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Rückschau: Zukunft & Visionen für OA-Repositories. Protokollarische Zusammenfassung zum Workshop „Förderung der wissenschaftlichen Informationslandschaft in Deutschland“ von DFG und DINI e.V. am 26.-27.02.2008

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Zitiervorschlag
Maxi Kindling, Sandra Lechelt, "Rückschau: Zukunft & Visionen für OA-Repositories. Protokollarische Zusammenfassung zum Workshop „Förderung der wissenschaftlichen Informationslandschaft in Deutschland“ von DFG und DINI e.V. am 26.-27.02.2008". LIBREAS. Library Ideas, 12 ().


Dem einen oder anderen Teilnehmer mag das flinke Klappern der Tasten am Rande des Workshops aufgefallen sein, das von vorne links durch den Konferenzraum im Erwin Schrödinger-Zentrum hallte. Und damit das Echo nicht undokumentiert bleibt, gibt es im folgenden Bericht eine kleine Zusammenfassung dessen, was wir an unserem Tisch von den Vorträgen und Diskussionen des Workshops zur „Förderung der wissenschaftlichen Informationslandschaft in Deutschland“ [Fn1] aufschnappen konnten. Die zumeist nicht unwichtigeren Gespräche und Vertragsabschlüsse zwischen den Reihen finden die Leser hier nicht festgehalten, aber man darf hoffen, das ein oder andere offiziell über diverse Kommunikationskanäle zu erfahren.

Am 26. und 27. Februar 2008 veranstalteten die Arbeitsgruppen „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und „Elektronisches Publizieren“ der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI) ihren zweitägigen Workshop in Berlin Adlershof. Dieser lockte rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Rand Berlins von der Berlin-Mitte-Perspektive munkelt man hin und wieder von den Anstrengungen einer Tagesreise, was aber nur stimmt, wenn der ÖPNV gerade streikt. Zu diesem Zeitpunkt tat er es glücklicherweise noch nicht und so stand der Diskussion aktueller OA-Projekte und Chancen und Strategien beim Aufbau und der Vernetzung von Repositorien auf nationaler und internationaler nichts Verkehrstechnisches im Wege. Die einzelnen Vorträge wären selbstverständlich auch dann auf der DINI-Website abrufbar.[Fn2]

Als Startschuss in die Veranstaltung gab Dr. Johannes Fournier – neben der allgemeinen Vorstellung des DFG-Förderprogramms „Aufbau und Vernetzung von Repositorien“ [Fn3] eine Reihe von besonderen Denkanstößen zu den gegenwärtigen Entwicklungen im Bereich rechtlicher Auflagen im US-amerikanischen und europäischen Kontext wie beispielsweise die Open Access-Mandate für Bewilligungsempfänger der National Institutes of Health (NIH), die den freien Zugang zu von ihnen geförderten wissenschaftlichen Publikationen fordern, sowie die Verabschiedung der „Council conclusions on scientific information in the digital age: access, dissemination and preservation“ durch die Europäische Kommission [Fn4]. Fournier forderte generell eine Publikationsinfrastruktur, über die Inhalte frei verfügbar verbreitet und langfristig verfügbar gemacht werden können. Um eine solche zu fördern [Fn5], unterstützt die DFG bereits Projekte beim Aufbau elektronischer Zeitschriften. Dies wird in Zukunft noch intensiviert, wenn der Schwerpunkt einer stärkeren Verzahnung zwischen Forschungsmaterialien, den eigentlichen Publikationen der Wissenschaftler und den Primärdaten, greift. Damit können elektronische Zeitschriften im wissenschaftlichen Umfeld weiter an Attraktivität gewinnen. Qualitativ hochwertige Ansätze sind bereits vorhanden: Jetzt gilt es, diese zu nutzen und auszubauen.

Davon abgesehen, dass zukünftige Initiativen im OA-Bereich einen hohen innovativen Faktor aufweisen müssen, wurde an dieser Stelle deutlich, dass Wissenschaftler und Autoren von der Leistungsfähigkeit des OA-Publizierens, der Infrastruktur der Repositorien und ihrer Mehrwertdienste wie Nutzungs- und Zitationsstatistiken oder dem Metadatenimport und -export überzeugt werden müssen. Um eine verstärkte Anbindung der Wissenschaft an die Repositorien zu erreichen, sollte zudem die Wirkung des deutschen Forschungsbeitrages durch eine verbesserte nationale und internationale Sichtbarkeit der Wissenschaftsproduktion verstärkt werden. Mit Blick auf die schnell ansteigende Wachstumsrate von Repositorien in Deutschland (und weltweit) müssen Wege aufgezeigt werden, wie eine gezielte Ansprache der wissenschaftlichen Communities erfolgen kann – beispielsweise durch die verstärkte Einbindung der jeweiligen Fachgesellschaften.

Ein richtungsweisendes Projekt ist hier das DFG-geförderte und von DINI koordinierte OA-Netzwerk (Laufzeit: 9/2007-9/2009) [Fn6]. In diesem Zusammenhang gibt es zwei sehr interessante weitere Projekte: OA-Statistik und OA-Zitation. Beide fokussieren Serviceleistungen wie Nutzungsstatistiken und Zitationsanalysen, was alle Sziento- und Bibliometriker begeistern dürfte, aber auch jenseits der Wissenschaftsforschung spannende Mehrwerte produzieren kann.

Ausgehend von den Ergebnissen der CNI-JISC-SURF-Konferenz „Making the Strategic Case for Institutional Repositories“ [Fn7] im Mai 2005, möchte man mit dem Projekt „OA-Statistik“ die Infrastruktur für standardisierte Nutzungsstatistiken unter besonderer Berücksichtigung institutioneller Repositorien untersuchen und dem Projektziel einer Entwicklung nicht nur näher kommen, sondern dieses möglichst auch mit Bravour erreichen. Zusammen mit dem Projekt „OA-Zitationen“, das mithilfe von DOARC [Fn8] (Distributed Open Access Reference
Citation Services) Zitationen erschließt und zur Verbesserung des Impact-Faktors von OA-Publikationen führen wird, erfolgt damit eine dringend notwendige Harmonisierung und Standardisierung im Bereich der institutionellen Dokumentenserver.

Die theoretischen Hinweise ergänzte Thomas Severiens vom Fachbereich Mathematik der Universität Osnabrück mit seinem praktischen Blick auf eine nötige infrastrukturelle Vernetzung der Repositorien um die technische Realisierung. So gehören zu Mehrwertdiensten beispielsweise ein übergreifendes Retrieval in den Metadaten und Volltexten, ein ebenfalls übergreifendes Browsing unter Zuhilfenahme der Dewey Decimal Classification (DDC) und vertiefender Fachklassifikationen sowie diverse Exportschnittstellen für Printing on demand, OAI-Dataprovider und Alert-Dienste.

Dr. Wolfram Horstmann vom paneuropäischen Projekt DRIVER [Fn9] (Digital Repository Infrastructure Vision for European Research) befasste sich in seinem Beitrag mit der Einbettung deutscher Vorhaben in den europäischen und internationalen Rahmen. Dabei gab er einen kurzen Überblick über die nationale (z. B. DARE in den Niederlanden, SHERPA in Großbritannien und DINI in Deutschland) und die internationale Infrastruktur-Landschaft
(auf EU-Ebene: e-infrastructures, USA: cyberinfrastructure).

Die sich anschließenden Vorträge bezogen sich auf den konkreten Aufbau und die Gestaltung von „Green Road“-Angeboten wie eSciDoc [Fn10] und das Social Science Open Access Repository (SSOAR).

eSciDoc ist ein Projekt der Max-Planck-Gesellschaft, das zwar disziplinübergreifend angelegt ist, aber eine vereinheitlichte Infrastruktur mit einer service-orientierten Architektur besitzt, so dass es durch jeweils spezialisierte Einzellösungen (Solutions) auf fachbezogene Repositorien angepasst werden kann. Dies umfasst auch die Verfügbarmachung von Experimental- und Rohdaten.[Fn11]

Der fachspezifische Dokumentenserver SSOAR [Fn12] ist aus der OA-Zeitschrift FQS [Fn13] entstanden, die als eigenständige Marke mit internationaler Relevanz bereits als etabliert gilt. Ausschlaggebend für Erwägungen in Richtung Green Road waren die Aktivitäten des Central Repository PsyDok. Bei diesem Projekt spielt der Beirat von SSOAR eine interessante Rolle, stammen seine Mitglieder doch direkt aus dem Kern der Wissenschaftscommunity,
was einer starken fachlichen Einbindung „Türen öffnet“. Ein begeisterter Fachkollege wirkt manchmal weitaus überzeugender als ein enthusiastischer DINI-Pionier.

Zusätzlich präsentierte Dr. Michael Diepenbroek vom World Data Center for Marine Environmental Sciences (WDC-Mare) [Fn14] PANGAEA (Publishing Network for Geoscientific & Environmental Data) [Fn15], ein vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und der Universität Bremen betriebenes Weltdatenzentrum. Hier werden seit 15 Jahren äußerst erfolgreich geowissenschaftliche und umweltbezogene Daten weltweit frei zur Verfügung gestellt. Das Projekt wurde zuletzt im November 2007 von der Zeitschrift InfoWorld mit einem Award ausgezeichnet.[Fn16]

Die Verbindung des Institutional Repository der Universität des Saarlandes mit der lokalen Hochschulbibliographie stellte Ulrich Herb von der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek vor. So bilden SciDok und PsyDok eine technisch hervorragend ausgestattete Infrastruktur zum Self-Archiving. Das Institutional Repository ist mittlerweile fester Bestandteil der Jahresbibliographie. Durch die Offenlegung von Primärdaten sollen nicht zuletzt auch die Transparenz und die Akzeptanz für OA-Repositorien wie SciDok gestärkt werden. Eine Evaluierung mit transparenten Daten aus der traditionellen Evaluation mit Publikations- und Zitationsstatistiken zur Ermittlung des Impact-Faktors und der gleichzeitigen Anwendung von neuen Methoden wie OA-Statistik/OA-Zitationen kann hier wunderbar zum Ziel führen, wenn eine gemeinsame Schnittmenge vorliegt bzw. eine verstärkte Vernetzung mit dem Angebot kommerzieller Datenbankanbieter erfolgt.

Der erste Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen im wirklich hervorragenden Köpenicker Ratskeller, wobei es zur Wahl der Speisen und zum Tischgespräch keine überlieferten Notizen gab.

Am zweiten Tag des Workshops drehte sich alles weniger um die Teilnehmer als hauptsächlich um die Publikationsform eJournals als mittlerweile eine der wichtigsten in vielen wissenschaftlichen Disziplinen und vielfältigen Open Access-Geschäftsmodellen. Das elektronische Publizieren nach den Open Access-Prinzipien führt zu einem allgemeinen Wandel in der wissenschaftlichen Kommunikationskultur. Daher sind, so Fournier, immer auch wieder neue Entwicklungen bei den Publikations- und Geschäftsmodellen zu verzeichnen, die zukünftig die technische Infrastruktur von Repositorien beeinflussen, wenn diese als Fachrepositorien mit sehr strengen Qualitätskriterien betrachtet werden.

Mit der Präsentation des DFG-Projekts „GIGA Journal Family – Open Access“ [Fn17] (Laufzeit 12/2007-11/2009) durch Wenke Siedersleben (Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien), das als Querschnittsprojekt des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) der Leibniz-Gemeinschaft und der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) fünf Print-Fachzeitschriften aus den Bereichen Asien, Afrika und Lateinamerika nun online herausgibt, kam der während des ersten Workshoptages häufige Wunsch nach einer verstärkten Kooperation zwischen OA-Repositorien und der wissenschaftlichen Community der jeweiligen Fachdisziplin durch die fachliche Unterstützung im Beirat des Projekts und besonders im Rahmen der redaktionellen Arbeit ganz praktisch zur Sache. Das Journal nimmt in den OA-Bestrebungen der Leibniz-Gemeinschaft (im Dezember 2007 gab die Leibniz-Gemeinschaft ihre Empfehlungen zu Open Access heraus) eine Pionier-Position ein. Geplant ist nach einer fünfstufigen Umsetzungsphase eine Hybridkonstruktion aus Open Access- und Printausgabe. Finanziert wird dieses Konzept durch ein Mischfinanzierungsmodell, das über Cost-Sharing auf fünf Säulen gestützt die einzelnen Medien nicht gegeneinander ausspielt, sondern kombiniert:

  • Printeinnahmen auf Grundlage der Abo- und Subskriptionsstruktur
  • Author pays-Modell (Article fees)
  • Fondsmodell/Fundraising: Patenschaften
  • Burdensharing: internationale Partner im Bereich Area Studies im Sinne von inhaltlicher Kooperation und Gastherausgeberschaften
  • Tax Payer Funded Research (Stiftung GIGA hat den Publikationsauftrag)

Durch die Weiterführung von bereits etablierten Zeitschriften mit einem festen Leser- und Autorenstamm kann die Heranführung von Autoren und Lesern an Open Access wesentlich vereinfacht werden.

Ulrich Korwitz vom Open Access-Portal German Medical Science [Fn18] der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) vermittelte einen Einblick in die Kundenorientierung für Content-Anbieter im medizinischen Bereich. Neben Fachzeitschriften und Kongresspublikationen werden Forschungsberichte Open Access gestellt. Die ZB MED will durch ihre Aktivitäten im Open Access-Bereich von der passiven Rolle der Bibliothek weg zum primären aktiven Content- und Serviceprovider werden, um so auch in der Zukunft ihre Nutzer zu erreichen und damit ihre Existenz zu sichern. Das Motto lautet demnach: Agieren statt Reagieren. Nach einer Anschubfinanzierung durch die DFG und das Bundesgesundheitsministerium basiert das Portal mittlerweile sowohl auf einer institutionellen Trägerschaft durch die Fachgesellschaften, die ZB MED und das Deutsche Zentralinstitut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), als auch auf einer Quersubventionierung durch Kongresse und Print, Refinanzierung durch Werbung und Publikationszuschüsse (z. B. durch die DFG) sowie Spenden.

Zu den Erfolgsfaktoren des Portals zählen ein strenges Peer-Review-Verfahren, die hohe Publikationsqualität, die Zuverlässigkeit von Redaktion und Technik, ein gutes Marketing sowie regelmäßige Herausgebertreffen und eine turnusmäßige Evaluation. Vor allem die Wahrung eines unabhängigen Peer Review-Verfahrens bildet hier ein gewichtiges Argument, mit dem sich Vorwürfen seitens der Verlage nach einem Verlust der Qualität im wissenschaftlichen Publizieren wirksam entgegen treten lässt.

Dass Open Access längst auch die Geisteswissenschaften erreicht, zeigt die Plattform „perspectivia“ [Fn19] der Deutschen Historischen Institute (DHI) im Ausland. Diese wird ab Oktober 2008 ausgewählte Publikationen der geisteswissenschaftlichen Auslandsinstitute kostenlos zur Verfügung stellen. Als Projektträger treten dabei die Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland und das DHI in Paris (in Kooperation mit der BSB München) auf. Die Referenten Gudrun Gersmann und Michael Kaiser betonten, dass derartige Projekte nur auf Basis der Freiwilligkeit funktionieren und die Autoren von der erhöhten Sichtbarkeit im Netz überzeugt sein müssen. Das Konzept von perspectivia beruht auf dem Ziel einer „doppelten Vermittlung“. Das bedeutet, dass deutsche Forschung in andere Wissenschaftskulturen übertragen wird und Impulse ausländischer Forschung in die deutsche Wissenschaft mit einfließen. Publiziert werden die Beiträge mithilfe eines gemischtes Modells bzw. nach dem Moving Wall-Prinzip: 12 Monaten nach der Erstpublikation dürfen die Dokumente aus der Printversion auch online gestellt werden. Diskutiert wurde vor allem die Rechteproblematik in Bezug auf die Internationalität und die Retrodigitalisierung.

Das OA-Journal „Economics – The Open-Access, Open-Assessment E-Journal“ [Fn20] des Instituts für Weltwirtschaft und der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften gehört zum Fachgebiet Volkswirtschaftslehre und erscheint nur noch online – bzw. e-only, wie man es unter Fachleuten nennt. Das Besondere an der Zeitschrift ist, dass den Lesern die Möglichkeit zum Bewerten und Kommentieren von Artikeln eingeräumt wird. Damit erreicht man eine besondere Beteiligung der Fachcommunity mit allen Vor- und Nachteilen. Zudem werden Download-Zahlen sowie Zitationen der Artikel gezählt, was eine direkte Nutzungsrückkopplung ermöglicht und u. U. einen zusätzlichen Nutzungsanreiz darstellt. In Zukunft werden vor allem Marketingaktivitäten in der wissenschaftlichen Community (z. B. Beiträge auf Fachkonferenzen) Priorität haben. Paper, die nicht den Qualitätskriterien von Economics genügen, werden häufig als Diskussionsgrundlage veröffentlicht und können so in der Community diskutiert werden.
Die Volltexte von Economics werden in einem Repositorium abgelegt – hier liegt also eine schöne Verbindung bzw. Schnittstelle für die Verzahnung von Repositorien und Journals vor.

„Verzahnung“ war auch das Leitthema in der abschließenden Podiumsdiskussion zur Fragestellung „Wie ist Deutschland aufgestellt im Bereich der digitalen Repositorien?“.
Allerdings ging es nicht nur um das Zusammenwirken von OA-Publishern und Repositorien, sondern generell um eine intensive Kommunikation zwischen Bibliotheken, Medien- und Rechenzentren und der Wissenschaft. Die Schaffung einer Open Access-Infrastruktur in Verbindung mit einem gut ausgebauten Angebot an Mehrwert-Diensten soll die wissenschaftliche Community stärker an Open Access-Repositorien binden und ihnen den Wert von Open Access für die eigene Forschung verdeutlichen, so der allgemeine Tenor.

Weiterhin ist zu beachten, dass es nicht einen Königsweg oder einen Anlaufpunkt für alle wissenschaftlichen Communities geben kann, so dass sich die Förderungspolitik in Deutschland möglichst auf einzelne, für Fachcommunities zugeschnittene Lösungen, konzentrieren muss. In Ergänzung dazu wurde auf die Vision einer Infrastruktur „One infrastructure fits all“ anstelle von „One size fits all“ hingewiesen – Repositorien müssen sich fachspezifisch ausrichten und so die Infrastruktur mit der wissenschaftlichen Community zusammenbringen.

Die Repositorien und die wissenschaftlichen Communities miteinander zu verknüpfen, ist eines der festen Ziele von DINI, so das DINI-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Peter Schirmbacher. Allerdings ist dieses Ziel längst noch nicht, sondern nur im Ansatz durch die OA-Plattform erreicht worden.

Dr. Stefan Gradmann benannte das fehlende prägende deutsche Profil im internationalen Kontext der Repositorien trotz der sehr guten Aufstellung deutscher Repositorien im Allgemeinen als ein Defizit – hier sei auch ein DINI-Zertifikat [Fn21] nicht ausreichend. So sind die Geistes- und Sozialwissenschaften in den Maps of Science auf Basis bibliometrischer Daten nur spärlich vertreten. An dieser Stelle kann z. B. hinsichtlich der Frage, welche community-spezifischen Erfordernisse an Open Access aus den Human and Social Sciences gestellt werden, ein wichtiger Beitrag von deutscher Seite geleistet werden. Die Auseinandersetzung mit komplexen digitalen Objekten ist ebenfalls ein wichtiger (deutscher) Ansatz. Im geisteswissenschaftlichen Bereich kann man davon ausgehen, dass die deutsche Sprache als Publikationssprache weiterhin eine tragende Rolle spielen wird, während der STM-Bereich zunehmend ausschließlich englischsprachig publiziert. Die Erhaltung der sprachlichen Diversität ist dennoch vor allem für die europäische Agenda von Bedeutung.

Dr. Fournier wies in seinem Statement noch einmal auf die sich unterscheidenden Bereiche Bibliotheken und Rechenzentren einerseits und die wissenschaftlichen Communities andererseits, die selbst Publikationssysteme aufsetzen können, hin. Bislang gibt es nur wenige und in jedem Fall zu wenige Berührungspunkte. Aufgabe der Repositorien wird es sein, sich überschneidende Aktivitäten zu erkennen und zu fördern. Natürlich muss auch geprüft werden, „ob die Community diese spezifischen Projekte bzw. Dienste braucht.“ Im Vorfeld ist es allerdings wichtig, die Wissenschaftler zu überzeugen, da diese den Nutzen und die Bedeutung der Repositorien und eJournals erkennen müssen, betonte Gudrun Gersmann. Sie sollten vor allem in Ergänzung zu Workshops stärker auf Fachkonferenzen Präsenz zeigen. Neben dem Ausbau einer serviceorientierten Architektur muss man an der Erstellung von konsistenten Data Policies arbeiten, die auch die Nutzung und Bereitstellung von Primärdaten mit einschließt.

Peter Schirmbacher fasste als Gastgeber schließlich die Ergebnisse des Workshops als formulierten Auftrag an die DINI zusammen, den Versuch zu unternehmen, eine stärkere Verbindung und Nähe der wissenschaftlichen Community zur Repositorien-Infrastruktur und zur Open Access-Politik durch eine verstärkte Einbindung von Fachwissenschaftlern z. B. in das OA-Netzwerk herzustellen.

[Fn 1] Workshop-Seite: http://www.dini.de/veranstaltungen/workshops/
oa-netzwerk-2008
, letzter Abruf: 02.03.2008: (zurück)

[Fn 2] http://www.dini.de/veranstaltungen/workshops/oa-netzwerk-2008/programm/, letzter Abruf: 11.03.2008 (zurück)

[Fn 3]. Ausschreibung der DFG: http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/
download/ausschreibung_vernetzung_repositorien_080308.pdf
, letzter Aufruf: 02.03.2008. (zurück)

[Fn 4] siehe dazu: http://ec.europa.eu/information_society/activities/digital_libraries/
doc/scientific_information/communication_de.pdf
, letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)

[Fn 5] DFG-Positionspapier: „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und
Informationssysteme: Schwerpunkte der Förderung bis 2015“:
http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/
wissenschaftliche_infrastruktur/lis/ download/positionspapier.pdf
, letzter Abruf: 02.03.2008.
(
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[Fn 6] OA-Netzwerk: http://www.dini.de/oa-netzwerk/, letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)

[Fn 7] Konferenzbericht: http://www.surffoundation.nl/download/
report%20cni-jisc-surf-conference.pdf
, letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)

[Fn 8] DOARC: http://doarc.projects.isn-oldenburg.de/, letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)

[Fn 9] Projekt DRIVER: http://www.driver-repository.eu/, letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)

[Fn 10] eSciDoc: http://www.escidoc-project.de/, letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)

[Fn 11] eSciDoc Days am 9. und 10. Juni 2008 in Berlin: http://www.escidoc-project.de/JSPWiki/en/EscidocDays, letzter Abruf: 11.03.2008. (zurück)

[Fn12] SSOAR: http://www.ssoar.info/, letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)

[Fn 13] Zeitschrift FQS: http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs.htm, letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)

[Fn 14] WDC-Mare: http://www.wdc-mare.org/, letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)

[Fn 15] PANGEA: http://www.pangaea.de/, letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)

[Fn 16] Infoworld: http://www.infoworld.com/article/
07/11/12/46FEinfoworld100-01-alphabetical_1.html, letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)

[Fn 17] GIGA Hamburg Publikationen: http://www.giga-hamburg.de/index.php?
file=publikationen.html&folder=publikationen
, letzter Abruf: 04.04.2008 (zurück)

[Fn 18] Portal German Medical Science: http://www.egms.de/de/, letzter Abruf: 04.04.2008 (zurück)

[Fn 19] Perspectivia: http://www.perspectivia.net, letzter Abruf: 04.04.2008 (zurück)

[Fn 20] eJournal Economics: http://www.economics-ejournal.org/, letzter Abruf: 04.04.2008. (zurück)

[Fn 21] DINI-Zertifikat: http://www.dini.de/service/dini-zertifikat/, letzter Abruf: 04.04.2008 (zurück)