die Ausfaltungen und Ausdrucksformen sind nur je andere.

Vermißt und beschreibt der Historiker die Vergangenheit an seinem Schreibtisch anhand der überlieferten Quellen und Artefakte, dann tut er das nicht aus methodischer Notwendigkeit, sondern aus dem faktischen Zwang heraus, daß vergangenes Geschehen sich nicht beobachten läßt. Ihm bleibt nur übrig, aufgrund der vorhandenen Zeugnisse die Fakten von den Fiktionen zu scheiden. Der Intellektuelle jedoch, der seine Gegenwart reflektieren will, muß sie zuerst wie ein Ethnologe oder Geograph auch wahrnehmen, sich auch der empirischen Wirklichkeit der anderen aussetzen. Sonst weicht professionelle Distanz der professionellen Deformation, weil man die eigenen signa und significata mit denen der anderen verwechselt, und letztendlich die oder das Fremde im Kolonialstil assimilieren oder absorbieren will. Und schnell befindet man sich dann auf dem Reflexionsniveau jener, die alles außerhalb ihres Horizonts für „barbarisch“ oder „kindisch“ halten – was oft so ziemlich für dasselbe gilt –, weil jene nicht die eigene Sprache sprechen oder die eigenen Gebräuche pflegen.

In diesem Sinne ist es keinesfalls Ausdruck der „Phantasie zu einfallsreichen Perspektiven“[Fn 3], als Intellektueller „geistesaristokratisch“ herausragen zu wollen [Fn 4]; wer auf einem Berg steht, auf den wirken die Dinge unter ihm natürlich klein und unbedeutend – umgekehrt allerdings auch. Das Gegenteil ist also der Fall: Der Intellektuelle darf sich im eigenen Interesse seiner Suche nach Wahrheit nicht scheuen, (im doppelten Wortsinn) auch einmal „baden zu gehen“.[Fn 5]


Unendliche Weiten I: Die Alten und das Meer

„Das Meer! Das Meer!“ – Der Ruf verbreitet sich in Windeseile bis in die hintersten Reihen der Soldaten. Eben noch erschöpft und nur von der Hoffnung auf Rettung aufrechtgehalten, raffen sie ihre Ausrüstung zusammen und stolpern, stürzen, rennen gemeinsam mit ihren Maultieren und Pferden der Hügelkuppe entgegen. Als sie in schon greifbarer Nähe die See verheißungsvoll funkelnd unter sich liegen sehen, als hätte sie in alter Treue und Verbundenheit auf sie gewartet, da fallen sich die Griechen in die Arme, schweigend und jubelnd, ausgelassen und ernst. Junge Recken und alte Veteranen, die ohne mit der Wimper zu zucken mannhaft Schlimmstes ertragen und überlebt haben, schämen sich ihrer Tränen nicht. Auch wenn noch ein weiter Weg vor ihnen liegt, spüren sie doch: im Grunde sind sie jetzt zu Hause. [Fn 6]

Ernährerin und Verderberin, Vertraute und Feindin: der Mensch steht in einem ambivalenten Verhältnis zu den Meeren, die die geringe bewohnbare Landfläche auf unserem blauen Planeten umspülen. Ex undis divitiae – Reichtum aus dem Meer – heißt es auf der Inschrift am Rathaus der Hansestadt Danzig. Die Meere, Quelle und Ursprung allen Lebens, bieten eine Fülle, die erst im 20. Jahrhundert durch den industrialisierten Raubbau an ihre Grenzen stoßen konnte, während sie vorher Generationen um Generationen am Leben erhielt.
Das Meer ist grenzenlos, was darin ist, ist niemandes Eigentum und damit das von allen. „Gehören die Fische, die im Meer schwimmen, mir?“ fragt der Fischer Gripus den Sklaven Trachalio in der plautischen Komödie Rudens (Das Schiffstau). „Doch wenn ich sie gefangen habe, dann sind sie mein. Niemand hat Anspruch darauf, noch fordert jemand seinen Anteil daran, ich kann sie auf dem freien Markt verkaufen, mare quidem commune certo est omnibus – das Meer gehört ganz sicher allen.“
[Fn 7] Mit Blick auf den aus der See geborgenen Koffer, um dessen Besitz sich das Gespräch dreht, stimmt Trachalio der Rede des Fischers zu: „Ei fein, darum gehört der Koffer nun auch uns beiden.“ Damit ist nun Gripus überhaupt nicht einverstanden: „Ausg’schamter Kerl, wenn das Recht wäre, wie Du behauptest, müßten alle Fischer zugrundegehen. Denn niemand würde mehr vom Fang kaufen und jeder würde daran seinen Anteil verlangen. Sind sie doch im Meer, das allen zu eigen ist, gefangen worden.“ (Plautus, Rudens 971-981)

Das Meer ist grenzenlos, wortwörtlich ohne Grenzen, Schlagbäume und andere vom Menschen auf dem Festland errichteten Hindernisse. Wer schnell und ohne Umwege Waren, Menschen und Tiere über weite Strecken transportieren möchte, der wählt den Seeweg. „Reichtum aus dem Meer“ ist also auch „Reichtum durch und über das Meer“, die Handelsschiffahrt der Kaufleute ist seit der Antike der Motor für wirtschaftlichen, aber auch kulturellen Transfer und Fortschritt.

Wenn vor Capri die rote Sonne im Meer versinkt, wenn stolze Segelschiffe vor Anker liegen, unerschrockene Kapitäne die Weltmeere durchkreuzen, werden uns diese Bilder nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Meer nicht der angestammte Lebensraum des Menschen ist, ihn nicht nur nährt und gleichsam sportlich herausfordert, sondern ohne Gefühl schlägt und im Sturm vernichtet. Nicht nur offene Schnellstraße, sondern tückisch verwinkelter Irrgarten ist das offene Meer, das alle, die es befahren, auch auf eine langjährliche Odyssee oder Äneiade schicken kann. Im „Buch der Spiele“ der Vergilschen Aeneis, das in seinem Anfang von den Leichenspielen für des Helden Vater, Anchises, erzählt, ermahnt Gyas den Steuermann eines der Schiffe, Menotes, das an der ehrenden Regatta teilnimmt: „Litus ama et laeva stringat sine palmula cautes; / altum alii teneant“ – „Bleib am Gestade und laß links die Ruder die Küste streifen / die offene See überlasse anderen!“ (5, 163f.). Diese Formulierung erinnert an die berühmte Stelle im 6. Buch desselben Werkes, die den Gegensatz zwischen den Griechen und den Römern herausstreicht: „excudent alii spirantia mollius aera ... tu regere imperio populos, Romane ...“ (6, 847-853). Sollen ruhig andere – alii – aus Erz Kunstwerke schaffen, die zu atmen scheinen, sich gewandter in der Rede ausdrücken und die Natur erklären, sollen andere das weite Meer befahren. Denn dem Können der Griechen – ihren Künsten, Wissenschaften und der Seefahrt – stehen die Römer in nichts nach, auch wenn sie auf diesen Gebieten nie zur selben Meisterschaft gelangen werden. Das offene Meer ist den Römern suspekt, auch wenn später Pompeius – der Große – sein militärisches Talent auch zur See beweist, verhalten sie sich doch immer wie Schiffbrüchige, die das Meer scheuen, auch wenn es ruhig ist (vgl. Ovid, Epist. ex Ponto 2, 7, 8).

Das Meer ist grenzenlos, nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen. Mare altum – das weite Meer – bedeutet zugleich: das tiefe Meer. In ihrer grenzenlosen, unauslotbaren Tiefe verbirgt und entbirgt zugleich die See ihr mysterium tremendum et fascinans, das einer Tier- und Pflanzenwelt Heimat bietet, die direkt aus der Hölle zu stammen und Vorbote des Tags des Zornes zu sein scheint. Die beängstigende Vorstellung von Einsamkeit auf dem weiten Meer ist nichts gegen die grauenvolle Gewißheit, daß „unter Null“ im Dunkel des Meeres unzählige Arten und Bewohner hausen (vgl. Psalm 104, 25). Die größten und kleinsten Lebewesen fanden und finden sich in den Meeren, dem Lebensraum der Superlative.

Geographen bevölkern unbereiste und unbekannte Landstriche (terrae incognitae) auf ihren Landkarten gerne mit Drachen, Basilisken, Skorpionen, Löwen, Mantikoren, Greifen, Schlangen und anderen fabelhaften oder wirklichen, aber immer verderblichen Lebewesen und warnen: hic sunt leones oder – nachdrücklicher – hic abundant leones („hier gibt’s Löwen hauffenweise“; vgl. Cotton M. S. Tiberius B. V. fol. 58v, 10. Jh.). Nicht nur im übertragenen Sinne lautet der Subtext: „sobrii estote vigilate quia adversarius vester diabolus tamquam leo rugiens circuit quaerens quem devoret“ – „seid besonnen und wachsam, denn der Verderber streicht umher wie ein brüllender Löwe und sucht den, den er verschlingen kann“ (1 Petr 5,8).

Beluae maritimae, „wilde Seegetiere“ stehen ihren landgebundenen Vettern und Cousinen in nichts nach. Die Urangst des einsamen Schwimmers im Meer verkörpert der „Fisch“ im Buch Jona (2. Kapitel), ex altitudine maris, aus den dunklen und undurchdringlichen Tiefen des Meeres schießt mit geöffnetem Maul senkrecht das Ungetüm hervor und verschlingt jeden Arglosen – und zurück bleibt nichts als ein gleichmütiges Kräuseln der Wellen. So gerne wir Carlo Collodi auch glauben wollen, in den Bäuchen der Meerestiere dieser Welt wartet niemand auf uns, werden wir niemals in jene komfortable Situation der splendid isolation geraten wie Roberto de La Grive auf der Daphne (vgl. Umberto Eco, L'isola del giorno prima, 1994, dt. 1995); der Bauch des Fisches ist die Hölle (Jona 2,2). Fürchten wir den Tod auch nicht, graut es uns doch vor einem solchen letzten Augenblick.

Trügerisch sind sie, die Bewohner des Meeres. Ein Bestiarium in der Bodleian Library, Oxford, (M. S. Bodley 764, entstanden zwischen 1220 und 1250) schildert ein Ungeheuer, den Aspidochelon, den der anonyme Autor als den Fisch, der Jona verschlungen haben soll identifiziert (wohl aufgrund dessen schierer Größe). Eine Besonderheit charakterisiert das Monster, das die Gestalt einer Schildkröte hat: es treibt bisweilen reglos an der Oberfläche, sodaß ahnungslose Seeleute vor Anker gehen und ein wärmendes Feuer auf seinem Rücken entzünden können. Spürt das Tier die Hitze, taucht es und zieht Gefährten und Gefährt mit sich in die Tiefe. Der Aspidochelon ernährt sich von anderen Lebewesen, indem er sein Maul öffnet und eine süßlich-anziehende Flüssigkeit verströmt. Sammeln sich genügend Fische, klappt er das Maul zu und verschluckt seine Beute im Ganzen.

Die carta marina des Olaus Magnus, eine Land- und Seekarte Skandinaviens aus dem Jahr 1539 [Fn 8], versammelt den Aspidochelon (direkt unterhalb der Windrose auf Tafel A) zusammen mit einer Vielzahl von realen beluae maritimae im offenen Nordmeer, wie die vacca marina (das Walroß; vor der Küste Norwegens, Tafel E), oder den ziphius (caviostris), den Cuvier-Schnabelwal (Tafel D) zusammen mit Seeschlangen und anderen -monstern, die gegeneinander und gegen die Schiffe der Menschen kämpfen. Hic abundant beluae maritimae hätte Olaus Magnus auch in Abwandlung quer über die Nordsee schreiben können.

Stattdessen heißt es kurz und lapidar an einer Stelle bei den heutigen Lofoten-Inseln Moskenesøy und Værøy vor dem norwegischen Festland: „hec es horrenda caribdis“ – „hier befindet sich der fürchterbare Mahlstrom“. Der Moskenstraumen ist ein Gezeitenstrom, der ein „schier unerschöpfliches Reservoir“ für den Laich des Barentssee-Dorsches bietet – und dieses wiederum eine schier unerschöpfliche Nahrungs- und Geldquelle für die einheimischen Fischer. Doch wer in seinen Sog gerät, ist unrettbar verloren, dessen Schiff wird mit Mann und Maus zermahlen zwischen den gewaltigen Mühlsteinen des legendären Königs Frode. [Fn 9]

Unendliche Weiten II: Die Jungen und das Mehr

„Das Internet! Das Internet!“ – Der Ruf verbreitet sich in Windeseile bis in die hintersten Ecken der Welt. Eben noch erschöpft und nur von der Hoffnung auf eine sichere Rente aufrechtgehalten, raffen alle ihre Kreativität zusammen und stolpern, stürzen, rennen gemeinsam mit ihren notebooks und Spielekonsolen dem nächsten access point entgegen. Als sie in schon greifbarer Nähe das world wide web verheißungsvoll funkelnd vor sich liegen sehen, als hätte es in alter Treue und Verbundenheit auf sie nur gewartet, da fällt sich die Ne(x)t-Generation in die Arme, schweigend und jubelnd, ausgelassen und ernst. Junge Recken, die natural born netizens, und alte Veteranen des analogen Zeitalters, die noch ohne mit der Wimper zu zucken mannhaft Zettelkästen und zentnerschwere Handlexika ertragen und überlebt haben, schämen sich ihrer Tränen nicht. Auch wenn noch ein weiter Weg vor ihnen liegt, spüren sie doch: im Grunde sind sie jetzt zu Hause.

Mit dem Beginn des saeculum aureum, dem Goldenen Zeitalter der Verbreitung digitalisierten Wissens (im Jahr 1989 nach der Zählweise der Alten), hat die eschatologische Heilshoffnung einen neuen unirdischen Ort gefunden, ist sie aus der Virtualität der Transzendenz in die Virtualität der Immanenz gezogen und hat Wohnstatt genommen unter uns. Junge fesche Griechinnen und Griechen reiten auf Delphinen übers Datenmeer, surfen auf der einen Großen Welle der Seligkeit in den Sonnenuntergang vor Hawaii und entspannen sich abends, angeregt über sich und mit der Welt in Kontakt. „Ich will alles, und zwar sofort, jederzeit, überall und kostenlos zur Verfügung haben“, antwortete Martin Grötschel im Jahr 13 DC (= digital century; 2001 nach altem Kalender) auf die (rhetorische?) Frage der GEGENWORTE-Redakteurin nach seiner Traumvorstellung von der digitalen Welt. Die Rückfrage, ob das nicht ein bißchen maßlos sei, beantwortete der Mathematiker lapidar mit einem „Mag sein; aber Sie haben mich nach meinem Traum gefragt.“ [Fn 10]

Dieser „digitale Traum“ ist inzwischen Wirklichkeit geworden, und er hat die kühnsten Erwartungen übertroffen. Während noch die Veteranen des analogen Zeitalters (also alle über 30), die „großartigen Chancen“ preisen, die der beinahe naturrechtlich gesicherte (vgl. [Fn 7]) freie Zugang zum Meer der Daten bietet und den sich in diesem Jahr zum zwanzigsten Male jährenden Anbruch des Goldenen Zeitalters panegyrisch begehen [Fn 11], lebt die Jugend unserer Goldenen Zeit, die wahre jeunesse dorée den Zeitgeist „sofort, jederzeit, überall und kostenlos“ ganz selbstverständlich.[Fn 12] Das world wide web ist ihr mare nostrum (vgl. Caesar, Bellum Gallicum 5, 1, 2), und sie sitzen nicht nur wie Frösche quakend drumherum, sondern schwimmen und tauchen wie ihre Eltern anno Tobak im örtlichen Baggersee. (Vielleicht erheben demnächst Kulturkritiker so skurrile Dinge wie Telefonbücher zum schützenswerten „Guten Ding“.)

Das world wide web hat sich in nicht einmal zwei Dekaden, solange wie ein Mensch braucht, um vom Kind zum jungen Erwachsenen zu reifen, in den Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften der ganzen Welt nicht nur zu einem alles umgreifenden und miteinander verbindenden Kommunikationsmedium auf verschiedenen Ebenen entwickelt, sondern auch den Umgang mit Information, mit Wissen grundlegend auf eine neue Basis gestellt. Wenn wir den Menschen als ein Gemeinschaften bildendes Wesen definieren, und Gemeinschaft auf Kommunikation basiert, dann verhilft das Internet als Mittel zur Kommunikation für unsere Gemeinschaften nicht zu neuen, aber doch zu in Vergessenheit geratenen Möglichkeiten der Interaktion und Partizipation. Das Internet ist Kommunikation. „Im Netz“ zu sein, ist gleichbedeutend mit dem Angebot und der Nachfrage nach Kommunikation, einer Kommunikation ohne Barrieren und Schranken, ohne Hierarchien und Hindernisse. Das Internet ist das „Sofort-jederzeit-überall-kostenlos“-Kommunikationsmedium. [Fn 13]

Zu dem, was einen Intellektuellen auszeichnet, gehört sein „avantgardistischer Spürsinn für Relevanzen“, wie es Jürgen Habermas formulierte. [Fn 14] Wenn das Internet tatsächlich die „größte Erfindung seit der Industrialisierung“ ist, die kulturgeschichtlich die Menschheit in die „Wissensgesellschaft“ schleudert und die „alles verändert“, wie Marcel Weiss in „netzwertig“ schreibt [Fn 15], welches Echo, welche Deutung findet es dann unter den Intellektuellen Deutschlands? Und natürlich: von welchen einfallsreichen Perspektiven aus nehmen sie das Internet wahr?

Under Water I: Ach, Internet

Die elektronischen Medien – zuerst das Fernsehen und dann das Internet – haben, so Jürgen Habermas [Fn 16], „zu einer ungeahnten Ausweitung der Medienöffentlichkeit und zu einer beispiellosen Verdichtung der Kommunikationsnetze“ sowie zu einer „weiteren Differenzierung des Massenpublikums“ geführt. (Habermas 2008a: 81 und 2008c: 157) Besonders durch die Nutzung des Internets seien „die Kommunikationszusammenhänge zugleich erweitert und fragmentiert“ worden. (Habermas 2008a: 81)

Und in der Tat ermöglicht das Internet einen „Austausch zwischen Partnern“, die „auf gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren,“ (Habermas 2008c: 161) „unreglementiert“ (ebd.) ist er jedoch keineswegs. Gerade in den newsgroups des vom world wide web zu unterscheidenden usenet hat sich ein ausdifferenziertes Reglement der Gruppenteilnehmer untereinander entwickelt, das sowohl die Formalia der Beiträge, als auch die Usancen im Umgangston bestimmt, von den vielfältigen Abkürzungen, Akronymen und begrifflichen Anspielungen ganz zu schweigen.

Während der im Internet herrschende „Egalitarismus“, also die „horizontale und entformalisierte Kommunikation“, (Habermas 2008a: 82) zwischen Gleichen, zu begrüßen sei, (Habermas 2008a: 82) ist der Preis dafür die „Dezentrierung der Zugänge“ zu, wie Jürgen Habermas schreibt: „unredigierten Beiträgen“ (Habermas 2008a: 82) ein malum, das durchaus ein Problem darstelle, denn es schwäche die „Errungenschaften traditioneller Öffentlichkeiten“. (Habermas 2008a: 82) Dies habe auch Auswirkungen auf die Intellektuellen und die Wirksamkeit ihrer öffentlichen Einlassungen: denn im Internet „verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden“. (Habermas 2008a: 82)

Wie sollte er auch wirkmächtig Gehör finden in unzählbaren newsgroups und blogs? Wenn „jeder Narr einen Blog oder ein Video ins Netz stellen“ kann [Fn 17], wenn die Möglichkeiten, die eigene subjektive Meinung „sofort, jederzeit, überall und kostenlos“ zu veröffentlichen, so umfassend sind, wie sollen dann Intellektuelle überhaupt in diesem babylonischen Stimmengewirr wahrgenommen werden, überhaupt eine „zentripetale Kraft“ bilden, (Habermas 2008c: 159) geschweige denn – Verzeihung, daß ich es erneut erwähne: „geistesaristokratisch“ herausragen?

An dieser Stelle muß ich betonen, daß der ZEIT-Artikel von Adam Soboczynski [Fn 18] ein wertvoller Beitrag ist, dessen Bedeutung m. W. bislang nicht hinreichend erkannt wurde. So negativ die Rezeption war, die der Autor in seinem Text wohl vorausgesehen hat, so wichtig ist sein Beitrag als Zeugnis für den „clash of cultures“, in dem sich die zum Teil diametral entgegengesetzten Kommunikationskulturen der traditionellen Massenmedien und dem neuen Massenmedium Internet verdichten. „Das Netz als Feind“ bietet auch empirischen Stoff für die Analyse, warum die traditionellen (Print-)Medien im Internet unter gewissen Rücksichten Fremdkörper und im Grunde noch nicht „im Netz angekommen“ sind.

Aber zurück: Ist vielleicht – diesen Gedanken möchte ich hier einflechten – die „antiintellektuelle Hetze“, die Adam Soboczynski in den Kommentaren und „höhnischen Nutzerbeiträgen“ ausmacht, und welche sich „gegen angeblich Sperriges richtet, gegen kühne Gedanken, gegen Bildung überhaupt“ der Ausdruck einer Abkehr der Öffentlichkeit im Internet von selbstverliebter Egomanie? „Deru kugi wa utareru“ lautet ein japanisches Sprichwort: „Der Nagel, der hervorsteht, wird eingeschlagen“.[Fn 19] Das Internet bietet – anders als das Fernsehen oder die traditionellen Printmedien – den Selbstdarstellern, „eitlen Intellektuellen“ und „Adabeis“ nicht automatisch und zwingend eine mediale Bühne, (vgl. Habermas 2008a: 82) die sie einfach zu betreten bräuchten, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Auch die von Adam Soboczynski beklagte „technokratische Verschlüsselung“ von Namen, die Annahme von Pseudonymen und damit die Anonymisierung von Wortmeldungen widerspricht den in der nicht-virtuellen Welt gängigen Üblichkeiten und Erwartungen.

Meiner Meinung nach geht fehl, wer vermutet, hinter der Maskierung im Netz stehe der grundsätzliche Wille, konsequenzenlos tun und lassen zu können, wonach einem der Sinn steht. Vielmehr kommt darin – jedenfalls bei den an einem Gedankenaustausch Beteiligten –das primäre Interesse an den Beiträgen selbst, der Sach- und Fachdiskussion in Foren und Blogs zum Ausdruck; die individuelle Person tritt zurück hinter dem, was jemand zur Sache beizutragen hat. Was nicht heißen soll, daß Menschen nicht auch im und durch das Internet nach ihren eigenen 15 Minuten Ruhm streben und hoffen, daß ihr Pseudonym zum Markenzeichen wird.- Im Internet verwischt das Verhältnis von Leser und Autor, weil prinzipiell jeder Leser auch Autor sein kann, sofern er sich am Diskurs beteiligen will. Jürgen Habermas erkennt in diesem Phänomen auch eine „Entformalisierung der Öffentlichkeit und [eine] Entdifferenzierung entsprechender Rollen“. (Habermas 2008a: 81)

In einer strukturell egalitären und auf Interaktion und Kooperation ausgerichteten Welt, wie sie das Internet prinzipiell (aber natürlich nicht umfassend) darstellt, steht der Anspruch des Individuums auf (s)eine (Sonder-)Stellung prinzipiell und ständig zur Disposition. Was im wissenschaftlichen Zusammenhang der impact ist, die Häufigkeit der Referenzierung, der Zitation eines Beitrags, ist im world wide web einerseits der „Hyperlink“, die Vernetzung eines Beitrags („Zitat“) oder einer Web-Adresse mit anderen („Backlink“, „Trackball“), zum zweiten aber auch die in Besuchen und Kommentaren meßbare Aufmerksamkeit, die man einem Autor und seinen Äußerungen zukommen läßt. Diese Aufmerksamkeit ist aber im Internet nicht einseitig angelegt, sondern, wen verwundert’s: netzartig. Da die Internet-Kommunikation wesenhaft nicht vertikal, sondern horizontal verläuft, entwickelt sich so ein Geflecht von gegenseitigen Referenzen und Reverenzen. Diese Reverenzen bzw. Referenzierungen – impacts oder impressions – stellen auch die Grenzen der Egalität im Internet dar, denn je häufiger einer web-Adresse diese Reverenzen „erwiesen werden“, sie also „verlinkt“ wird, desto höher ist ihr „sozialer Status“ im Netz [Fn 20], analog zur Bedeutung einer wissenschaftlichen Publikation in der scientific community.

Während die Zitationshäufigkeit einer Fachveröffentlichung durchaus Rückschlüsse auf ihren Gehalt zuläßt, wäre sowohl die Vermutung, daß Seiten, die maximal verknüpft sind, als auch die, daß Seiten, die eine hohe Besucherzahl aufweisen, damit in direkter Relation zu ihrem validen Inhalt stehen, mit größter Vorsicht anzustellen. Zudem ist Popularität kein Indikator für inhaltliche Qualität. Entsprechend sind Suchmaschinen, die ja auf Basis eines „Ranking“-Algorithmus (vgl. [Fn 20]) arbeiten, auch nur bedingt geeignet, den Fokus der Aufmerksamkeit auf den Intellektuellen und seine Beiträge zu lenken.

Im Internet spielt aber nicht nur Aufmerksamkeit eine Rolle, sondern Überzeugung.[Fn 21] Die prinzipielle Hinterfragbarkeit der Stellung eines Individuums oder eines Angebots im Internet bedeutet, daß jeder wiederholte Seitenaufruf eine bewußte Entscheidung darstellt, die am Ende eines Überzeugungsprozesses steht. Ähnlich, wie man Stammkneipen wechselt, wenn sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert, daß man immer noch derselbe, aber das restliche Publikum ein anderes geworden ist (oder umgekehrt), nimmt der Seitenaufruf von Angeboten sukzessive und schleichend ab, wenn Nachfrage und Angebot einander nicht mehr treffen.

Ich werde mich selbstverständlich hüten, meine Rezeptionspraxis hochzurechnen, um daraus eine Prognose abzuleiten [Fn 22], aber: Im Laufe der letzten 24 Monate haben sich meine Lesezeichen zum Stichwort „Nachrichten/Zeitungen“ deutlich verändert. In der Hauptsache wurden Webauftritte von Printzeitungen und –zeitschriften zugunsten von Weblogs und anderen nur im Internet verfügbaren Informations- und Nachrichtenportalen reduziert. Auf das wenige Interessante, das die traditionellen Leitmedien zur Lektüre und Horizonterweiterung anbieten, verweisen diese ausgesuchten (special-interest)-Plattformen und Presseschauen. [Fn 23]

Nun ist es nicht nur so, daß ich bestimmte Tageszeitungen nicht mehr so häufig rezipiere, weil die validen Beiträge unter dem ganzen seichten Drittanbieter-Kladderadatsch sich ähnlich fehl am Platze vorkommen müssen wie ein Zeuge Jehovas auf einer Flatrate-Party in der Dorfdisco, und weil die Präsentation im Netz zwar Aufmerksamkeit – klicklicklick – weckt, jedoch nicht überzeugt. Im Vergleich zwischen den professionellen Weblogs und den professionellen Leitmedien der alten Schule offenbart sich meiner Ansicht nach jenes Versagen, das in der Blindheit und Mißachtung gegenüber der Verschiedenheit der Kommunikationsstrukturen und –kulturen von Internet und Printmedien zu suchen ist.

Der erste Nachteil traditioneller Massenmedien ergibt sich aus dem zuvor Gesagten: sie mögen gegebenenfalls Quellen zitieren, aber sie verweisen nicht darauf; selbst online verfügbare Artikel bieten keinerlei Verweise („links“) auf andere Beiträge zum Thema, wer sich über die Quellen und andere Meinungen informieren will, muß sich selbst und alleine auf die Suche begeben. Online-Leser großer Tageszeitungen müssen selbstgenügsam und eigeninitiativ sich über Suchmaschinen weitere Expertisen und Informationen einholen. Die alte Überlegung „Welcher Leser liest schon täglich drei oder vier überregionale Zeitungen?“ funktioniert so im Internet natürlich nicht mehr, gerade bei interessanten Themen will der informierte Leser auch wissen, was andere denken und schreiben – und natürlich deren Quellen prüfen. Darum ist die Idee, durch ein Leistungsschutzrecht zu verhindern, auf Zeitungen und Zeitschriften zu „verlinken“, ihre Artikel zu zitieren, gleichbedeutend mit dem Plan, unplugged zu gehen, also sich aus dem Netz zu verabschieden.[Fn 24] Wozu das führen kann, werden wir weiter unten an einem praktischen Beispiel sehen.

Zum zweiten – hier ist es lohnend, wieder Jürgen Habermas zu Wort kommen zu lassen: Der „mediengestützt[en] Massenkommunikation, die wir aus nationalen Öffentlichkeiten kennen, [...] fehlen schon aufgrund ihrer Struktur Züge einer diskursiven Auseinandersetzung“, (Habermas 2008c: 158) sie ist „insofern 'abstrakt', als sie von der physischen Anwesenheit der mehr oder weniger passiven Rezipienten absieht und sich über die Unmittelbarkeit der konkreten Blicke und Gesten, Gedanken und Reaktionen von Anwesenden und Adressaten hinwegsetzt“. (Habermas 2008c: 159) Und schließlich läßt sich „Massenkommunikation [...] nicht auf das Frage- und Antwort-Spiel, auf den Wechsel von Affirmation und Negation, Behauptung und Widerspruch unter Anwesenden ein. Sie scheint keine Ähnlichkeit zu haben mit einfachen Interaktionen, welche die Teilnehmer über ihre Handlungs- und Kommunikationszwecke miteinander verbinden. [...] Während Diskurse den Rollentausch zwischen Sprechern und Adressaten verlangen, stellt man sich die Massenkommunikation in der Öffentlichkeit am besten in Analogie zu einer Bühne vor, die einen Rollenwechsel zwischen den wenigen Akteuren und einem stumm zuschauenden Publikum nicht erlaubt. Gewiß, die Akteure spielen für das Publikum, aber dieses hat nur die Möglichkeit, am Ende eines Aktes oder einer Aufführung pauschal Beifall zu spenden oder ablehnend zu reagieren - they can't talk back.“ (Habermas 2008c: 160).

Die bisherige Massenkommunikation und damit die herkömmliche Printpresse kommuniziert traditionell hierarchisch, nicht dialogisch, sondern monologisch. Die horizontale Kommunikationsstruktur des Internets verlangt hingegen nach dem „Rollentausch zwischen Sprechern und Adressaten“, sie erwartet den „Wechsel von Affirmation und Negation, Behauptung und Widerspruch“. Deshalb erinnert der Großteil der von Journalisten in den traditionellen Medien publizierten Beiträge an die Soliloquien von Autisten und deshalb zeigen sich Journalisten wie Adam Soboczynski auch so vergrätzt und verhalten sich wie eine beleidigte Leberwurst, wenn ihnen in den „Nutzerbeiträge[n], die sich als Wurmfortsatz unter einem typischen Feuilletonartikel finden“(vgl.[Fn 18]), Negation und Widerspruch, Enttäuschung und Ablehnung entgegenschlagen. Das sind sie einfach nicht gewöhnt, das ist nicht eingeplant. Denn diese Leserbeiträge sind kommunikationsstrukturell anders gelagert als „letters to the editor“, die dem vertikalen Verhältnis zwischen Autor und Leser ja entsprechen. In nuce: Wer im Internet einen Beitrag veröffentlicht, signalisiert damit: „ich beteilige mich an einem Diskurs“ bzw. „ich stelle etwas zur Diskussion“.

Die Idee, der Kommunikationsstruktur und dem Anspruch des world wide web damit zu genügen, Raum für Kommentare „im Wurmfortsatz“ bereitzustellen, zeigt das Mißverständnis und, unter Rücksicht auf die jahrelange Webpräsenz, die Lernresistenz der Printmedien. Das hat zur unweigerlichen Folge, daß die Leitmedien ihre ihnen u. a. von Jürgen Habermas zugewiesene Rolle nicht mehr erfüllen. Vielleicht nehmen sie die Herausforderungen und Erfordernisse, die die Kommunikationskultur im Internet ihnen abverlangt, nicht wahr, in jedem Fall aber kommen sie ihnen nicht nach. Daraus mag in einigen Jahren oder Jahrzehnten ihr Verschwinden resultieren, an ihre Stelle werden dann jedoch andere Leitmedien getreten sein, die den Fokus wieder auf Relevanzen richten und den öffentlichen Diskurs bündeln.

Einen ersten Versuch in diese Richtung hat die Wochenzeitung „Der Freitag“ (www.freitag.de) gestartet, die sowohl an der Verzahnung von gedruckter und digitaler Ausgabe als auch an der Diskussion zwischen Journalisten, Autoren und Lesern des „Freitag“ arbeitet, mithin zum einen versucht, den berühmten „Medienbruch“ zu überbrücken, zum anderen, konsequent die Dialogstruktur des Internets in das Medium zu integrieren. [Fn 25]

In diesen Kontext gehört auch die Entscheidung der LIBREAS-Redaktion, den Beitrag von Uwe Jochum in einer Pre-Print-Veröffentlichung – quasi als „unredigierten Beitrag“[Fn 26] – zu publizieren.[Fn 27] Wie auch immer man zu den Ein- und Auslassungen des Konstanzer Bibliothekars steht, ist der Schritt ein Beispiel für die egalitäre Kommunikationskultur des Internets, die nicht auf Lektorat und Redaktion vertraut, sondern der kritischen Urteilskraft unter Gleichen und zur open peer-review einlädt. [Fn 28]

Ein anderes Beispiel darf dabei aufgrund seiner Aktualität nicht unerwähnt bleiben. Die von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften herausgegebene zweimal jährlich erscheinende Zeitschrift GEGENWORTE widmet ihre Frühjahrsausgabe 2009 dem Thema „Open Access“ („Die Wissenschaft geht ins Netz“, Heft 21). Die Zeitschrift „für den Disput über Wissen“ greift damit das Thema „Digitalisierung der Wissenschaften“ (Heft 8) aus dem Jahr 2001 auf und lädt damit auch zu einer Reflexion über die Prognosen und Realitäten acht Jahre später ein. Das aktuelle Heft zu „Open Access“ ist schon vor einigen Wochen erschienen, doch die Reaktion und Rezeption im Internet ist – völlig ausgeblieben. Das ist bei diesem aktuellen und brisanten Thema äußerst verwunderlich, und bei inhaltlich so qualitativ hochwertigen und anregenden Beiträgen, wie GEGENWORTE sie bietet, ist das Schweigen angesichts des weithin hörbaren Rauschens in den Blogs und anderen Internet-Publikationen selbst bei mediokren Wortspenden zu „Open Access“ noch irritierender.

Das Wundern darf sich aber in Grenzen halten, denn GEGENWORTE existierte bis zum 16.07.2009 im Netz nicht; GEGENWORTE ist eine reine Printpublikation ohne Anbindung an das world wide web. Nicht einmal auf der Internetpräsent www.gegenworte.org wurden bis dato Interessierte darüber informiert, daß ein 21. Heft erschienen ist und welches Thema es behandelt. Schlichtweg: Nichts. Schweigen. Logischer- und konsequenterweise bietet GEGENWORTE auch keine digitale (ggf. kostenpflichtige) Version seiner aktuellen und älteren Ausgaben an; manche Themenausgaben sind wohl ohne Hoffnung auf Wiederkehr vergriffen. Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, daß der Bescheid: „nicht online [Fn 29] eine ähnliche Wirkung auf potentielle Leser ausübt wie „vergriffen“.

Daß man ein Heft zu „Open Access“ und damit zum Internet nicht gänzlich unter Vermeidung des Internes publizieren kann, diese Ahnung beschlich doch auch den einen oder anderen Redakteur, denn der Beitrag „Veränderungen in der Publikations- und Kommunikationswelt: Open Access, Google etc.“ von Martin Grötschel und Martin Lügger (S. 69-72) ist in einer um Fußnoten und Hinweise auf URLs und Referenzen erweiterten Fassung online verfügbar, denn, fragen sich die Autoren, wer will schon lange URLs abtippen? Dieser einzelne einsame online und open access verfügbare Beitrag steht nicht im Widerspruch zum zuvor Gesagten. Denn er ist nicht unter der Internetpräsenz von GEGENWORTE erhältlich und herunterladbar, wo seit genanntem Datum (endlich) zwei „Leseproben“ mitsamt Inhaltsverzeichnis verfügbar sind, sondern als Beitrag im open-access-Journal ZIB-Report des Zuse Institute, Berlin, zwischen „Nonlinear pseudo-Boolean optimization: relaxation or propagation?“ und „A Priori Tabulation of Turbulent Flame Speeds via a Combination of a Stochastic Mixing Model and Flamelet Generated Manifolds, Extended to Incorporate Strain Effects“ publiziert worden, worauf der Verweis im Heft zeigt. Ich habe lange um einen Begriff gerungen, der diese Situation und dieses Verständnis von „Disput“ im Zeitalter der Digitalen Wissensgesellschaft adäquat beschreibt. Mir fällt dazu nur ein: drollig.

Under Water II: Marianne und Marianengraben

Jetzt – endlich – nachdem schon gänzlich ungezwungen das Stichwort gefallen ist, wenden wir uns demjenigen topic zu, das seit Monaten auf der Diskurs-Agenda ganz oben steht: Es ist das „Internetpiraterie-Kinderpornographie-'Google Books'-und-'Open Access'“-Thema. Wer jetzt auffährt und entnervt laut „Einwand!“ ruft, „Google Books“ und „Open Access“ hätten nichts miteinander zu tun [Fn 30], und erst recht nicht etwas mit „Internetpiraterie“ oder gar „Kinderpornographie“, sieht, wie man so schön sagt, das Meer vor lauter Wasser nicht.

Es ist kein Zufall, daß DIE ZEIT, als eines der Leitmedien und Sprachrohre der bildungsbürgerlichen Mittelschicht Deutschlands, alle vier Themen als eines wahrnimmt [Fn 31], so scheinbar getrennte Phänomene in Beziehung setzt. Denn Internetpiraterie, Kinderpornographie, „Google Books“ und „Open Access“ sind Kreaturen des Internet – beluae horrendae – und sie finden dort ihr natürliches Habitat, in dessen fruchtbaren Wassern schwimmend sie prächtig gedeihen.

In den Zuflüssen hausen kleine Piranhas mit messerscharfen Zähnchen, die unbedarfte Landbewohner bis auf die Knochen abnagen, im offenen Meer herrscht ein unbarmherziger, allen Darwinismus übertreffender Kampf ums Überleben, in dem wenige große Meeressäugetiere mit der Macht ihrer schieren Tonnage die Fluten und den Verdrängungswettbewerb beherrschen. Andere urzeitlich anmutende Wesen, die direkt den Vorstellungshöllen eines Hieronymus Bosch entsprungen scheinen, wie der Aspidochelon, locken die Kleinen mit süßlichen Säften und ziehen die, welche sich unvorsichtigerweise auf ihrem Rücken sicher wähnten, hinab in Untiefen und Abgründe, wo sie und ihre Güter in reißenden Sturzbächen (torrents) hinabstürzen und zermahlen werden am Grund zwischen den Mühlrädern dessen, den sie „Technischer Fortschritt“ nennen.

Mare quidem commune certo est omnibus“ – das Meer gehört ganz sicher allen – und jeder, der einen Zugang dazu hat, muß nur hinausfahren und Angel oder Netze auswerfen, und schon kehrt er mit reichem Fang zurück. Wer will da noch auf den heimischen Markt gehen, wo ausgesuchter Fisch und Schalentier’ gegen Geld angeboten werden? „Ich weiß, was ich meiner Kundschaft schuldig bin“, ist sich der gallische Fischhändler Verleihnix sicher: „Ich beziehe meine Ware natürlich nur aus Lutetia!“ Daß sich sein Dorf wenige hundert Meter vom Meer entfernt befindet, spielt bei seinen Überlegungen keine Rolle.

Die salzigen Fluten des Internet treten immer mehr über die Ufer und überspülen, zerstören die ursprünglichen Kulturlandschaften, was nicht im Mahlstrom des Datenflusses aufgesogen wird, verödet unter dem homo sapiens sapiens verderblichen Naß und wird bevölkert von den aus den lebensfeindlichen Tiefen herauftreibenden Widerwärtigkeiten. Die Fahne der Freiheit, die die einen lustig flattern lassen, gilt den anderen als das Leichentuch ihrer Existenz.

Waterworld: Gesellschaftliche Utopie oder Apokalypse Now?

Um nicht bis über den Scheitel in einem anderen Meer, dem der Metaphern, zu versinken: Das Internet ist offensichtlich für viele der Open Access to Open Excess.[Fn 32] Denn: was ist das für eine Welt, in der Autoren jedem selbst anheimstellen, wieviel für ein Buch bezahlt wird, jeder Menschen selbst festlegt, was ihm ein Produkt wert ist?[Fn 33] Was ist das für eine Welt, in der Autoren ihre eigenen Bücher kostenlos zum Herunterladen ins Netz stellen – und damit auch noch den Absatz der Druckauflage ankurbeln? [Fn 34] Was ist das für eine Welt, in der Künstler, Designer und Autoren ihre Schöpfungen kostenlos unter Lizenzen – creative commons – veröffentlichen [Fn 35], die es jedermann erlauben, die zum Allgemeingut erklärten Werke zu nutzen, zu verbreiten, ja zu bearbeiten?

Auch wenn kürzlich Johan Schloemann quasi ex cathedra „Schluß mit dem Kulturkampf“ rief [Fn 36], wird dieser Kampf, der nicht nur zwischen Träumern und Technokraten ausgefochten wird, noch lange weitergeführt werden; „Open Access“ zu Wissenschaftspublikationen ist dabei nur ein kleiner Nebenschauplatz, der im Grunde schon entschieden war, als Roland Reuß von Heidelberg aus zur Mobilmachung rief. Erbitterter, langwieriger und auch ungewisser im Ausgang wird die Auseinandersetzung um das Medium „Internet“ auf gesellschaftlicher Ebene geführt werden. Denn sein Egalitarismus, die darin gepflegte horizontale Kommunikation sind Ausdruck des kommunitaristischen Charakters, den das Internet strukturell fördert. Netizens sind Kommunitaristen, keine Egoisten oder „entfesselte Konsumenten“. Eigenverantwortung und Gemeinsinn, Partizipation und Austausch unter peers sind die Maximen ihres Handelns. Das Internet stellt dazu die technische Infrastruktur bereit.
Darum wirken Appelle wie der aus Heidelberg auch so ..., ja, so drollig auf netizens. Was Roland Reuß fordert, seine immer wieder geäußerten „individualrechtlichen Ansprüche“, der stets betonte Herrschaftswille über sein Werk, welches kurioserweise nicht das eines originär schaffenden Künstlers, eines Autors oder Komponisten, sondern das eines Editionsphilologen ist, klingen wie absurder Singsang in ihren Ohren: „Meins, Meins, Meins!“ – im Heidelberg des Roland Reuß gibt es offenbar nur Autoren, keine Leser. (Erstaunlich gerade für einen Wissenschaftler, denn bei ihm fallen ja Autor und Leser notwendigerweise zusammen.)

Es ist verständlich, daß es den wissenschaftlichen Unterzeichnern des Heidelberger Appells sauer aufstößt, wenn ihnen gesagt wird, was sie zu wollen, zu sollen und zu lassen haben. Wenn der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels (SPD) in der Antwort auf die Frage von Hendrick Lüth zum „Heidelberger Appell“ bescheidet: „Für technisch-naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse ist das Problem monopolartiger (kostenpflichtiger) Veröffentlichungsstrukturen, das Sie ansprechen, real. Da mag Open Access einen wünschenswerten Fortschritt darstellen. Für den sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich sehe ich das aber anders. Hier wollen und sollen wissenschaftliche Autoren mit ihren Aufsätzen und insbesondere Büchern erfolgreich sein, auch in bescheidenem Maße ökonomisch“ [Fn 37], dann empfinde ich als Geisteswissenschaftler und „Open-Access“-Autor das genauso als die Bevormundung, gegen die sich Roland Reuß und andere so vehement sträuben.

So begrüßenswert der Einsatz für eine Stärkung der individuellen und individualrechtlichen Urheber-Souveränität für Autoren wie auch für Journalisten und freie Mitarbeiter der Presse ist, so wenig realitätsbezogen ist dieser nachdrückliche Impetus.[Fn 38] Wie die Meinung von Hans-Peter Bartels ahnen läßt, gibt es in jeder Disziplin „Usancen der Fachcommunity“, denen sich wissenschaftliche Autoren zu unterwerfen haben, wenn sie mitspielen wollen. Der Autor muß den Publikationsorganen, der Mentalität ihrer Herausgeber, Gutachter, Lektoren und Redakteure ja immer gewisse Konzessionen machen und Eingriffe gestatten, um in einer bestimmten Umgebung (Reihe, Zeitschrift, usw.) veröffentlichen zu können. Das beginnt bei der redaktionellen Richtlinie, Texte „geschlechtsneutral“ zu formulieren und endet bei der Gepflogenheit, als Beiträger zu Sammelbänden oder Zeitschriften selbst auf Nachfrage (mit Hinweis auf die konkludente Geltung von UrhG § 38) keinen Autorenvertrag vorgelegt bzw. keine individuellen vertraglichen Regelungen (z. B. zur Parallelveröffentlichung open access) eingeräumt zu bekommen.

Die Forderungen und Vorstellungen hinsichtlich des Umfangs der Werkherrschaft des Urhebers, die Roland Reuß und Volker Rieble in ihren Vorträgen auf der Frankfurter Tagung „Autorschaft als Werkherrschaft“ (15.07.2009) äußerten, erinnern an die Maximalforderungen der Gewerkschaften gegenüber den Arbeitgeberverbänden, von denen beide Seiten wissen, daß sie nicht durchsetzbar sind und nur den Einstieg in ritualisierte Verhandlungen bedeuten. Sie mögen dem Geist des Gegengewichts entsprungen sein, indem versucht wird, mit einer Breitseite von 12-Zoll-Kanonen es einmal kräftig donnern zu lassen – einen wie auch immer gearteten Sitz im Leben des belletristischen wie wissenschaftlichen Publikationsbetrieb können sie nicht beanspruchen.

Selbst wenn nach der Frankfurter Retro-Veranstaltung die Diskussion hie und da noch aufflackert, sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, daß über kurz oder lang niemand mehr (ernsthaft) von einem Zwang zur „Open Access“-Publikation reden wird, welcher Autorenrechte untergräbt oder aushöhlt, sondern von einer Selbstverständlichkeit. Nämlich vom selbstverständlichen Recht wissenschaftlicher Autoren, neben der gedruckten Publikation auch „open access“ zu veröffentlichen.

Eine wichtige Problematik wurde auf der Tagung ebenfalls thematisiert – die Herausforderungen der wesensmäßig fragmentierten und diversifizierten Publikationsumgebung „Internet“. Wer eine Bibliothek plant und einrichtet, steht vor der bedeutsamen Aufgabe, eine flexible, gültige und rational wie intuitiv nachvollziehbare wie praktische Aufstellungsordnung zu ersinnen. Nach welchen Prinzipien sollen die Werke in den Regalen stehen, sodaß sie von Bibliothekaren und – in Präsenzbibliotheken – von Lesern schnell gefunden werden und gleichzeitig raumökonomischen und anderen Erfordernissen entsprechen? Nach Format? Taschenbuch oder Gebundene Ausgaben? Thematik? Autoren? Erscheinungsjahr? ... Je nach Bestandsumfang und Systematik könnten dann „Cats to Love” von Matthias Reuss neben „Giotto und die Erfindung der dritten Dimension: Malerei und Geometrie am Vorabend der wissenschaftlichen Revolution“ von Jürgen Reuß (u. a.),
„Oxforder Oktavhefte 5/6. Franz Kafka. 2 Bände, zusammen mit Franz Kafka-Heft 7 von Franz Kafka“ von Roland Reuß (u. a.) und „Bärenzwinger: Philipp Laubmanns zweiter Fall“ von Andreas Reuß (u. a.) Aufstellung finden; und ein elektronischer Katalog wird bei der Suche nach dem Autor „Reuß“ diese Werke auflisten, auch wenn sie an unterschiedlichen Orten der Bibliothek aufbewahrt werden.

Portale wie YouTube, Katalog und Regalreihen für Videos aller Art in einem, stellen uns vor die nicht leichte Aufgabe, das: [Fn 39 (1)], das: [Fn 39 (2)] und das: [Fn 39 (3)] „unter einem Dach“ mit dem: [Fn 39 (4)], dem: [Fn 39 (5)] und dem: [Fn 39 (6)] erdulden zu müssen. Wer nicht das Glück hat, den täglichen Bedarf bei seiner persönlichen Einzelhandelskauffrau, bei mir daheim nennt man sie – geschlechtsneutral – „Greißler“, decken zu können, kann ein Lied davon singen, wie wertvolle Produkte unter billigster Massenware in den Regalen nur schwer zu finden sind, wenn sie überhaupt, dem Investitionsunwillen der Kundschaft entgegenkommend, angeboten werden. Und erst die Warteschlangen an der Kasse! L’enfer, c’est les autres.

Die Debatte, die der „Heidelberger Appell“ angestoßen und mit Beiträgen gelenkt hat, wird gerade von dieser Seite mit einem eher subjektiv-geschmäcklerischen, allgemein kulturkritischen und pseudo-elitären basso continuo unterlegt, der von den wirklichen Anforderungen an die zukünftige Wissensorganisation und –verfügbarmachung, die durch das Datenmeer „Internet“ entstanden sind, ablenkt. Und: Würden sich der „Heidelberger Appell“ und vor allem seine öffentlich dafür eintretenden Unterzeichner ihr Anliegen genau so grundsätzlich formulieren und vertreten, wie es die Rede vom „Urheber als Souverän“ impliziert, und nicht das kulturell gewachsene Verständnis der Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf dazu instrumentalisieren, neue Publikationsformen und Kommunikationskulturen en bloc zu diskreditieren – ich würde sofort meinen Namen unter den Appell setzen.

Als wesentlich ernsthafter und bedrohlicher als die „Heidelberger Bocksgesänge“[Fn 40] werden die Eingriffe wahrgenommen, die seitens der Politik erfolgen bzw. gefordert werden. Die Freiheiten und Pflichten, die Usancen des Netz-Kommunitarismus werden durch die von netizens für unverständige Landratten und Nichtschwimmer gehaltenen Politiker angegriffen. Wir dürfen dabei nicht übersehen, daß das globale Internet auch ohne chinesische und andere Mauern, die darin errichtet werden, ebenso ein kulturell fragmentiertes Netz ist (was nicht nur an jenen URL-Räumen sichtbar ist, die politisch-geographische Grenzen widerspiegeln), in dem die claims durch die Herkunft der Nutzer und Internet-Seiten abgesteckt werden. Kulturelle und gesellschaftliche Normen greifen regional immer auch im Internet. Für den Großraum der europäisch-nordamerikanischen Kulturzone (im Internet), die von den U.S.-Amerikanern (im Netz) dominiert und immer mit ein paar Jahren Vorsprung angeführt wird, gilt die Forderung nach Zurückhaltung bei staatlichen Eingriffen, die in Europa eine längere und nachhaltigere Tradition haben als in Übersee. Der „westliche“ Zugriff auf das Internet ist ein anderer als der indische oder der chinesische.

Daß, wie Jürgen Habermas schrieb, „computergestützte Kommunikation unzweideutige demokratische Verdienste nur für einen speziellen Kontext beanspruchen“ kann, nämlich den „autoritärer Regime“ (Habermas 2008c: 161) hat eher Kritik als Zustimmung hervorgerufen. [Fn 41] Dabei ist jedoch zu bedenken, daß Habermas’ Begründung – das Internet fördere mit „Millionen von weltweit zerstreuten chat rooms und weltweit vernetzten issue publics eher die Fragmentierung jenes großen, in politischen Öffentlichkeiten jedoch gleichzeitig auf gleiche Fragestellungen zentrierten Massenpublikums“ (Habermas 2008c: 162) – als Momentaufnahme und Zustandsanalyse nicht gänzlich unzutreffend ist. Dies bedeutet aber natürlich nicht, daß Medien und politische Bewegungen diese diversifizierte Diskussionen nicht aufgreifen und, wie schon erwähnt, bündeln werden.

Entscheidender ist meiner Meinung nach, daß das Internet als Kommunikations- und Informationsnetz sich Verdienste um die aktive politische Partizipation erwirbt, indem es die Vernetzung von interessierten Individuen zu Interessensgruppen fördert. Es sammelt bislang locker organisierte oder unorganisierte und verstreute Gleichgesinnte, bündelt ihre Kommunikation und nivelliert ganz praktisch die Schwellen gesellschaftlichen Engagements.
Das Internet ist ein gesellschaftlicher Raum, darum ist auch das Wort vom Internet als „rechtsfreiem“ Raum nur dumm zu nennen. Gerade das Brandzeichen der „Zensur“ auf dem sogenannten „Zugangserschwerungsgesetz“ macht deutlich, daß das Internet kein rechtsfreier Raum ist und nicht so gesehen wird, weil selbstverständlich gesellschaftliche wie rechtstaatliche Normen Deutschlands wie das Zensurverbot Achtung und Geltung besitzen und gegen womöglich verfassungswidrige Begehrlichkeiten verteidigt werden.

Wenn also anstelle der freien Kräfte des Marktes, in dem jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten agiert, ganze Branchen nach staatlicher Protektion, nach legislativem, judikativem und exekutivem Schulterschluß verlangen, steht mehr zur Disposition als der liebgewonnene virtuelle chatroom, der Spielplatz für Narren, Technikfreaks und Spätpubertierende, die Umhängetaschen und iPhones cool finden.

Salus per Aquam: Die „bibliotheca universalis“ als „open library“

Vor einigen Monaten mußten die Benutzer der Universitätsbibliothek in Oldenburg harte Einschnitte in ihre angestammten Freiheiten hinnehmen, die sich dadurch nur als obrigkeitlich gewährte Privilegien entpuppten. Es herrscht nunmehr strengstens – unter strikter Anwendung der großherzoglichen Halsgerichtsbarkeitsordnung – das Verbot, Kaffeetassen und andere offene, mit lebenserhaltenden Flüssigkeiten gefüllte Gefäße mit in die Hauptbibliotheksräume zu nehmen. Die Bibliothek ist eine zentrale Präsenzbibliothek, man kann zwischen den Regalreihen aller Fakultäten und Institute, die an zwei Standorten untergebracht sind, perambulieren, ein Buch anlesen, sich festlesen, in Leseecken schmökern, an Tischen in Gruppen oder alleine arbeiten, in eigenen Räumen ungestört studieren. Auch wenn Piktogramme nonnenähnlich verhüllte Gesichter mit einem mahnenden Zeigefinger vor dem Mund von den Decken hängen, ist die Bibliothek in Oldenburg nicht nur ein Raum für Bücher, sondern für Bücher und Menschen. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem das privilegium zurückgenommen wurde, sah man immer wieder kleine Grüppchen, leise tuschelnd, schwatzend, lachend und an einem Becher Heißes nippend. Die Becher sind verschwunden, die Menschen – und natürlich auch die Bücher – jedoch nicht.

Die Bibliothek ist ein Ort der Begegnung, von Büchern und Büchern, Büchern und Menschen, Menschen und Menschen und der Kommunikation untereinander. Die Zeiten, in denen die ideale Bibliothek die ohne Leser ist, [Fn 42] dürften selbst in Heidelberg oder Konstanz vorbei sein. Verstehen wir das Internet als einen globalen, aber gleichzeitig auch regionalen, themenübergreifenden und zugleich Spezialinteressen fördernden Kommunikations- und Wissensraum, der auf dem Gemeinsinn als kooperative und kommunitaristische Handlungsmaxime beruht, der strukturell zu Eigenverantwortung, Partizipation und Austausch einlädt, dann ist diese bibliotheca universalis [Fn 43] der Ort, an dem Information und Wissen nicht nur archiviert, dokumentiert und zur Verfügung gestellt wird, sondern auch miteinander interagiert, sich weiterentwickelt und erweitert wird.

Der einzelne Nutzer steht vor dem Meer des Wissens wie der Knabe, dem der Kirchenvater Augustinus der Legende nach an einem Strand begegnet sein soll. Mit einer Muschel versuchte der, „das Meer auszuschöpfen“, sinnhaftes Bild für die notwendig scheiternden Versuche, die
Unbegreiflichkeit Gottes zu erfassen. „Das Internet“ – und „die netizens“ – sind weder unerschöpflich noch unbegreiflich. Es ist meiner Meinung nach an der Zeit, daß (gerade in Deutschland) endlich der Versuch unternommen wird, das Internet neu zu kartographieren, daß Intellektuelle den Mut haben, neue Perspektiven einzunehmen, aus reinen Beobachtern von trockenem Land aus zu teilnehmenden Beobachtern werden und mit der Vorstellung von Fabelwesen und Sagengestalten, die die Meere bevölkern, aufräumen und die eigene Semantik der „Meeresbewohner“ ohne kolonialistische Attitüde entschlüsseln und deuten. Den Bibliothekaren, die durch LIBREAS ja besonders angesprochen werden, fällt, aus meiner Sicht als Leser wie Autor die besondere Aufgabe zu, bei der Kartographie des Wissens behilflich zu sein, die verstreuten Dokumente, das durch Spezialinteressen fragmentierte Wissen bspw. durch Portale, die zu allen Volltextservern Deutschlands Zugang bieten, den Suchenden zu öffnen und ihnen – mit nautischen Instrumenten – den Weg zu weisen.

Damit wir schließlich sagen können: ex undis divitiae.


Fußnoten

[Fn 1] Odo Marquardt: Inkompetenzkompensationskompetenz?, in: Ders.: Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays, Stuttgart 2003,30f. (zurück)

[Fn 2] „Fast alle Untersuchungen zum Thema nähern sich folgender Definition an: Wer aufgrund fachlicher oder künstlerischer Leistung ein ganz besonderes Ansehen genießt und dieses nutzt, um sich auf geistig hohem Niveau wirkungsvoll zu Themen zu äußern, die das allgemeine Wohl betreffen – den nennen wir einen Intellektuellen“, bemerkt Gero von Randow in „Die Zeit“ vom 28.05.2009 („Geistesaristokratie“, http://www.zeit.de/2009/23/Internet-Freiheit); vgl. a. Habermas 2008c: 167 [siehe Fn 16]. (zurück)

[Fn3] Habermas 2008a: 83 [siehe Fn16]. (zurück)

[Fn4] Das vielbelächelte Diktum stammt von Adam Soboczynski: Das Netz als Feind, in: Die Zeit vom 22.05.2009, http://www.zeit.de/2009/22/Der-Intellektuelle (zurück)

[Fn5] Der Intellektuelle darf das Bewußtsein seiner „Fallibilität [...] nicht verlieren“ (vgl. Habermas 2008a: 83, [siehe Fn16]. (zurück)

[Fn 6] Nach Xenophon, Anabasis 4, 7, 24f. (zurück)

[Fn 7] So heißt es auch in den Digesten des Corpus Iuris Civilis noch rund 900 Jahre später: „Alle Tiere, welche auf der Erde, im Meer, in der Luft gefangen werden, gehören dem Fangenden (41, 1, 1, 1) und: „Nach dem Naturrecht sind Gemeingut aller: Luft, fließendes Wasser, das Meer und damit auch die Meeresküste“ (1, 8, 2, 1). (zurück)

[Fn 8] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ea/Carta_Marina.jpeg; auch: http://bell.lib.umn.edu/map/OLAUS/indexo.html; vgl. a. Joachim Losehand: Copykill, in: Freitag-Blog vom 29.07.2009, http://www.freitag.de/community/blogs/joachim-losehand/copykill (zurück)

[Fn 9] Allg. Überblick unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Moskenstraumen (zurück)

[Fn 10] Martin Grötschel: Mein digitaler Traum, in: Gegenworte 8 (2001): Digitalisierung der Wissenschaften, S. 10ff. (zurück)

[Fn 11] Vgl. Joachim Losehand: Der Zwang zur Freiheit. Open Access und Digitalisierung in den Geisteswissenschaften, in: Der Freitag vom 20.05.2009, S. 18, http://www.freitag.de/kultur/0921-wissen-open-access-wissenschaft-autoren-verlage (zurück)

[Fn 12] Matthew Robson : How Teenagers Consume Media, in: Morgan Stanley 10.07.2009, http://media.ft.com/cms/c3852b2e-6f9a-11de-bfc5-00144feabdc0.pdf; vgl. Leonard Novy: Teenager nutzen Twitter nicht, in: Carta, http://carta.info/11675/teenagers-nutzen-twitter-nicht/ (zurück)

[Fn 13] Richtigerweise wird man mich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß weder die Infrastruktur, noch der Zugang zum Internet kostenlos ist, und auch kostenpflichtige Inhalte angeboten werden. Auch ist die technische Infrastruktur nicht überall und jederzeit garantiert erreichbar. Was jedoch zählt, ist der subjektive und allgemeine Eindruck, was die Nutzungsmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit und Kostenstruktur anlangt; auch das Radio ist per se nicht „kostenlos“ und überall gleich empfangbar, Kosten und Zugangsprobleme schwinden jedoch gegen „Null“ in Vergleich zu steigender Nutzungsintensität. (zurück)

[Fn14] Habermas 2008a: 84, siehe [Fn16]. (zurück)

[Fn15] Marcel Weiss: Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland (Teil 2 von 3), in: Netzwertig vom 30.04.2009, http://netzwertig.com/2009/04/30/deutschland-degeneriert-in-ein-entwicklungsland-teil-2-von-3/ (zurück)

[Fn16] Jürgen Habermas: Ach, Europa, Frankfurt am Main 2008; darin: (a) Ein avantgardistischer Spürsinn für Relevanzen. Die Rolle des Intellektuellen und die Sache Europas, zuerst Wien am 09.03.2006, S. 77-87; (b) Medien, Märkte und Konsumenten – Die seriöse Presse als Rückgrat der politischen Öffentlichkeit (= „Keine Demokratie kann sich das leisten“, SZ am 16.05.2007, http://www.sueddeutsche.de/kultur/21/404799/text/), S. 131-138; (c) Hat die Demokratie noch eine epistemische Dimension? Empirische Forschung und normative Theorie, Kurzfassung zuerst Dresden im Juni 2006, S. 138-191; eine kritische Würdigung bieten u. a.: Daniel Leisegang: Jürgen Habermas zum 80.: Die Rückkehr der Öffentlichkeiten, in: Carta, http://carta.info/10629/juergen-habermas-die-rueckkehr-der-oeffentlichkeiten/ und Robin Meyer-Lucht: Habermas, die Medien, das Internet‚ in: Perlentaucher vom 04.06.2008, http://www.perlentaucher.de/artikel/4686.html. (zurück)

[Fn17] Marek Lieberberg: Das wollt ihr nicht wirklich, in: Süddeutsche Zeitung vom 18./29.03.2009, http://www.sueddeutsche.de/kultur/595/463206/text/ (zurück)

[Fn18] Adam Soboczynski: Das Netz als Feind, in: DIE ZEIT vom 22.05.2009, http://www.zeit.de/2009/22/Der-Intellektuelle (zurück)

[Fn19] Ein Fundstück aus meiner Lektüre von T. C. Boyle: Die Frauen, München 2009, S. 347. (zurück)

[Fn20] Vgl. zum ersten Überblick: http://de.wikipedia.org/wiki/PageRank (zurück)

[Fn21] Vgl. zu den kommerziellen Aspekten Andreas Göldi: Überzeugung zählt,
nicht bloße Aufmerksamkeit, in: Netzwertig vom 10.07.2009, http://netzwertig.com/2009/07/10/attention-economics-ueberzeugung-zaehlt-nicht-blosse-aufmerksamkeit/ (
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[Fn22] Vgl. Ben Kaden: Die Freiheit im Digitalen: Ein Text zum Open Access im Freitag, in: IBI-Weblog vom 20.05.2009, http://weblog.ib.hu-berlin.de/?p=6984 (zurück)

[Fn23] Nur der Vollständigkeit halber erwähne ich, daß ich keine gedruckten Tageszeitungen, sondern nur gedruckte Wochen- oder Monatszeitungen und -journale halte, die entweder keine, eine selektive oder eine vollständige (kostenfreie) open-access-Verfügbarkeit der Artikel nicht für nur Abonnenten bieten. (zurück)

[Fn24] Vgl. a. der Einwand gegen kostenpflichtige Inhalte im Nachrichtengeschäft Marcel Weiss: Warum Bezahlinhalte nicht funktionieren, in: Netzwertig vom 05.06.2009, http://netzwertig.com/2009/06/05/nachrichtengeschaeft-im-internet-warum-bezahlinhalte-nicht-funktionieren/ (zurück)

[Fn25] Man möge mir meine Befangenheit als Blogger des Freitag bei dieser subjektiven Einschätzung verzeihen. (zurück)

[Fn26] Daß wir den „begrüßenswerte[n] Zuwachs an Egalitarismus, den uns das Internet beschert, [...] mit der Dezentrierung der Zugänge zu unredigierten Beiträgen“ (Habermas 2008a: 82) bezahlen, hat später Susanne Gaschke in ihrem ZEIT-Artikel vom 23.04.2009 ohne Quellenhinweis aufgegriffen und vom „unlektorierte[n] Mitteilungsbedürfnis der Nutzermassen“ gesprochen; vgl. (Im Netz der Piraten, http://www.zeit.de/2009/18/pirate-bay-urheberrecht). (zurück)

[Fn27] Uwe Jochum: Der Souverän, in: Libreas Preprint 001 vom 07.07.2009, http://libreas.eu/preprints/001joch.htm (zurück)

[Fn28] Vgl. die redaktionelle Einleitung zu Uwe Jochum: Der Souverän, in: Libreas Preprint 001 vom 07.07.2009, http://libreas.wordpress.com/2009/07/07/libreas-preprint-no-1-uwe-jochum-der-souveran/. (zurück)

[Fn29] „Leider steht das Heft nicht Open Access zur Verfügung“ [http://open-access.net/de/austausch/news/news/anzeige/gegenworte_212009_schwe/]; „Gegenworte 21/2009, nicht online!“ [Johan Schloemann: Die Wissenschaft im Netz. Schluß mit dem Kulturkampf: Die Chancen des Open Access, in Süddeutsche Zeitung vom 15.07.2009, http://www.sueddeutsche.de/V5p38s/2967339/Die-Wissenschaft-im-Netz.html]. Vielen Dank an Markus Schnöpf von der BBAW für die „hintergründigen“ Hinweise (http://libreas.wordpress.com/2009/07/28/libreas-preprint-no-3-joachim-losehand-moskenstraumen/#comments); daß man über „Open Access“ auch „open access“ diskutieren kann, zeigt die Juli/August-Ausgabe (5) 2009 von „Information Wissenschaft und Praxis“ (http://www.fachbuchjournal.de/journal/sites/default/files/IWP-5_2009_kpl.pdf
(via Klaus Graf, http://archiv.twoday.net/topics/Open+Access/). (
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[Fn 30] Joachim Eberhardt: Wiederholung erzeugt keine Wahrheit. Jochum schreibt immer noch gegen Open Access, in: Libreas Preprint 002 vom 07.07.2009, http://libreas.eu/preprints/002.htm und Johan Schloemann: Die Wissenschaft im Netz. Schluß mit dem Kulturkampf: Die Chancen des Open Access, in Süddeutsche Zeitung vom 15.07.2009, http://www.sueddeutsche.de/V5p38s/2967339/Die-Wissenschaft-im-Netz.html. (zurück)

[Fn 31] Susanne Gaschke: Im Netz der Piraten, in: DIE ZEIT vom 23.04.2009, http://www.zeit.de/2009/18/pirate-bay-urheberrecht (zurück)

[Fn 32] Joachim Losehand: Geistiges Eigentum und seine Verbreitung im Digitalen Zeitalter, http://www.open-excess.net/2009062701. (zurück)

[Fn 33] Matt Mason: The Pirate’s Dilemma, http://thepiratesdilemma.com/download-the-book: „Here you can download an electronic copy of the book. The price is entirely up to you”: https://www.e-junkie.com/ecom/gb.php?c=cart&i=115760&cl=25156&ejc=2&amount=5; (zurück)

[Fn 34] http://piratecoelho.wordpress.com/; vgl. auch http://www.literaturcafe.de/paulo-coelho-buecher-kostenlos-zum-download/ (zurück)

[Fn 35] http://creativecommons.org/; Uwe Jochum mißversteht in seinem jüngsten Beitrag in dieser Zeitschrift (vgl. [Fn27]) den Begriff der „(Wissens-)Allmende“ (engl. creative commons), indem er ihn – wie auch fälschlich „Open Access“ als originär institutionell organisiert und verwaltet interpretiert. Im Gegenteil: die Rechte- bzw. Lizenzverwaltung, die Erteilung von Nutzungsrechten wird von jedem Urheber in seiner eigenen souveränen Regie vergeben. (zurück)

[Fn 36] Johan Schloemann: Schluß mit dem Kulturkampf, in: Süddeutsche Zeitung vom 15.07.2009; http://www.sueddeutsche.de/V5p38s/2967339/Die-Wissenschaft-im-Netz.html (zurück)

[F n37] http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_hans_peter_bartels-650-5800--f187860.html#frage187860 (zurück)

[Fn 38] Vgl.
- Thierry Chervel: Fast wie bei Amazon - Rechteeinkauf bei der FAZ, in: Perlentaucher vom 28.0.2007, http://www.perlentaucher.de/artikel/4187.html;
- Anja Seeliger: Die FAZ enteignet den Papst, in: Perlentaucher vom 02.04.2009, http://www.perlentaucher.de/blog/21_faz_enteignet_den_papst; neuestens: http://www.literaturcafe.de/deutsche-literaturgesellschaft-macht-elke-heidenreich-ungefragt-zur-herausgeberin) und http://www.literaturcafe.de/texte-von-elke-heidenreich-erscheinen-bei-einem-zuschussverlag;
- Joachim Losehand: Die FAZ scheißt auf Elke Heidenreich, in: Freitag-Blog vom 26.06.2009, http://www.freitag.de/community/blogs/joachim-losehand/wir-sind-troja--oder-die-faz-scheisst-auf-elke-heidenreich (
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[Fn 39]
(1) http://www.youtube.com/watch?v=3lFCyFeX3dQ&feature=fvst
(2) http://www.youtube.com/watch?v=nPulR4ZWjbg
(3) http://www.youtube.com/watch?v=l7xudPdSqpY
(4) http://www.youtube.com/watch?v=2Uq8yo7SRa8
(5) http://www.youtube.com/watch?v=7mFDXNODNyc
(6) http://www.youtube.com/watch?v=PLVoayDCXBc (
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[Fn 40] Thierry Chervel: Hört nicht auf die Heidelberger Bocksgesänge, Perlentaucher vom 05.07.2009, http://www.perlentaucher.de/blog/48_hoert_nicht_auf_die_heidelberger_bocksgesaenge (zurück)

[Fn 41] Vgl. nochmals Daniel Leisegang: Jürgen Habermas zum 80.: Die Rückkehr der Öffentlichkeiten, in: Carta, http://carta.info/10629/juergen-habermas-die-rueckkehr-der-oeffentlichkeiten/ und Robin Meyer-Lucht: Habermas, die Medien, das Internet, in: Perlentaucher vom 04.06.2008, http://www.perlentaucher.de/artikel/4686.html (zurück)

[Fn 42] Umberto Eco: Wie man eine öffentliche Bibliothek organisiert, in: ders: Wie man mit einem Lachs verreist, München (2) 1995, S. 26ff.; in Auszügen: http://www.mpi-hd.mpg.de/biblio/eco.htm (zurück)

[Fn 43] Peter Haber: Der wiedererwachte Traum von der „Bibliotheca Universalis“. Das totale Wissen im digitalen Zeitalter, in: NZZ vom 24.01.2000, S. 25f., open access unter http://www.hist.net/haber/texte/103559.pdf (zurück)